01.03.2019 - 13:56 Uhr
WeiherhammerDeutschland & Welt

Die Welt gesehen, aber in die Oberpfalz verliebt

Robert Pilz hat die Welt gesehen, seinen Ruhestand will er in der Oberpfalz verbringen. Der Engländer verrät im Zugroast-Interview, warum er auf keinen Fall in seine Heimat zurückkehren will.

Robert Pilz stammt aus Großbritannien.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Robert Pilz (65) hat in seinem Berufsleben als Projektleiter für Siemens die Welt gesehen. Seinen Ruhestand möchte der studierte Elektroingenieur aber in der Oberpfalz verbringen. Mit Lebensgefährtin Monika Bretschneider lebt der Engländer seit vier Jahren in Weiherhammer. Begeistert ist Pilz aber von der ganzen Region – umso mehr, seit sich sein Heimatland so seltsam verhält.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Robert Pilz: Nein, er ist ehrlich und direkt. Ich war als Projektleiter auf der ganzen Welt unterwegs, immer auf mich gestellt. Auf den Baustellen waren mir Direktheit und klare Ansagen immer am liebsten, weil ich dann wusste, woran ich bin. So erlebe ich auch meine Oberpfälzer Freunde. Aber überhaupt nicht als Grantler.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich hatte überhaupt keine Vorurteile. Ich war zuvor ein dreiviertel Jahr in London. Zum neuen Projekt sollte es zur US-Armee nach Mannheim gehen. Erst dort habe ich erfahren, dass der Einsatzort in Grafenwöhr liegt, auf der größten Militärbasis der US-Armee außerhalb der USA. So bin ich ohne Vorurteile hierhergekommen.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Überhaupt nicht, und wegen des Brexits erst recht nicht. Ich bin kein Nestbeschmutzer, ich bin Europäer. Wir lieben Österreich, Italien, Spanien. – von hier aus ist das alles eine Leichtigkeit. Mich würde es furchtbar nerven, wenn ich für jede Reise dieses Stück Wasser überqueren müsste. Wir haben uns für den Ruhestand ein Wohnmobil angeschafft. Damit ist es hier mitten in Europa so einfach.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Die waren alle schon hier. Und sie waren begeistert. Ein Freund war zum Beispiel zum Angeln hier. Wir gehen dann natürlich zum Zoigl. Ich hab sie überzeugt mit den kulinarischen Möglichkeiten, der Landschaft, der Kultur. Mit allen gehen wir ins Waldnaabtal. Wir besuchen die Bäder in der Region, im Winter nehmen wir sie mit zum Skifahren. Die Liste ist fast unendlich. Bei meinem Ausstand habe ich massenweise regionale Produkte mit zu den Kollegen nach Nürnberg gebracht. Zoigl, Geräuchertes und Brot für 60 Leute. Am Schluss war das alles leer.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Als ich noch sehr kurz hier war, haben mich die Kollegen in Grafenwöhr gefragt: „Was machst du am Wochenende?“ Und sie haben mich zum ersten Mal mit zum Zoigl genommen. Das war eine alte Zoiglstube, wo man noch wirklich im Wohnzimmer saß. Irgendwann habe ich einen deutschen Architekten gefragt: „Sag mal, sind das alles Tschechen.“ Aber mittlerweile verstehe ich fast alles.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Nö. Das kann noch nicht sein. Ich würde mich erst mal gerne als Deutscher fühlen, noch warte ich auf meinen Pass. Und erst wenn ich das Wort „Zugroast“ richtig aussprechen kann, dann könnte man überlegen, ob ich Oberpfälzer geworden bin.

Alle Teile der Serie

Serie "Zugroast":

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, aus dem Ruhrpott oder aus Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.Weil Ende des Monats der Brexit ansteht, erklären in den fünf März-Ausgaben von „Zugroast“ Oberpfälzer Britten ihr Verhältnis zur Region.

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