Statistik der Leistungsempfänger: Asylkrise längst überwunden

Die Zahl der Asylbewerber im Leistungsbezug ist bayernweit im Jahr 2018 erneut zurückgegangen. In der Oberpfalz stellt sich die Lage etwas anders da.

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von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Zahl der Menschen, die Asylbewerberleistungen erhalten, ist im Jahr 2018 bayernweit gesunken, in der Oberpfalz aber leicht angestiegen. Insgesamt liegen die Werte aber deutlich unter denen des Jahres 2015. Ende 2018 lebten demnach in Bayern 64 514 Empfänger von Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, wie das Statistische Landesamt am Mittwoch in einer Presseerklärung veröffentlichte. Ende 2017 waren es noch 68 308 Menschen, die solche Leistungen bezogen. Knapp ein Drittel der Empfänger war weiblich. Die Ausgaben für Leistungen an Asylbewerber ist bayernweit ebenfalls gesunken - von 1,007 Milliarden auf 940 Millionen Euro im Jahr.

Oberpfalzweit nahm der Wert im Jahr 2018 dagegen um 2,47 Prozent auf 5223 Leistungsbezieher zu. Damit bleibt die Oberpfalz der Bezirk mit den zweitwenigsten Asylbewerbern. Nur in Unterfranken lag der Wert Ende 2018 mit 5020 Asylbewerbern noch niedriger. Am größten sind die Zahlen in Oberbayern und Mittelfranken: 24 321 und 10 341 Leistungsbezieher gibt es dort. Eine Erklärung für die vom Freistaat abweichende Entwicklung konnte die Regierung der Oberpfalz am Mittwoch auf Anfrage nicht mitteilen.

Deutlich mehr Männer

Wie in Bayern gibt es auch in der Oberpfalz deutlich mehr männliche als weibliche Asylbewerber. Im Jahr 2018 lag der Frauenanteil bei unter 35 Prozent. Im Vorjahr waren knapp 33 Prozent aller Menschen im Asylleistungsbezug Frauen. Bei der Altersstruktur bleiben die 18 bis 25 Jährigen besonders stark. In der Oberpfalz gehören 1284 Leistungsempfänger hierzu. 2184 Empfänger sind zwischen 25 und 50 Jahren.

Von der genannten Statistik erfasst werden Asylbewerber im laufenden Verfahren. Diese Prüfung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dauerte laut einer BAMF-Pressemeldung vom April 2019 zuletzt noch sechs Monate im Schnitt. Weil den Asylbewerbern nach der Entscheidung aber verschiedene Widerspruchs- und Klagemöglichkeiten offen stehen, kann das Verfahren und damit der Bezug von Regelleistungen deutlich länger andauern. Außerdem erfasse die Statistik auch Geduldete, also etwa abgelehnte Asylbewerber, die vorerst nicht abgeschoben werden oder auf ihre Abschiebung warten.

Wenig Einfluss

Grundsätzlich haben diese vergleichsweise leichten Schwankungen wenig Einfluss auf die Arbeit der Ausländerbehörden in den Oberpfälzer Landratsämter. "Für den Alltag der Menschen ändert sich wenig, wenn sich der aufenthaltsrechtliche Status ändert", erklärt Franz Pfeffer. Der stellvertretende Pressesprecher am Landratsamt Schwandorf meint damit, dass die Menschen nach der Anerkennung in der Regel weiter im Landkreis leben, das Landratsamt auch weiter zuständig ist. Ähnlich ist die Einschätzung aus dem Landratsamt Neustadt/WN: Insgesamt habe sich die Lage nicht so entspannt, wie die Zahl der Leistungsempfänger zurückgegangen ist. Die Bleibeberechtigten, im Wesentlichen anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten, würden ja weiter von denselben Stellen betreut.

Auch wenn die Arbeit nicht ausgeht: Im Vergleich zum Extremjahr 2015 kehre Normalität zurück. Das zeigt auch der Vergleich für die Oberpfälzer Landkreise (Grafik). Lediglich in Weiden leben derzeit mehr Leistungsbezieher als Ende 2015. In der kreisfreien Stadt gingen die Werte mit einem Jahr Verspätung erst 2016 stark nach oben. Seither entspannt sich auch dort die Situation. "Es läuft wieder in geordneten Bahnen, ein ausreichender Arbeitsanfall ist jedoch weiterhin gewährleistet", sagt der Sachgebietsleiter in Neustadt, Michael Schiller.

Diese Einschätzung bestätigt auch Franz Pfeffer für den Landkreis Schwandorf. Nach wie vor beschäftige die Behörden auch das Problem des Wohnraummangels: Viele Asylbewerber oder Flüchtlinge müssten nach der Anerkennung in den Flüchtlingsunterkünften leben, weil es an Wohnraum für sie fehlt: "Das Problem haben wir überall, wo der Wohnraum knapp ist", sagt Pfeffer. Das gelte auch für Teile der Oberpfalz. Unterkünfte für Asylbewerber gebe es aber genug. Lediglich die dezentralen Unterkünfte in normalen Mietwohnungen würden weniger.

Der Schwandorfer Sprecher hält nichts davon, die Situation zu dramatisieren. Acht Prozent der Menschen im Landkreis haben heute Migrationshintergrund, Ein Großteil stamme aus der EU. "In München liegt der Anteil bei 40 Prozent", rechnet Pfeffer vor. Sicher gebe es Herausforderungen bei Integration und Schule. "Wir haben aber nach wie vor viele Ehrenamtliche, die dabei helfen", sagt Pfeffer. Er sehe auch deshalb keinen Grund, weshalb die Oberpfalz mit der Thematik nicht fertig werden sollte.

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