Auf Tandems Mut machen

Der Name ist Programm: Auf der Mut-Tour möchten die Radler den Menschen Mut machen. Mut zu einem offenen Umgang mit Depressionen. Auf drei Tandems radeln sie deshalb durch die Oberpfalz.

Sebastian Burger, Sabine Pagler Jürgen Keil, Kim Geißler und Gabi Helfers (von rechts) radeln für mehr Mut im Umgang mit Depression. Die Smileys sollen Betroffene repräsentieren, die es sich nicht erlauben können, ihre Depression öffentlich zu machen.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

(olr) Seit fünf Tagen sind sie unterwegs, die sechs "Mutigen". In Dresden sind sie losgefahren, seitdem leisten sie neben Muskel- auch Aufklärungsarbeit. Sie setzen sich ein für einen unverkrampften Umgang mit Depression, wollen Angst und Vorurteile abbauen.

80 Kilogramm wiegt ein Tandem - mit Gepäck. Dabei haben die sechs alles, was sie brauchen: Zelte, einen Benzinkocher und warme Klamotten für die Nacht. "Abends gehen wir zusammen einkaufen und kochen uns etwas Leckeres", sagt Gabi Helfers. Sie kommt aus Hannover.

"Wo wir übernachten, entscheiden wir spontan." In Gärten oder einfach, wo es gefällt. "In Mitterteich mussten wir zum ersten Mal drinnen übernachten, weil es so geregnet hat", sagt Helfers. Die evangelische Kirchengemeinde nahm sie für eine Nacht auf. Sechzig Kilometer am Tag haben sie sich vorgenommen, ihre Route führt sie durch Selb, Windischeschenbach, Mitterteich, Weiden und Schwandorf bis nach Regensburg. Dort löst sie das nächste Tandem-Team ab. Die Strecke stößt auf Begeisterung: "Die Radwege hier sind ein Traum. Seit Hof ist alles ausgeschildert. Und besonders der Radweg entlang der Waldnaab ist wunderschön", schwärmt Sabine Pagler.

"Besonders toll: In Selb hat uns eine Schulklasse eingeladen. Zusammen mit dem Schulpsychologen und dem Mathelehrer haben wir eine Schulstunde gestaltet", erinnert sich Pagler. Die Berlinerin möchte darauf aufmerksam machen, dass Depression eine Krankheit ist - obwohl sie von vielen als Schwäche abgetan werde. "Sprüche wie 'Kopf hoch', 'Wird schon wieder' oder 'Ich könnte mir das nicht leisten' sind schlichtweg unpassend." Über die Depression zu reden, helfe. "Nur ein kleines 'ich bin für dich da' -mehr braucht es gar nicht."

Seit 2012 gibt es die Mut-Tour. Bis 2017 haben 134 Menschen über 25 500 Kilometer zurückgelegt, in diesem Jahr kommen 5250 weitere dazu. Von 16. Juni bis 2. September sind die Teams auf Tandems, in Kajaks oder wandernd in Deutschland unterwegs.

Sie haben eine Vision: "Wir möchten in einer Gesellschaft leben, in der sowohl Betroffene als auch Nicht-Betroffene angst- und schamfrei mit psychischen Erkrankungen umgehen können", sagt Kim Geißler. Sie ist zum ersten Mal bei der Tour dabei und war selbst betroffen. "Das Thema wird totgeschwiegen - das halte ich für den falschen Weg." Das Wort sei zwar bekannt, über den Umgang mit den Erkrankten aber würden sich noch zu wenige Gedanken machen.

In die Pedale treten für mehr Mut im Umgang mit Depression – die Mut-Tour führte sechs Radler auch die Weidener Altstadt. Der Smiley soll Betroffene repräsentieren, die es sich, zum Beispiel aus beruflichen Gründen, nicht erlauben können, ihre Depression öffentlich zu machen.

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