Vergessene Orte zum Leben erweckt

Fotografie lebt von Kontrasten. Nicht nur zwischen Licht und Dunkelheit, sondern auch in Kompositionen von Motiv und Umgebung. Der Fotografin Nina Schütz gelingt dies meisterhaft

Nina Schütz hat sich auf eine Fotoexpedition nach Tschernobyl gemacht und beeindruckende Bilder mitgebracht.
von Autor OTJProfil

Ihren scharfen Blick für "Lost Places" (vergessene Orte) beweist Nina Schütz mit ihrer aktuellen Ausstellung: "Tschernobyl" - zu betrachten noch bis 4. November im Kunstbau Weiden (Hinterm Wall 10). Die Künstlerin hat ihren Fuß in ein Gebiet gesetzt, in das man nicht wirklich gehen will. Die Sperrzone um den Reaktor ist seit über 30 Jahren eine No-go-Area: die unmittelbare Umgebung des Reaktors, der 1986 für ein regelrechtes Trauma in Europa sorgte. Ein Gebiet, das seinerzeit von jetzt auf gleich evakuiert wurde. Die Folge: Ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist und uns doch bis in die Gegenwart beschäftigt.

Deshalb war das Fotoprojekt auch eine Reise zu Relikten einer längst vergangenen Lebenswirklichkeit. Beeindruckend, die Aufnahmen von einem gespenstisch verlassenen Vergnügungspark - Ausdruck eines leichten Lebens. Das verrostete Riesenrad und der verrottende Autoscooter erscheinen durch die Dauer von Farben entsättigt, das Leben entzogen.

Andere Bilder zeigen verlassene Gebäude, von innen und außen. Das Spiel mit dem Licht, harmonisch eingefangen, lässt eine bedrückende Ästhetik entstehen: Blauer Himmel, nur wenige Wolken schaffen ein nicht vorhandenes Idyll, das im Kopf des Betrachters durch das Wissen um die unsichtbare Gefahr der Strahlung gebrochen wird.

Fündig wird Nina Schütz auch auf der Suche nach Details: Eine zurückgelassene Maske, ein Arbeitsschuh, der im Staub einer Industriehalle liegen geblieben ist, eine Uhr, die um 23 nach sechs Uhr stehen geblieben ist - die Dinge symbolisieren das Chaos, das 1986 über die Menschen, hereingebrochen sein muss.

Die Natur hat sich in der Zeit ohne menschlichen Einfluss wildwachsend Bahn gebrochen und kontrastiert zur zweckmäßigen Architektur. Sogar das Porträt eines alten Mannes ist Teil der Ausstellung. Immer mehr betagte ehemalige Bewohner kehren zurück und trotzen den Warnungen. So entsteht ein Zeichen dafür, dass nach so einem verheerenden Gau Hoffnung darauf macht, dass auch in dieser Sperrzone wieder Leben entstehen kann.

Die Fotoausstellung im Kunstbau zeigt eine Auswahl der Amberger Fotografin, die mit verlorenen oder vergessenen Orten zu tun haben. Zu ihrer Arbeit in der Region erschien bereits der Bildband "Verlassene Orte in der Oberpfalz". Für das Foto eines jüdischen Friedhofs hat Nina Schütz den zweiten Platz des Lionsclub Wettbewerbs "Entlang der Goldenen Straße" bekommen.

Die Amberger Fotografin Nina Schütz.

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