Traditionen neu und frisch erfunden

Stromloser Sound mit reichlich Power: "John Garner" aus Augsburg begeistern bei "Klein & Kunst" das Publikum

Stefan Krause (Mitte), Lisa Seifert und Chris Sauer begeistern am Donnerstagabend auch nach einer Ochsentour von 130 Gigs mit neuem und frischen Folkrock mit eingängigem Pop-Appeal. Erst nach vier Zugaben durfte die Band von der Bühne.
von Autor OTJProfil

Amtlich rockiger Folk, ein bisschen Popappeal, schwelgerische Mehrstimm-Harmonien, abgeschmeckt mit einer Prise klimpriger Hillybilly-Mandoline - John Garner beweisen am Donnerstagabend bei "Klein & Kunst" in der Max-Reger-Halle, dass man auch Tradition frisch und neu erfinden kann. Den Gästen des Gigs machte das Laune. Und zwar ab dem ersten genuschelten "one, two, three".

John Garner, das sind Stefan Krause (Vocals, Guitar, Mandolin, Bass Drum), Lisa Seifert (Vocals, Accordion) und Chris Sauer (Vocals, Guitar, Mandolin, Shaker). Mittlerweile hat das Trio bereits zwei Alben an den Start gebracht: "Writing Letters" (2017) und "See you There" (2018) verdienen definitiv die Aufmerksamkeit von Freunden des Genres.

Stromloser Sound

Es gibt Songs, die packen einen ab dem ersten Takt. Foo Fighters "Monkeywrench" ist so einer, Outkasts "Hey Ya" oder eben John Garners "My Heart is Ready", mit der das Trio die Marschroute des Abends vorgibt: Stromloser Sound mit reichlich Power, der trotz gänzlich anderer Instrumentierung immer einmal wieder an die Hochgeschwindigkeits-Folker von den Pogues denken lässt.

Das macht Spaß, auch weil die Musiker mit inspirierten Witz ausgestattet sind. Den Song "Rosalie" würden sie gerne einem Menschen in Publikum widmen. "Haben wir hier eine Rosalie? Eine Rosa. Robert würde auch gehen. Jemand mit einem Vornamen?" Am Ende einigt man sich auf "Hans" - wunderbar. Es folgt "Killer of my Mind", den Sänger Stefan Krause einer Ex-Freundin widmet. Was aber klingt wie eine Abrechnung, sei gar nicht böse gemeint. Und tatsächlich ist der krude Titel in ein musikalisches Gewand gewebt, das weniger Wut, sondern viel mehr Melancholie und Zärtlichkeit gewebt sind. Diese Färbungen erreicht Krause durch eine formidable Kopfstimme, der er keine Unzulänglichkeiten erlaubt.

Dem entzückenden Pathos folgt eine mitreißende Uptempo-Nummer, bei der auch die Bassdrum Fahrt aufnimmt. "I Want Your Grace" ist ein wohltuendes Wechselbad aus entspannten Parts und Kraftrock mit den Energie-Reglern am Anschlag - wenn man bei einem Unplugged-Konzert davon reden kann? Ja, doch, kann man, auf jeden.

Exzellentes Taktgefühl

Heimweh auf Tour ist vor allem für Lisa Seifert an Akkordeon und Mikro ein Thema. Ihre Sehnsucht nach Vertrauten und Vertrautem verpacken die drei Garners in "We Came Back Home". Dieses Sehnen wird in einem langgezogenen mehrstimmigen "Hoooooohohohooooooome" spürbar. Mit "Metamorphosis" zeigen Stefan, Krause, Lisa Seifert und Chris Sauer einen waschechten Rocksong, der wie der Titel vermuten lässt in seinem Lauf entwickelt. Zum Ausdruck kommt dies in einem Taktwechsel, was schiefgehen kann, aber in diesem Fall definitiv eine Bereicherung für die gewiefte Melodiestruktur bedeutet und dem Text noch mehr Tiefe gibt.

Ihr großes Herz offenbaren die Augsburger mit einer Live-Weltpremiere. "Friendship" ist eine Ode an die Freundschaft. Jede Strophe des Songs ist einem besonderen Menschen im Leben der Musiker gewidmet, denen sie den Song am Freitagabend beim Tourfinale nach 130 Konzerten zu Gehör bringen werden.

"A Little Bit of All" ist schließlich ein Stück, das Krause rau, fast wehklagend interpretiert. Bis er diese Atmosphäre wieder mit seiner druckvollen Kopfstimme aufbricht. Dem geneigten Leser sei hier ein Ausflug auf YouTube empfohlen. Hier findet man nicht nur zu diesem Song kunstvolle Videos, die die Atmosphäre der Songs in wunderschönen Bildern einfängt.

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