08.03.2019 - 16:38 Uhr
Wernberg-KöblitzDeutschland & Welt

Englischer Gourmet-Koch ist glücklich in der Oberpfalz

Unverhofft kommt oft: Robert Morgan kam vor zehn Jahren in die Oberpfalz, um ein Jahr zu bleiben. Heute ist der Engländer aus Kent immer noch hier, seit ein paar Monaten ist er Chefkoch auf Burg Wernberg. Wie konnte es nur so weit kommen?

Robert Morgan
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Robert Morgan ist 33 Jahre alt und seit einigen Monaten Chefkoch im Restaurant Kastell auf Burg Wernberg, ein Glücksfall, für den er der Eigentümerfamilie Conrad sehr dankbar ist, wie er sagt. Ursprünglich wollte der Engländer aus Kent die Oberpfalz schon vor Jahren wieder verlassen haben. Weshalb er blieb und weshalb er auch künftig bleiben will, erzählt der Spitzenkoch in der Serie "Zugroast".

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Robert Morgan: Nein, das habe ich so nicht erlebt. Klar gibt es hier auch schwierige Menschen. Aber eigentlich ist doch jeder Mensch anders. Vielleicht fällt mir die Sturheit hier aber auch nicht so auf, weil die Engländer ja auch den Ruf haben sehr stur zu sein.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich hatte gar keine Vorurteile. Nach meiner Ausbildung in England bin ich zunächst für ein Jahr nach Spanien, dort habe ich meine Frau kennengelernt, sie kommt aus Sachsen. Nach einem Jahr hat sie mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, mit ihr nach Deutschland zu kommen. Deutschland hatte einen sehr guten Ruf, was Gourmet-Küche angeht. Meine Frau kannte auch die Burg Wernberg und deren hervorragenden Ruf. Es war die Zeit des Wechsels von Christian Jürgens zu Thomas Kellermann. Herr Kellermann hat mir die Chance gegeben, und ich war sehr glücklich darüber. Wo genau die Burg Wernberg liegt, hat keine Rolle gespielt.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Heute gar nicht mehr. Ich bin nach Wernberg gekommen, um hier ein oder zwei Jahre zu lernen und Erfahrung gesammelt. Eigentlich wollte ich dann weiterziehen, andere Länder und Küchen kennenlernen. Das ist der normale Weg für Köche. Irgendwann wollte ich dann in England sesshaft werden. Jetzt bin ich zehn Jahre hier, habe gerade ein Haus für mich und meine Familie gekauft. Ich denke nicht, dass ich noch nach England zurückkehren werde. Ich liebe das Land und vermisse auch manchmal meine Freunde. Aber ich und meine Familie haben hier in der Oberpfalz einen Lebensstandard, den ich mir in England nie würde leisten können. Dort ist alles viel teurer. Wenn ich nur an unser neues Haus denke. Das könnte ich mir in England unmöglich leisten.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Meine Mutter besucht mich regelmäßig, natürlich vor allem wegen ihrer beiden Enkeltöchter. Als ich sie vor ein paar Tagen wieder zum Flughafen gebracht habe, hat sie mir erzählt, sie könnte sich vorstellen, ganz hierher zu ziehen. Allerdings hängt mein Vater zu sehr an England. Ich bin dort auch in einer ländlichen Gegend aufgewachsen. Die Region bietet viel Lebensqualität. Und wenn man etwas vermisst, ist München nicht weit entfernt.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Die Sprache war für mich lange ein Problem. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich damit zurecht gekommen bin. Für meinen Einbürgerungsantrag habe ich vor kurzem einen Sprachtest gemacht und auf dem Niveau B1 abgeschlossen, beim Einbügerungstest habe ich 28 von 33 Punkten. Damit bin ich sehr zufrieden. Mit dem Oberpfälzisch habe ich aber immer noch große Probleme. Als ich an der Burg Chefkoch wurde, habe ich gleich die Anweisung gegeben, dass in der Küche bitte hochdeutsch gesprochen wird. Es ist einfach mühsam, wenn man immer nachfragen muss. Wir sind ein internationales Team.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Nein, das wird sicher auch noch länger dauern. Mir gefällt, dass es hier diese gute Verbindung zur Heimat gibt, dass Oberpfälzer stolz sind auf die Oberpfalz und die Franken stolz auf Franken. Da kann ich nicht einfach sagen, ich gehöre jetzt auch dazu. Ich glaube aber schon, dass mich die Zeit hier in der Oberpfalz verändert hat. Hier sind meine Töchter zur Welt gekommen. Ich kann mich auch daran erinnern, dass Thomas Kellermann einmal zu mir gesagt hat, ich wäre inzwischen mehr Oberpfälzer, als viele, die hier geboren sind. ich weiß aber nicht, ob das als Kompliment gemeint war.

Robert Morgan hält das kulinarische Niveau auf Burg Wernberg weiter hoch.
Info:

SERIE "ZUGROAST"

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, aus dem Ruhrpott oder aus Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.Weil Ende des Monats der Brexit ansteht, erklären in den fünf März-Ausgaben von „Zugroast“ Oberpfälzer Britten ihr Verhältnis zur Region.

Alle Teile der Serie

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