Synlab testet Europas Spitzenfußballer

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Ohne Coronatests keine Champions-League und keine Europa-League: Den lukrativen Auftrag für die Tests der Spieler hat Synlab an Land gezogen. Weiden ist eines der Schwerpunktlabore für bundesweite Tests auf Covid-19.

Positive Corona-Fälle bei Atlético Madrid: Kurz vor dem Viertelfinale der Champions League sorgten zwei Corona-Fälle bei Leipzigs Gegner für große Unruhe.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die deutsche Synlab-Gruppe hat einen weitreichenden Vertrag mit dem europäischen Fußballverband Uefa geschlossen. Bei den Finalspielen der beiden Wettbewerbe wird das Unternehmen Spieler, Offizielle und Schiedsrichter auf Covid-19 testen. Die Tochter der Private-Equity-Firma Cinven (seit 2015) wird somit zum Gesundheitswächter des europäischen Fußballs. Synlab soll gewährleisten, dass nur Fußballer mit negativen Sars-CoV-2-Ergebnissen Zugang zum Stadion bekommen.

„Die Tests im Rahmen der Kooperation mit der Uefa werden durch unterschiedliche Labore innerhalb des Synlab-Netzwerks erbracht“, teilt Daniel Herbert, Direktor Strategische Kommunikation auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit. Eine Aufschlüsselung der einzelnen Standorte könne man nicht vornehmen.

Weiden ist Schwerpunktlabor

Fest steht: Weiden ist eines der Schwerpunktlabore für bundesweite Tests auf Covid-19. Im Zuge dessen wird auch das sogenannte Pooling-Verfahren geprüft. Dabei würden mehrere Tests auf einer Platte zugleich erledigt werden können. Laut Ärzteblatt wäre dies der Einstieg in Massenscreenings. Dem Vernehmen nach soll das Labor derzeit bereits Tausende Tests pro Tag durchführen. Logische Folge: Das Labor sucht weiter qualifiziertes Personal. Die DFL hat einen Rahmenvertrag mit mehreren deutschen Großlaboren abgeschlossen, darunter auch Synlab. Jeder Club kann selbst ein Labor wählen. Zweitligist Jahn Regensburg etwa entschied sich für die oberpfälzische Lösung. Und noch ein weiterer Club aus Süddeutschland soll Kunde bei Synlab Weiden sein.

„Mit den bestehenden Kapazitäten können wir derzeit eine angemessene Reaktionszeit sicherstellen“, ergänzt Sprecher Herbert. „In Bayern ist die Nachfrage nach SARS-CoV-2 Tests in den letzten Wochen allerdings stark angestiegen.“ Synlab-Chef Mathieu Floreani jedenfalls freut sich über die prestigeträchtige Schlüsselposition seines Unternehmens. Der Franzose will mit Tests bei rund 1000 Fußballspielen in diesem Sommer einen möglichst sicheren Ablauf der neuen Saison gewährleisten – auch bei der Deutschen Fußball-Liga oder der spanischen Primera División. Pro Match seien 100 Tests nötig. Kostenpunkt: jeweils 60 bis 150 Euro.

In mehr als 30 europäischen Ländern

Der Uefa-Auftrag sei für sein Unternehmen „eine gute Demonstration zu zeigen, dass wir unsere Fähigkeiten schnell von einem in ein anderes Land transferieren können“, sagte Floreani dem Handelsblatt. Man sei in mehr als 30 europäischen Ländern aktiv, der größte Rivale käme auf nur 14 Staaten. Man trage so mit dazu bei, dass mit dem Fußball ein wichtiges Unterhaltungselement wieder ins Laufen komme. Dank der Auswahl durch die Uefa „wird unsere medizinische Exzellenz und geografische Präsenz in Europa anerkannt“, erklärt der in München ansässige Manager.

Die Stars der Champions- und Europa-League wurden vor ihrer Anreise sowie an den Spielorten Lissabon, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Köln und Duisburg getestet. Die Gesundheit aller im Stadion tätigen Personen habe „höchste Priorität“, erklärt Giorgio Marchetti, Vizegeneralsekretär der Uefa.

Einbruch während des Lockdowns

Synlab setzt derzeit mit 20.000 Mitarbeitern rund 2,1 Milliarden Euro um. Im Gesamtkonzern, geführt über die Synlab Bonco Plc in London, fiel allerdings ein Nettoverlust von 30 Millionen Euro an – eine Folge der Verbindlichkeiten in Höhe von 3,2 Milliarden Euro. „Es ist müßig und zu früh, über das Wachstum in diesem Jahr zu reden“, wollte Floreani gegenüber dem Handelsblatt keine Prognose für 2020 wagen. Der Umsatz sei während des Lockdowns im Frühjahr um 40 Prozent gesunken.

Synlab weite seine Kapazitäten in Vorbereitung auf eine mögliche zweite Welle derzeit aus. 30 bis 40 Prozent der eigenen Covid-19 Testkapazitäten seien noch ungenutzt. „Mein oberstes Ziel derzeit ist es, kundenzentrierte medizinische Lösungen zu finden, um die Pandemie wirksam zu bekämpfen“, sagt Floreani. „Natürlich würden wir dennoch Akquisitionen tätigen, wenn sich die Chance dafür bietet.“

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Deutschland und die Welt
Fusioniertes Synlab auf Wachstumskurs:
  • Die Synlab International GmbH hat ihren Hauptsitz in München.
  • Mathieu Floreani kam 2017 nach der Fusion mit dem französischen Labordienstleister Labco zum Unternehmen und wurde 2018 Nachfolger von Synlab-Gründer Bartl Wimmer als CEO der Gruppe.
  • Christoph Mahnke bekleidet den Chefposten der Synlab Holding Deutschland GmbH mit Sitz in Augsburg.
  • Die Tochter der Private-Equity-Firma Cinven übernahm allein 2017 und 2018 54 Firmen. Ende 2019 wurden Spekulationen laut, Cinven würde die Synlab-Gruppe zum Verkauf stellen.
  • „Es mag Ende 2019 Gerüchte im Markt über einen Verkauf von Synlab gegeben haben, in der aktuellen Situation steht das jedoch nicht im Fokus“, erklärt Floreani.
  • Mathieu Floreani war zuvor in diversen CEO- und Führungspositionen etwa in der Speditionsabteilung von DHL in Nord- und Südamerika, bei McKinsey verantwortlich für strategische und organisatorische Aufgaben und neun Jahre beim Energie- und Chemikalienhersteller Total tätig.
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