Vertrackte Passagen und fließende Klänge

Boulanger-Trio brilliert bei Weidener Max-Reger-Tagen

Die drei Damen des Boulanger-Trio sorgten für einen Galaabend klassischer Musik bei den Max-Reger-Tagen.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Dieser Impuls, dieser Moment während eines Konzertes dürfte wohl jedem Zuhörer bekannt sein: Es erklingen gerade einmal eine Handvoll Töne eines Stückes, und man ist urplötzlich gefangen in einer Darbietung, der man schon zuvor mit großem Wohlwollen und Faszination gelauscht hat. Klänge, die gleichzeitig begeistern und berühren, Akkorde, auf deren Flügeln sich die Emotionen ihre Bahn schlagen. In genau dieser Gestalt kommt am Freitag in der Max-Reger-Halle das Largo aus Max Regers „Klaviertrio in e-moll op. 102“ daher, bestens interpretiert durch das Boulanger-Trio.

Doch der Reihe nach: Es ist das 2. Konzert des diesjährigen Max-Reger-Wochenendes, nach dem gelungenen Auftakt in der Josefskirche (wir berichteten) eine weitere musikalische Darbietung herausragender Qualität. Und das alles übrigens unter Ohren und Augen der Stadtspitzen von Weiden und der Partnerstadt Annaberg-Buchholz sowie der Sächsischen Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch. Für das Trio – bestehend aus Birgit Erz (Violine), Ilona Kindt (Violoncello) und Karla Haltenwanger (Klavier) – sind die Max-Reger-Tage kein Neuland, waren sie doch bereits vor zwei Jahren dabei.

Benannt haben sich die drei Damen nach den Komponistinnen Nadia und Lili Boulanger, zwei Schwestern, die die Musikwelt durchaus revolutionierten. Passend dazu steht zu Beginn des Konzerts das Werk „Vitebsk“ von Aaron Copland, der ein Schüler von Nadia Boulanger war. Benannt nach einer Stadt in Weißrussland und unter dem Titel „Studie über ein jüdisches Thema“ erforscht der jüdisch-stämmige amerikanische Komponist auch die eigenen Wurzeln, indem er eine tiefgründige chassidische Melodie bearbeitet und daraus eine – ja, man kann es schon so sagen - gewagte Komposition schafft. Man muss sich da erst einmal einhören in die „unrein“ klingenden Melodien mit ungewöhnlichen Halb- und Vierteltönen, mit kurz aufblitzenden Motivfragmenten, mit dissonanten Intervallen und rhythmisch vertrackten Passagen. Auch die Verwandtschaft zur Klezmer-Musik blitzt immer wieder durch. Dass das alles spieltechnisch natürlich äußerst anspruchsvoll ist, versteht sich von selbst. Bemerkenswert ist bereits hier, dass das Trio im Zusammenspiel bei spieltechnischer Brillanz in keinem Moment „routiniert“ agiert, sodass es in jedem Moment den spannungsgeladenen Geist der Werke pflegt.

Was für einen Kontrast zum Auftakt spiegelt das 2. Werk des Abends wider: Ludwig van Beethovens Klaviertrio WoO 39 in B-Dur, bestehend aus einem einzelnen Satz, einem Allegretto. Harmonisch in Vollendung, grandios in der Umsetzung, kurz zusammengefasst: „Alles fließt!“ Schließlich folgt als Reger-Werk des Abends das Klaviertrio in e-moll op 102, das mit zu den erfolgreichsten Werken Regers gehört. Interpretiert wird das Trio mit fabelhafter Präzision durch die drei Musikerinnen, sowohl was die Details in klanglicher wie rhythmischer Natur betrifft. Die Frische und Natürlichkeit im Ausdruck lassen wohl keinen Zuhörer unbeeindruckt. Und über die besondere Wirkung des 3. Satzes, des Largo, ist bereits alles gesagt.

Nach einem begeisterten Applaus des Publikums setzen die Musikerinnen Trio mit der Darbietung eines britischen Liedes Beethoven’scher Prägung als Zugabe ein abschließendes Ausrufezeichen an diesem Abend.

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