"Lebendiger Jazz von grosser Bandbreite, basierend auf Arrangements und Kompositionen der Musiker, mal swingend, mal funky und dann wieder mit mittel- und südamerikanischen Rhythmen angereichert", so beschreiben Stephan Zimmermann (Trompete und Flügelhorn), Marko Lackner, (Alt- und Sopransaxofon, Flöte), Alberto Menéndez (Tenor- und Sopransaxofon, Flöte), Michael Arlt (Gitarre), Friedrich Betz (Bass) und Jean-Marc Robin (Schlagzeug) ihre Musik. Im Interview spricht der Gitarrist Michael Arlt über die Musik seiner aktuellen Formation.
ONETZ: Mit dem "US Organ Trio" funky, mit dem Johannes Geiss Quartett cool auf den Spuren von Lee Konitz und mit "Braziliana" auf lateinamerikanischen Pfaden - so konnten wir Sie bereits beim Jazz-Zirkel erleben. Was erwartet uns diesmal?
Michael Arlt: Diesmal komme ich mit einem Sextett, das ich mit Musikern aus ganz Europa zusammengestellt habe: Österreich, Spanien, Frankreich und Deutschland. Wir spielen hauptsächlich eigene Kompositionen und eigene Arrangements. Es ist swingender Jazz mit Einflüssen aus anderen Stilistiken.
ONETZ: Das Sextett nennt sich "European Sixx!!" Was hat es mit den zwei x und den Ausrufezeichen auf sich?
Sie stehen dafür, dass hier mehr als sechs Instrumente spielen - ich weiß nicht einmal genau wie viele.
ONETZ: Ihr erstes Konzert in Weiden spielten Sie vor 18 Jahren im Gasthof Strehl, später ging es in "Stegers Bar" und ins "Alte Eichamt", und nun gastieren Sie zum zweiten Mal im "Bistrot Paris". Welche Erinnerungen verknüpfen Sie mit dem Jazz-Zirkel?
Ich fand jeden Spielort schön, es hat immer gut geklungen und es gab ein tolles Feedback vom Publikum. Auch habe ich immer wieder die Gelegenheit bekommen, Neues zu präsentieren. Deshalb ist Weiden für mich schon etwas ganz besonderes.
ONETZ: Sie sind Jahrgang 1960 und wahrscheinlich mit Popmusik aufgewachsen. Wie kamen Sie zur Gitarre - und zum Jazz?
In den 70er -Jahren war die Musik total von der Gitarre bestimmt. Später stellte sich heraus, dass die Gitarre für mich genau das richtige Instrument war. Die Gitarre war zwar nicht immer das wichtigste Instrument im Jazz, aber im Augenblick gibt es einen richtigen Run auf die Jazzgitarre.
ONETZ: Sie haben mit bekannten Künstlern gespielt. Houston Person, Red Holloway, Roman Schwaller, Paquito d‘Rivera. Wer hat Sie am meisten fasziniert oder blieb in besonderer Erinnerung?
Ich habe von jedem viel gelernt und jeder war auf seine Art beeindruckend. Der eine durch seine Bühnenpräsenz, der andere dadurch, wie er mit dem Publikum umging, oder durch seine Studioarbeit. Manchmal dauerte die Zusammenarbeit über Jahre, ich habe viele Tourneen mit diesen Musikern gespielt und auch einige CDs mit ihnen aufgenommen.
ONETZ: Wer sind für Sie die Heroen auf der Gitarre?
Es sind immer noch dieselben, mit denen ich zum Jazz gekommen bin. An erster Stelle möchte ich Wes Montgomery nennen, aber auch Pat Martino. Es gibt aber eine Menge Gitarristen, die ich mir anhöre und die mir neue Ideen geben. Vor einigen Jahren habe ich brasilianische Musik in mein Spektrum aufgenommen, und auch hier gibt es unzählige Namen, die mich beeinflusst haben.
ONETZ: Gegenwärtig sind Sie Dozent an der Hochschule für Musik in Würzburg. Welchen Stellenwert hat die Gitarre heute bei den jungen Leuten?
Wenn man die Zahlen der Anmeldungen für Aufnahmeprüfungen heranzieht, hat die Gitarre einen sehr hohen Stellenwert. Im letzten Jahr gab es die meisten Bewerbungen für das Fach Gitarre.
ONETZ: Wie beurteilen Sie die Ausbildung an den Hochschulen? Gibt es noch die "großen Genies", die ihr Instrument autodidaktisch erlernen, oder die Musik von Grund auf revolutionieren?
Eltern möchten gerne, dass ihre Kinder etwas "Ordentliches" machen, deshalb sollen sie ihr Instrument studieren. Das muss aber nicht immer zu einer Bühnenkarriere führen. Viele unterrichten später selbst an Musikschulen oder Hochschulen, oder machen etwas anderes, was mit Musik verbunden ist. Autodidakten sind heute eher selten. Jeder im Sextett, mit dem wir nach Weiden kommen, unterrichtet an einer europäischen Musikhochschule.
ONETZ: Wie ist die Situation für Jazzmusiker heute allgemein? Kann man ohne Lehrtätigkeit überleben?
Es kommt natürlich auch auf das Instrument an. Mit Bass oder Schlagzeug geht es leichter. Aber nicht jeder gute Musiker kann auch gut unterrichten.
ONETZ: Wer kauft heute noch CDs?
Sie werden in erster Linie bei Konzerten verkauft. Es gibt keine Plattenläden mehr, und viele Menschen sind auch nicht mehr gewohnt, für Musik Geld auszugeben. Es gibt eine Generation, die Musik nur noch konsumiert, wenn es nichts kostet. Es gibt aber auch noch Genießer, die lieber eine CD oder eine Schallplatte mit Bildern oder Booklet in die Hand nehmen und sich die Musik bewusst anhören.
ONETZ: Immer wieder kommt es zu Verwechslungen mit Michael Arlt, dem Sänger der Bluesband "B. B. & The Blues Shacks" aus Hildesheim. Gibt es verwandtschaftliche Beziehungen?
Wir sind nicht verwandt, aber wir haben bei einem Jazzfestival in Hildesheim schon einmal kurz nacheinander gespielt.
ONETZ: Sie haben eine enorme stilistische Bandbreite. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?
Es kommt nicht auf die Stilistik an, sondern auf die Personen, die auf der Bühne stehen. Die Menschen beeinflussen die Musik. Wenn es die richtigen Mitmusiker sind, fühle ich mich wohl. Dann kann ich spielen. Ich hoffe, dass das auf das Publikum überspringt und es ein tolles Konzert wird.
Das Konzert mit Michael Arlt und seinem Sextett findet am Freitag, 2. November (20 Uhr) im "Bistrot Paris" (Sebastianstraße 2) statt. Karten bei www.nt-ticket.de und an der Abendkasse.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.