10.11.2019 - 14:13 Uhr
WindischeschenbachDeutschland & Welt

Absurditäten des Lebens

Matthias Ningel hinterfragte bei der Futura humorvoll unsere Lebensgewohnheiten

Musikkabarett der feinsinnigen Art präsentiert der Liedermacher, Humorist und Kabarettist Matthias Ningel in seinem Programm "Kann man davon leben?" auf der Kleinkunstbühne der Futura.
von Hans PremProfil
Musikkabarett der feinsinnigen Art präsentiert der Liedermacher, Humorist und Kabarettist Matthias Ningel in seinem Programm "Kann man davon leben?" auf der Kleinkunstbühne der Futura.
Musikkabarett der feinsinnigen Art präsentiert der Liedermacher, Humorist und Kabarettist Matthias Ningel in seinem Programm "Kann man davon leben?" auf der Kleinkunstbühne der Futura.

Die häufigste Frage, die einem Künstler gestellt wird, ist: „Kann man davon leben?“. Matthias Lingel beantwortet sie am Ende seines gleichnamigen Programms auf der Kleinkunstbühne der Futura kurz und bündig: „Ja“. Denn wenn Applaus das Brot des Künstlers ist, dann ist er am Freitagabend so richtig satt geworden. Lingel nennt sich einen Liedermacher und Humoristen. Aber eigentlich ist er viel mehr, ein richtiges Allroundtalent als Pianist, Sänger, Schauspieler und Kabarettist und vor allem in allen Funktionen ein wahrer Meister. In seinem Programm geht er der Frage nach, was es zu einem gelungenen Leben eigentlich braucht und was nicht. Er kleidet dabei seine Gedanken in teils schon philosophisch anmutende Worte und Lieder und hinterfragt in seiner leisen und nachdenklichen aber sehr humorvollen Art unsere Lebensgewohnheiten. Zwangsweise fragt sich der Zuhörer, brauche ich eigentlich einen Smarthome gesteuerten Kaffeevollautomaten, zu dem ich an drei Wochenenden noch den Milchschaum-Master ablegen muss? „Man kauft einfach zu viel Quatsch“, stellt er fest.

Vielleicht ist es ein gelungenes Leben, wenn alle Träume wahr würden. Wie sähe die Welt dann aus? „Wohl eher düster. Die Apokalypse wäre dagegen eine Hüpfburg für Kinder“, stellt er ernüchternd fest. Die „Generation Beißschiene“ gäbe da wohl eine zu optimistische Einschätzung unserer Schlafqualitäten ab. Unsere Gewohnheiten entpuppen sich oft bei näherem Hinsehen als ganz schön skurril und wir merken es gar nicht. Ningel hält den Zuhörern lässig plaudernd und Klavier spielend mit seiner feinsinnigen Art einen Spiegel vor. Ohne den Zeigefinger zu erheben lenkt er aber immer wieder den Fokus weg von denen, die ohnehin viel zu viel Aufmerksamkeit bekommen, hin zu denen, die mit ihren Ideen als Vorbild dienen können. Er pflanzt zarte Sprösslinge der Zuversicht in einer Zeit, in der alles gerankt und optimiert wird.

Lebensglück findet er nicht zuletzt auch in seinen Erinnerungen. Lingl lässt in den Köpfen des Publikums humorvolle Bilder entstehen, wie das vom Kirmessonntag, an dem er zurückkehrt ins Epizentrum des Frohsinns, ins Festzelt und berauschte Männer wild am Maschendrahtzaun pinkeln. Zum Glück gehört auch die Liebe. Im Liebesschlager „Ilona“ (Untertitel: „Schluss mit platonischer Liebe, jetzt wird gefummelt“), wäre er gern der Drucker und sie der Toner, oder ein Brot und sie die bedeckende Lyoner.

In einem Lied singt er über „Traurige Touristen“ die, von Reizen übersättigt freudlos aus Helis winken, melancholisch über schwarze Pisten rasen und dabei die Naturschönheiten gar nicht mehr wahrnehmen: „Draußen schwimmt der Buckelwal – scheißegal“. Dieselben Touristen fragen einen kubanischen Taxifahrer: „Kann man denn davon leben?“ Dabei entpuppen sie sich als die Kolonialisten von heute. Vielleicht hilft ja auch Power-Yoga.

Am Ende beantwortet er die Frage, ob man davon leben kann mit ja. Ningel erhält nach einem unterhaltsamen, witzigen und erfrischenden Programm mit tiefsinnigen Blicken auf die Absurditäten unseres Lebens großen Applaus. Als Zugabe singt er vom Erwachsenwerden und von einer skurrilen Treibjagd der Tiere des Waldes seine Jäger.

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