08.11.2019 - 15:03 Uhr
WeigendorfDeutschland & Welt

Im Wechsel von Licht und Schatten

Die Bilder und Grafiken von Nora Matocza begeistern. Ins Schwärmen kommt man geradezu. Voller Ausdruck, zart in den Farben, geben sie Momentaufnahmen wieder und strahlen Leichtigkeit aus. Am 9. November wird sie 70 Jahre alt.

Zu den Lieblingsbildern von Nora Matocza zählt das Ölgemälde„Rilketurm in Muzot“.
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Diese Leichtigkeit ist auch bei Begegnungen mit der Künstlerin zu spüren, ob in ihrem Haus in Weigendorf, im Atelier, bei Vernissagen oder Kursen, die sie gibt. Ihr Lachen steckt an, ihre Augen strahlen, wenn sie von Bildern und Farben spricht. Und doch ist eine Konzentration spürbar, die auf das Wesentliche zielt.

Nora Matocza wurde am 9. November 1949 in Monheim (Kreis Donau-Ries) geboren. An der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studierte sie bei Wilhelm Uhlig und Günter Dollhopf. Gleichzeitig mit diesem Studium belegte sie Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in Erlangen. Sie absolvierte das Staatsexamen für Kunsterziehung an Gymnasien, unterrichtete aber nur etwas mehr als zwei Jahre. Als freischaffende Künstlerin und Literaturübersetzerin lebt sie in Weigendorf (Kreis Amberg-Sulzbach).

Stillleben und Gärten

Nora Matocza ist eine sehr vielseitige Künstlerin. Beeindruckend sind die Stillleben und Gärten, die Stadtlandschaften und Häuser, aber auch die Portraits und Radierungen. Gemeinsam mit dem Lyriker Gerhard Falkner, ihrem Ehemann, übersetzte sie eine Reihe von Werken aus dem Englischen. Sie kann auf zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland verweisen. Mehrere Kunstpreise, Stipendien und Auslandsaufenthalte erhielt sie im Laufe ihres künstlerischen Schaffens.

Nora Matocza erzählt von Czernowitz und Charkiw in der Ukraine, von Muzot im Wallis. Da will ich natürlich wissen, wieso ausgerechnet Czernowitz, der Geburtsstadt Paul Celans. "Während eines Stipendiums in Czernowitz, das ich zusammen mit meinem Ehemann erhalten hatte, entstand die Idee zum gemeinsamen Künstlerbuch "Deconstructing Gisèle" als Resultat und direkte Auseinandersetzung mit den Künstlerbüchern Atemkristall und Schwarzmaut von Paul Celan und Gisèle Lestrange. "Decontructing Gisèle" mit Texten und Radierungen erschien 2016 in einer signierten und nummerierten Auflage von 70 Exemplaren."

Es sei nicht nur Paul Celan, der sie schon als Zwölfjährige völlig hingerissen habe, natürlich mit den Zeilen "Schwarze Milch der Frühe..." "Da hab" ich als Flüchtlingskind genau gewusst, wovon er spricht. Czernowitz heißt nicht umsonst Klein-Wien, gemeint ist das k.u.k.Wien, zu dem ich schon rein genetisch - Vater aus Ungarn, Mutter aus Böhmen, also beide k.u.k. vor 1918 geboren - eine ganz enge Beziehung habe. Ich habe dort auch nur schöne Erlebnisse gehabt." Die Künstlerin war von einer Reise aus dem Wallis zurückgekommen. Man spürt förmlich noch die Begeisterung. Hier erschienen gerade in der Insel-Bücherei Rainer Maria Rilkes "Die Walliser Vierzeiler/ Les Quatrains Valaisans" - Deutsch und französisch. Übertragen von Gerhard Falkner und Nora Matocza. Diese Übertragung realisiert den konsequenten Endreim des Originals erstmals auch in deutscher Sprache. Rainer Maria Rilke fasziniere sie auch schon seit Kindheits- und Jugendjahren.

"Rilketurm in Muzot",

Ich frage Nora Matocza, welches ihrer Kunstwerke sie auswählen würde, wenn sie nur ein einziges zeigen dürfte. Sie überlegt nicht lange und sagt, das wäre das Gemälde "Rilketurm in Muzot", Öl auf einer Untermalung mit Pigmenten. Rilke bereiste im Sommer 1919 den Kanton Wallis, wo er sich wenige Jahre später in Muzot niederließ. Von der Gegend war er tief beeindruckt: "Dieses Wallis...ist eine unvergleichliche Landschaft." Hier entstand 1924 der Zyklus der "Walliser Vierzeiler".

Zusammen mit der Künstlerin fahre ich nach Haunritz, einem Ortsteil von Weigendorf. Am Högenbach neben der Kneippanlage steht die Stahlskulptur "Daphne". Sie sei eine der besten und überzeugendsten Arbeiten von Nora Matocza, so Gerhard Falkner. In die Flussnymphe Daphne verliebte sich der Überlieferung nach der Gott Apollon und war so lange hinter ihr her, bis sie sich mit Hilfe ihres Vaters, des thessalischen Flussgottes Peneios, in einen Lorbeerbaum verwandelte, um seinen Nachstellungen zu entgehen.

"Es ist eine kluge Arbeit ... Die Skulptur überzeugt vor allem durch ihre Körperauffassung im klassischen Sinn. Außerdem besitzt diese Plastik eine erfreuende und fast erhebende Ausstrahlung," meint Gerhard Falkner.

Ich habe die Künstlerin kennengelernt bei Ausstellungen im LCC Sulzbach-Rosenberg, die sie organisiert, aber vor allem als Teilnehmer ihrer Zeichen- und Malkurse. Seit Jahren schon bietet sie Kurse bei der Volkshochschule im Landkreis Amberg-Sulzbach an: Vier Grundkurse im Zeichnen und vier im Malen.

An einem fast spätsommerlichen Herbstnachmittag sitzen wir in ihrem Garten in Weigendorf. Nora Matocza erzählt, wie es zu den Kontakten nach Czernowitz gekommen war, von der Ausstellung in Charkiw in der Ostukraine, von den Schwierigkeiten beim Transport ihrer Bilder zurück nach Hause. Vor allem aber spricht sie von Farben, vom Wechsel von Licht und Schatten, von der Freude am Zeichnen und Malen.

Stahlskulptur Daphne.
Die Künstlerin Nora Matocza.
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