Symbiose zweier Welten

„Ein Typ mit einer Gibson L5, der für sein Leben gern Jazz und brasilianische Musik spielt“ - so charakterisiert sich Paulo Morello gerne selbst. Am 22. März gastiert er mit seinem aktuellen Quartett „Sambop“ im Bistrot Paris.

Drei Brasilianer und ein Oberpfälzer: Das Quartett «Sambop» verschmilzt Jazz und Samba auf einzigartige Weise: Dudu Penz (Bassgitarre) Lula Galvão (Akustische Gitarre) Mauro Martins (Schlagzeug) und Paulo Morello (Jazzgitarre) gastieren am 22.März beim Jazz-Zirkel-Weiden.
von Louis ReitzProfil
Drei Brasilianer und ein Oberpfälzer: Das Quartett «Sambop» verschmilzt Jazz und Samba auf einzigartige Weise: Dudu Penz (Bassgitarre) Lula Galvão (Akustische Gitarre) Mauro Martins (Schlagzeug) und Paulo Morello (Jazzgitarre) gastieren am 22.März beim Jazz-Zirkel-Weiden.

Paulo Morello (geboren 1970 in Burglengenfeld) spielt brasilianische Musik beinahe so lang wie er Jazz spielt. Er spielt sie so gekonnt und authentisch wie kaum ein zweiter Jazzgitarrist in Europa. Angefangen hat seine Leidenschaft für diese Musik vor 23 Jahren, während er in New York an der renommierten New School of Jazz studierte. Als er das dort regelmäßig auftretende „Trio da Paz“ hörte, war es um ihn geschehen: Der brasilianischen Musik in ihren zahllosen Spielarten galt fortan sein Interesse, sein Fleiß, seine Leidenschaft.

Im August 2017 kam es zur ersten Begegnung mit Lula Galvão (geb. 1962) bei der eine gemeinsame CD entstand. Der Stargast aus Brasilien an der akustischen Gitarre zählt zu den Meistern seines Fachs. Für den rhythmische Drive sorgen Eduardo "Dudu" Penz am E-Bass und Mauro Martins am Schlagzeug, zwei in der Schweiz lebende Brasilianer. Für Paulo Morello ist das „die beste brasilianische Rhythmusgruppe in ganz Europa”, mit der er seit über 15 Jahren regelmäßig spielt.

Im Interview äußert sich Paulo Morello, der eigentlich Cornelius Paul Schmidkunz heißt, zu seinem aktuellen Projekt.

ONETZ: Herr Morello, Sie sind in Weiden kein Unbekannter. Zusammen mit der Sängerin Viviane de Farias spielten sie brasilianische Musik und mit der Gruppe "Hammond Eggs" brachten sie den berühmten Saxofonisten Bob Mintzer nach Weiden. In bester Erinnerung ist auch noch das Projekt "Night of Jazz-Guitars", wo gleich vier Gitarristen zusammen auf der Bühne spielten, darunter Ulf Wakenius, der bei Oscar Peterson Jazz-Geschichte schrieb. Gibt es für Sie keine stilistische Schranken?

Paulo Morello: Meine Liebe gilt dem klassischen " Modern Jazz" und der brasilianischen Musik gleichermaßen. Bei den erwähnten Projekten war ich federführend dabei, und hier fühle ich mich wohl.

ONETZ: Wie kam es zum Quartett mit Lula Galvão ?

Ich kenne ihn schon seit den 90er Jahren von Platten mit der Sängerin Rosa Passos. Ich habe ihn schon immer bewundert. Eines Tages rief mich die Kölner Sängerin Ulla Haesen an. Sie sagte : "Ich hab den Lula hier. Der würde so gut zu dir passen." Wir haben uns sofort verstanden. Wir konnten auf Anhieb zusammen musizieren und lagen auf der gleichen Wellenlänge.

ONETZ: Sind Sie im Augenblock auf Tournee, oder kam Lula Galvão aus anderen Gründen nach Deutschland? Ist eine zweite CD in Planung ?

Er kommt für 12 Auftritte nach Deutschland und Weiden liegt ziemlich am Ende der Tour. Im Herbst spielen wir beim Jazz-Festival in Ebersberg wobei auch Randy Brecker als Gast mitmacht. Vielleicht machen wir davon Aufnahmen.

ONETZ: Der Gruppenname "Sambop" ist Programm. Wie verbinden Sie die beiden Pole Samba und Bebop ?

Wir verschmelzen jazzigen Bop und die Rhythmus-, Formen- und Stimmungsvielfalt der brasilianischen Musik zu etwas Ganzem, zu etwas Schönem, zu etwas Neuem.

ONETZ: Greifen Sie auf bekannte Stücke zurück, oder stehen in erster Linie Eigenkompositionen auf dem Programm ? Wie entsteht das Repertoire?

Das geht alles auf mein Konto. Das Programm ist ein gesunder Mix von raffinierten Arrangements zu bekannten brasilianischen Klassikern, aber auch Stücken von Duke Ellington oder Cole Porter. Dazu kommen eigene Kompositionen, die ich speziell für diese Besetzung gemacht habe.

ONETZ: Sie sind gebürtiger Oberpfälzer und wohnen in Teublitz. Wie kann man in der Provinz als Jazzmusiker überleben?

Indem man nie Zuhause ist! Ich bin Professor an der Hochschule für Musik in Nürnberg und Dozent am Jazzinstitut in Berlin. Und ich bin viel auf Tour mit den unterschiedlichsten Projekten. Meine Familie wohnt zwar hier, aber ich bin immer unterwegs!

ONETZ: Die Musikbranche jammert über die Einbrüche beim Verkauf von CDs. Wie beurteilen Sie die Lage?

Die CD als Medium wird es nicht mehr lange geben, heute läuft alles über Streaming. Man verkauft sie nur noch bei Konzerten als Andenken an die Zuhörer. Ich unterrichte junge Musiker, die oft nicht einmal einen CD-Player besitzen. Als Musiker bekommt man vom Streaming aber nur Cent-Beträge.

ONETZ: Welcher Gitarrist hat Sie am meisten beeinflusst?

Auf jeden Fall Wes Montgomery, aber auch Pat Martino und der brasilianische Gitarrist Joao Gilberto.

ONETZ: Sie sind seit 20 Jahren als Professor an der Hochschule für Musik in Nürnberg tätig. Im August haben Sie auch als Dozent beim Jazz-Seminar Premiere.

Das ist in diesem Jahr dann mein 5. Workshop. Ich freue mich schon auf das Seminar in Weiden.

Info:

Service

Das Konzert mit „Sambop“ findet am Freitag, 22. März um 20 Uhr im „Bistrot Paris“ (Sebastianstraße 2) statt. Karten bei www.nt-ticket.de und an der Abendkasse.

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