02.07.2018 - 18:38 Uhr
WiesauDeutschland & Welt

Kulturbrache als Künstlerwerkstatt

Außergewöhnliches erfordert mitunter einen außergewöhnlichen Wirkungsort. Einen solchen finden sieben Oberpfälzer Künstler, die im alten Bahnhof Wiesau eine Woche arbeiten. Was sie dort machen? Das weiß man erst am Sonntag.

Volker Liedtke, Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes und der Wiesauer Bürgermeister Toni Dutz begrüßen im Alten Bahnhof die Oberpfälzer Künstler Wigg Bäuml, Vorsitzender Berufsverband Bildender Künstler, Vaclav Fiala (Klatovy), Susanne Neumann (Waldsassen), Clemens Söllner (Tirschenreuth), Tone Schmid (Weiden), Tilo Ettl (Plana) und Axel T Schmidt (Pirk, von links). Tone Schmid ist auch zukünftiger Kulturpreisträger: Dem Weidener wird am Sonntag bei einem großen Festakt der Nordgaupreis 2018 verliehen. Alle Künstler sind im Alten Bahnhof bis Sonntag tätig. Jeweils von 10 bis 22 Uhr kann ihnen bei der Arbeit zugeschaut werden.
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Von Ulla Britta Baumer

Wiesau. Susanne Neumann aus Waldsassen ist dabei. Ebenso Axel T Schmidt (Pirk) und Clemens Söllner (Tirschenreuth). Ludwig Bäuml, Künstler und Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz stellt beim Symposium im Alten Bahnhof auch die Künstler Tilo Ettl (Plana), Vaclac Fiala (Klatovy), Christoph Schießl (Regensburg) und Tone Schmid (Weiden) vor. Kunst gibt es an diesem Sonntagnachmittag nicht. Höchstens Erklärungen zu den Werkstoffen, Werkzeug in einer Ecke, eine kleine Plastik als Modell von Tilo Ettl. Trotzdem sind viele Besucher gekommen, die vom Symposium im Alten Bahnhof gehört haben. Dort ist schon lange ist nichts mehr passiert, nur Staub und gähnende Leere. Warum ausgerechnet dort ein Künstlertreff beim Nordgautag? Diese Frage macht neugierig. Sieben Künstler in Wiesau, alle aus der Meisterklasse: Das hat es noch nie gegeben im beschaulichen wie überschaubaren Ort Wiesau.

Wichtiger Programmpunkt

Volker Liedtke, Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes, überlässt Bäuml das Reden. Dieser präsentiert nicht zum ersten Mal den Kunst-Part des Oberpfälzer Nordgautags mit einem Symposium bildender Künstler aus dem Berufsverband. Kunst und Kultur sind ein wichtiger Programmpunkt der Mammutveranstaltung zum „Kulturfest der Oberpfälzer“. Tradition trifft Moderne: Künstler schaffen Neues, ohne sich dabei dem Zeitgeist unterworfen zu fühlen. Dafür macht sich ein leerstehendes Bahnhofsgebäude gut, um mittels Kunst der Kulturveranstaltung in Wiesau ein bleibendes Zeichen zu setzen. Das freut Wigg Bäuml.

Die alten Gemäuer, der Stil – ein wenig italienisch angehaucht erscheint das Gebäude. Schließlich haben hier Italiener als Gastarbeiter mitgebaut, hat der Wiesauer Bürgermeister Toni Dutz vorher anklingen lassen – das Ambiente und das weitläufige Platzangebot in den hohen Bahnhofshallen. Alles ist wie für die Kunst geschaffen. „Das ist was anderes als eine Turnhalle. Der Bahnhof ist ein Glücksfall“, sagt Wigg Bäuml. Die Künstler selbst haben noch nichts in ihren Händen. Nicht einmal in allen Köpfen ist gereift, was in diesen Tagen im ehemaligen Bahnhofsrestaurant entstehen soll.

„Bei einem Symposium darf den Künstlern über die Schulter geschaut werden. Manchmal entsteht ein Kunstwerk, manchmal wird es nicht fertig. Oder der Künstler macht gar nichts außer kreative Ideen zu entwickeln“, erklärt Bäuml die Philosophie der Veranstaltung. Beim Gespräch mit den sieben Künstlern allerdings wird offenbar, dass doch etwas bereits in einigen Köpfen gereift ist.

Vaclav Fiala, renommierter Bildhauer aus Tschechien, steht mit „leeren Händen“ da, lässt sich auf keine Zugeständnisse ein. Er habe sich noch nichts überlegt, sagt er. Anders Susanne Neumann. Sie sei oft hier am Bahnhof gestanden, um nach Wien, Berlin oder Italien zu reisen. Die gebürtige Waldsassenerin ist international tätig, will aber wieder intensiver in der Region arbeiten. So will sie zum Beispiel einen Kunst-Kiosk schaffen: „Hier am Wiesauer Bahnhof hat immer einer gefehlt“. Dann lässt Wigg Bäuml die Bombe platzen: „Hier steht ein zukünftiger Preisträger vor ihnen“, sagt er mit Blick auf Tone Schmid. Der Weidener, der unter anderem Stühle aus Autoreifen kreiert, hat sein Thema „Barrierfreiheit“. Wie passend für den nicht barrierefreien Bahnsteig Wiesau. Aber Schmid hat auch die Barrierefreiheit in den menschlichen Köpfen im Focus.

Finissage am 8. Juli

Clemens Söllner widmet sich dem Intarsienschneiden. Söllner liefert in diesen wenigen Tagen gewiss kein fertiges Werk ab. Aber er bringt Dinge mit, die von ihm geschaffen wurden, zum Beispiel einen großen Schreibtisch. Natürlich darf man dem Tirschenreuther, der jetzt in Nürnberg lebt, auch bei der Arbeit zuschauen – was sehr erwünscht ist. Die offene Künstlerwerkstatt im Alten Bahnhof wird also für einige Tage „Durchzugsgebiet“ für Schaffende wie für Kunstinteressierte.

Täglich arbeiten die Künstler an ihren Objekten. Kritisch werden die Inhalte sein, interessant, spannend, diskussionswürdig. Wie der Wiesauer Nordgautag seinen kulturellen Beitrag meistert, zeigt die Finissage am Sonntag, 8. Juli, um 17 Uhr.








Volker Liedtke, Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes und der Wiesauer Bürgermeister Toni Dutz begrüßen im Alten Bahnhof die Oberpfälzer Künstler Wigg Bäuml, Vorsitzender Berufsverband Bildender Künstler, Vaclav Fiala (Klatovy), Susanne Neumann (Waldsassen), Clemens Söllner (Tirschenreuth), Tone Schmid (Weiden), Tilo Ettl (Plana) und Axel T Schmidt (Pirk, von links). Tone Schmid ist auch zukünftiger Kulturpreisträger: Dem Weidener wird am Sonntag bei einem großen Festakt der Nordgaupreis 2018 verliehen. Alle Künstler sind im Alten Bahnhof bis Sonntag tätig. Jeweils von 10 bis 22 Uhr kann ihnen bei der Arbeit zugeschaut werden.
Tilo Ettl (re.) zeigt Wigg Bäuml ein Modell seiner Idee.
Im offenen Gespräch werden die Künstler und ihre Ideen zum Symbosium vorgestellt.
Die Familie Dick (Inge Dick vorne, Ehemann Carsten Dick hinten Mitte und die SöhneLevii li. und Moses re.zeigt in einem Nebenraum des Alten Bahnhofs eine Gemeinschaftsausstellung mit Titel "Perspektiven".. Inge Dick erklärt zur Vernissage am Sonntag die Beweggründe. Nach einer Ausstellung im Kunsthaus sei es an der Zeit, wieder mehr von sich hören zu lassen, so die Künstlerin. Die Familie Dick möchte nach einer künstlerischen Pause nun regelmäßig Kunst zeigen. Zu sehen sind Malereien ebenso wie Fotografien und Skulpturen. Im Alten Bahnhof können die Werke täglich von 10 bis 22 Uhr bis Sonntag, wo um 17 Uhr die Fiinissage stattfindet, besichtigt werden.
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