Suche nach neuen Melodien und Rhythmen

Jazz - mit viel Spielfreude und ohne akademische Kopflastigkeit - eröffnet die neue Konzertsaison beim Jazz-Zirkel-Weiden: Das Quartett "Tiktaalik" spielt am 11. Januar im Bistrot Paris.

Das Quartett Tiktaalik , Preisträger des Nachwuchsförderpreises des Bayerischen Jazzverbandes e.V., kommt auf seiner Gewinner-Tournee auch nach Weiden. Am 11. Januar kann man es live im Bistrot Paris erleben.
von Louis ReitzProfil

Tiktaalik bedeutet in der Sprache der Inuit „großer Süßwasserfisch“. Dieser nimmt in der Geschichte der Evolution der Tiere vom Wasser zum Land eine wesentliche Rolle ein. Vom lautmalerischen Klang des Namens inspiriert, gründete der Saxophonist Oliver Marec 2015 ein Quartett, mit dem er traditionelle und moderne Jazz- Elemente verbindet. Gleichzeitig wird am Grundgedanken der Evolution festgehalten, dass auf der Suche nach neuen melodischen und rhythmischen Ideen und Wegen kein Stillstand herrschen kann. Im Interview gibt Oliver Marec Einblicke in seine musikalische Welt.

ONETZ: Sie sind 1992 in Freising geboren und haben an der Hochschule für Musik Nürnberg studiert. Wie kam es dazu?

Oliver Marec: Nach dem Abitur habe ich mich nach einigen Recherchen und Empfehlungen von Freunden und Kollegen für ein Studium in Nürnberg entschieden.

ONETZ: Wie kamen Sie zum Saxofon und zum Jazz?

Ich komme aus einer musikbegeisterten Familie, die schon früh mein Interesse für Musik weckte. Mein Vater und mein Großvater hatten auch große CD- und Plattensammlungen. Mit sechs spielte ich Schlagzeug. Ein Lehrer nahm mich zu einem Konzert seiner Funkband mit, da verliebte ich mich in das Saxofon.

ONETZ: Haben Sie Vorbilder auf diesem Instrument?

Da gibt es unzählige großartige Musiker. Cannonball Adderley war für mich wegen seiner flüssigen Melodielinien und seinem "Soulfeeling" sehr wichtig. Natürlich auch Musiker wie Charlie Parker oder Dick Oats, der mich in Sachen Bigbandspiel stark geprägt hat. Am Sopransax waren es vor allem Steve Lacy und John Coltrane.

ONETZ: Seit 2015 wohnen Sie in Wien. Wie ist dort die Situation für junge Jazzmusiker?

Jede Stadt hat ihren eigenen Puls: Wien bietet mir eine große Vielfalt an großartigen Musikern und Spielmöglichkeiten, was für mich wichtig ist. Hier fühle ich mich sehr wohl.

ONETZ: 2008 wurden Sie Mitglied im Landesjugendjazzorchester Bayern unter der Leitung von Harald Rüschenbaum. Spielen Sie immer noch mit diesem Orchester?

2017 waren wir noch einmal zusammen in Schweden, danach machten wir den Platz frei für die nächste Generation.

ONETZ: Sie sind der Initiator der Gruppe Tiktaalik und spielen auch noch in vielen anderen Formationen. Was unterscheidet Tiktaalik von anderen Gruppen und wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Namen?

Tiktaalik ist für mich ein Herzensprojekt. Freiberufliche Musiker haben meist wenig Zeit für gemeinsame Proben. Man hat kaum Möglichkeiten, gemeinsame Ideen im Kollektiv zu entwickeln. Bei Tiktaalik gibt es eigentlich keinen Initiator. Es war zwar meine Idee, aber so etwas geht nur mit Leuten, mit denen man gemeinsam Stücke erarbeiten und entwickeln kann. Einer bringt einen groben Entwurf mit, der dann gemeinsam ausgearbeitet wird. Den Namen Tiktaalik habe ich irgendwo aufgeschnappt. Er gefiel mir, weil er rhythmisch und etwas sperrig klingt, und ich wollte nicht wieder nur irgend ein „Oliver Marec Quartett“ haben.

ONETZ: Stehen auch Standards auf dem Programm?

Wir spielen nur eigene Sachen.

ONETZ: Könnten Sie uns etwas über ihre Mitmusiker verraten? Stammen diese alle aus Österreich?

Wir wohnen im Moment alle in Wien. Unser Pianist Luca Zambito kommt aus dem Münchener Umland. Ich habe ihn im Landesjugendjazzorchester kennengelernt und mit ihm schon in den verschiedensten Ensembles, vom Trio bis zur Bigband, zusammengespielt. Am Schlagzeug sitzt Simon Springer aus Innsbruck. Er ist für mich der ideale Schlagzeuger, der Anker, wo wir uns immer wieder finden. Er spielt sehr dynamisch. Unser Bassist Clemens Rofner aus Hall/Tirol hat Jazz und Klassik studiert und ist technisch sehr versiert. Er hat auch die größte Erfahrung, was Liveauftritte anbelangt. Mit diesen Musikern werde ich nie nervös. Es kann alles passieren, aber es fällt nie auseinander.

ONETZ: Tiktaalik ist der Gewinner beim Nachwuchsförderpreis des Bayerischen Jazzverbandes. Zur Zeit seid ihr in den bayerischen Jazzclubs unterwegs. Nach welchen Kriterien wurde die Gruppe ausgewählt?

Man sendet eine CD an den Bayerischen Jazzverband. Eine Jury wählt vier Gruppen aus, ohne die Namen zu kennen. Das Finale findet beim Kemptner Jazzfrühling statt, wir wurden 2018 der erste Preisträger. Nach München und Regensburg ist Weiden nun die dritte Station der Tournee. Diese Gewinner-Tournee ist eine sehr gute Sache, da wir uns nicht um organisatorische Sachen kümmern müssen. Dafür möchte ich mich beim Bayerischen Jazzverband und beim Jazz-Zirkel-Weiden bedanken. Wir freuen uns schon auf unser Konzert im Bistrot Paris.

Info:

Das Konzert mit Tiktaalik findet am Freitag, 11. Januar um 20 Uhr im „Bistrot Paris“ (Sebastianstraße 2) statt.

Karten bei www.nt-ticket.de und an der Abendkasse.

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