15.10.2019 - 16:23 Uhr
WindischeschenbachDeutschland & Welt

"Heiraten ist Dummheit aus Vernunft"

Hochkarätiges Kabarett, witzig und reich an Pointen serviert der Beziehungsexperte des deutschen Kabaretts, Stephan Bauer, dem Futura-Publikum. Für seine Treffsicherheit erntet er wahre Lachsalven.

Stephan Bauer, der Kabarettist und Comedian hatte das Futura-Publikum auf seiner Seite. Mit seinem mit Pointen vollgespickten Programm "Vor der Ehe wollt' ich ewig leben" sorgte er für wahre Lachsalven.
von Hans PremProfil
Stephan Bauer, der Kabarettist und Comedian hatte das Futura-Publikum auf seiner Seite. Mit seinem mit Pointen vollgespickten Programm "Vor der Ehe wollt' ich ewig leben" sorgte er für wahre Lachsalven.

Jeder kennt sie: die Müdigkeit in der Beziehung. Wenn man nach zehn Jahren ratlos in das Gesicht des Partner schaut und sich klar wird: „Vor der Ehe wollte ich ewig leben“. So geht es auch ihm, dem 50-Jährigen, dessen sexuelle Anziehungskraft gegen Null geht und für den der „Anbaggermarkt“ geschlossen ist. Dazu ist er Schütze, zu dem nur Löwen, Skorpione und Psychopathen passen.

Ihm geht es im Moment nicht so wahnsinnig gut. Seine Frau hat einen Anderen – vermutet er. Als er sie fragt, was mit seinem Golfschläger nach seinem Tod passiert, ob sie ihm wohl seinem Nachfolger gibt, antwortet sie: „Nein, der ist Linkshänder“. Seine Ehe steckt zweifelsohne in der Krise. In seiner Verzweiflung sucht er Rat bei Menschen, die Erfahrung haben: Alkoholiker und einem katholischen Pfarrer. „Der weiß durch die Beichte was läuft“.

Warum gehen heutzutage so viele Menschen fremd, trotz Eheversprechen? Weil keiner mehr bereit ist, den anderen so anzunehmen wie er ist. Sie redet zu viel, er lässt sich gehen und hat einen Bauch. Ergo: “Ein tauber Mann muss eine blinde Frau heiraten“. Männer leiden in der Ehe unter der Dominanz der Frauen. Sie stehen unter Leistungsdruck. „Wenn es stimmt, dass ein durchschnittliches Ehepaar zwei bis drei Mal Sex pro Woche hat, dann muss für ihn jemand mitgebumst haben“, ist er sich sicher.

Hauptkonfliktfelder zwischen den Geschlechtern ist für ihn die Kommunikation. Angenommen ein Mann hat eine Meinung und weit und breit ist keine Frau in der Nähe: „Hat er dann trotzdem Unrecht?“, fragt er sich. Für ihn ist die Frau die Dominante. Grund dafür sieht er in der Emanzipation ebenso wie in der gleichzeitig fortschreitenden Schwäche der Männer. „Wo sind Stehvermögen, Durchsetzungskraft und Entscheidungsfreude geblieben“? Frauen mögen, wenn der Mann ein wenig Arschloch ist.

Die Ehe hat aber auch ihre guten Seiten. Man kommt nach Hause und hat immer dieselbe Bezugsperson, die einen ablehnt. Eine Ehe muss auch nicht langweilig sein. Man kann auch Lebensversicherungen aufeinander abschließen, dann hat sie die Spannung, wer gewinnt. Es müssen einfach ein paar Regeln eingehalten werden. Die wichtigste lautet: Treue. Viele Menschen können das nicht. Bei Tieren funktioniert das doch auch. „Pinguine sind sich ein Leben lang treu, aber die sehen halt auch alle gleich aus“. Sein Fazit: Die Ehe als Institution hat sich für ihn nicht überholt. Wir leben in einer Zeit des Verfalls. Die EU bricht auseinander, Handelskrieg, Flüchtlingsströme, neue Aufrüstung: eine Phase der Unsicherheit. In so einer weltpolitischen Konstellation ist es nicht das Dümmste, zu Hause eine feste Beziehung zu haben. Bauers Tipp am Schluss: „Versuchen sie ihren Partner zu ertragen, denn in der nächsten Beziehung wird es auch nicht besser“.

Sein Programm ist wie immer voll gespickt mit Pointen, manchmal ein wenig geschmacklos und verdorben, die aber für Lachsalven beim Publikum sorgen. Höchst amüsant zeichnet er mit intelligentem Humor den immerwährenden Kampf der Geschlechter nach. Es ist auch eine humorvolle Abrechnung mit der Single- und Fun-Gesellschaft, erodierenden Werten und dem Gefühl von „alles geht“.

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