Wernberg-Köblitz
20.06.2018 - 17:27 Uhr

Von der Straße nach Brüssel

Der Fernfahrer-Branche geht es nicht gut, das wissen die Betroffenen nur zu gut: Gehalt, Parkplätze, Nachwuchs, Konkurrenz aus Osteuropa. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung wendet sich an die Politik.

MdB Karl Holmeier (links) unterstützt den BGL bei der Befragung von Fernfahrern auf dem Autohof Wernberg. Lukas Meister
MdB Karl Holmeier (links) unterstützt den BGL bei der Befragung von Fernfahrern auf dem Autohof Wernberg.

(msh) Die Brummifahrer am Autohof Wernberg haben einige Sorgen: "Das Gehalt ist nicht gut, die Parkplatzsituation ist untragbar, es gibt keinen Nachwuchs und die ausländische Konkurrenz ist riesig", lautet der Tenor. Das alles weiß der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) schon, dennoch ist Jens Pawlowski, Leiter des BGL-Büros in Berlin, nach Bayern gekommen. "Wir haben bereits eine bundesweite Online-Umfrage durchgeführt und dabei 4000 Rückmeldungen bekommen. Der Abschlussbericht soll dann in Brüssel vorgestellt werden." Um diesen zu untermauern holen er und seine Kollegen die Stimmen von den einzelnen Fahrern ein.

Unterstützt wird er in Wernberg von Karl Holmeier (CSU), Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Schwandorf-Cham, unterstützt die Aktion des BGL. "Es geht darum die Situation für die Fahrer zu verbessern und die Wertschätzung ihnen gegenüber zu steigern", erklärt Holmeier. Er spielt dabei auf den schlechten Ruf der Fernfahrer an. "Die Branche ist verschrien", bestätigt auch eine Fernfahrerin aus Regensburg. Als Frau habe sie allerdings noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ein großes Thema sind auch die Lenkzeiten. "Manchmal kommt es schon vor, dass wir kurz vor dem Ziel eine Pause einlegen müssen. Das ist ärgerlich, aber im Großen und Ganzen sind die Lenk- und Ruhezeiten schon sinnvoll", sagt einer der befragten Lkw-Fahrer. Die Fernfahrer werden oft als Arbeitskraft zum Be- und Entladen an der Rampe "missbraucht". "Das muss aufhören. Ein Fahrer soll fahren", fordert Sebastian Lechner vom Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT).

Der BGL ärgert sich vor allem über die osteuropäische Konkurrenz und das Lohndumping. "Die Hoffnung der EU-Osterweiterung war ursprünglich, dass Europa auf ein Niveau kommt. Das ist aber nicht eingetreten. Viele Speditionen greifen auf billigere Fahrer aus dem Ausland zurück", bemängelt Pawlowski. An der Abwärtsspirale in der Fernfahrer-Branche haben aber viele ihren Anteil, von der Industrie bis hin zum Endverbraucher.

Die BGL-Vertreter wissen von Fällen, in denen ausländische Speditionen von deutschen Rastplätzen aus disponieren. "Teilweise sind deren Lkw dann wochen- oder gar monatelang unterwegs. Diesen Missbrauch müssen wir in Zukunft verhindern", sagt Lechner. "Osteuropa hat Logistik als Marktlücke entdeckt. Jährlich verlieren wir ein Prozent Marktanteil", erklärt Pawlowski. Aber auch dort fehle der Fernfahrer-Nachwuchs. Der Güterverkehr wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Die BGL will deswegen eine gezielten Imagekampagne starten, um Auszubildende zu finden.

Ein schwieriges Thema sind die Blockabfertigungen an der Grenze zu Österreich. Für die Speditionen sind sie ein Kostenfaktor und für die Fahrer eine Belastung. "Österreich ärgert die deutschen Unternehmer. Verkehrsminister Andreas Scheuer hat mit seiner Absage des Bozen-Gipfels ein Zeichen gesetzt. Die Österreicher bewegen sich aber kein Stück", sagt Holmeier. Auch die BGL-Vertreter kennen die Sorgen der mittelständischen Speditionen. Der Brenner-Basistunnel sollte die Lösung sein. "Aber gegen die Zubringerstrecken wehren sich im bayerischen Inntal viele Bürger. Mit 2026 ist nicht zu rechnen, eher mit 2036", prognostiziert Lechner.



 
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