Weiden in der Oberpfalz
05.11.2018 - 18:08 Uhr

Schreck am Friedhof

Beim Grabbesuch am Waldfriedhof kommen die Großeltern vom Weg ab. Der Enkel findet auf einem Erdhaufen menschliche Knochen. Was den Weidenern als pietätloser Umgang erscheint, entpuppt sich als Verkettung unglücklicher Umstände.

Bedauern den Fehler: (von links) Sachgebietsleiter Thomas Huber, Baureferent Oliver Seidel und Friedhofsaufseher Oliver Kölbl. Bild: jrh
Bedauern den Fehler: (von links) Sachgebietsleiter Thomas Huber, Baureferent Oliver Seidel und Friedhofsaufseher Oliver Kölbl.

"Opa, da liegen die Rippen von einem", ruft der Enkel. Der ins Fränkische umgesiedelte Weidener (Name der Redaktion bekannt) traut seinen Augen nicht: "Ich wollte es erst nicht glauben, aber es war ganz eindeutig." Seit sie nicht mehr in Weiden wohnten, räumt er ein, kämen sie nicht mehr so oft ans Grab der Schwiegereltern: "Auf dem Weg zurück zum Auto sind wir einmal kurz falsch abgebogen und kamen zu diesem Fundort."

Der Fundort, das ist der Bereich, in dem die Friedhofsarbeiter den Aushub offengelassener Gräber zwischenlagern. Abgesperrt ist der zwar nicht, aber der Zugang zu dem abgelegenen Platz führt an zwei großen Containern vorbei. "Schade, dass sich die Leute nicht zu erst an uns gewandt haben", bedauert Friedhofsaufseher Oliver Kölbl. "Dann hätten wir das gleich vor Ort klären können."

Der Fundort, das ist der Bereich, in dem die Friedhofsarbeiter den Aushub offengelassener Gräber zwischenlagern. Bild: Gabi Schönberger
Der Fundort, das ist der Bereich, in dem die Friedhofsarbeiter den Aushub offengelassener Gräber zwischenlagern.

Würdevoller Umgang

Ein bedauerlicher Fehler sei da dem Mitarbeiter unterlaufen, erklärt Sachgebietsleiter Thomas Huber, eine Verkettung unglücklicher Umstände: "Er war allein, deshalb etwas unter Druck und hat beim Abladen des Aushubs die Knochen in der Baggerschaufel übersehen." Bretter und Erde habe die menschlichen Überreste verdeckt. "Er hätte noch einmal gründlich schauen müssen", sagt Björn Scheffczyk, Bauhof- und Gartenamtsleiter. "Ich habe alle Mitarbeiter nach diesem Vorfall belehrt, dass ein würdevoller Umgang mit Gebeinen oberste Priorität hat."

Daran habe es aber bei dem betroffenen Arbeiter sicher nicht gemangelt, würde Thomas Huber die Hand für den zuverlässigen Kollegen ins Feuer legen: "Den hat sein Fehler selbst so mitgenommen, dass er das ganze Wochenende schlecht geschlafen hat." Die Knochen seien inzwischen in einer anonymen Gruft bestattet worden. "Wenn wir sie zuordnen können, kommen sie in das ursprüngliche Grab", erklärt Huber. Wenn man auch in dieser sowohl physisch wie psychisch fordernden Tätigkeit nicht vor Fehlern gefeit sei, so habe man dennoch bereits Konsequenzen gezogen, sagt Baureferent Oliver Seidel. "Morgen wird der Zaun geliefert und wir trennen diesen Bereich dann auch unmissverständlich vom Besucherverkehr ab."

 
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