09.12.2019 - 16:50 Uhr
WindischeschenbachDeutschland & Welt

Martin Großmann überzeugt bei der "Futura"

Niederbayerischer Kabarettist Martin Großmann gibt in Windischeschenbach ein Gastspiel und das Publikum ist begeistert. Bei der Futura erinnert er sich auch an seine ersten Auftritte.

Martin Großmann präsentierte sich bei der Futura von seiner besten Seite
von Holger Stiegler (STG)Profil
Martin Großmann präsentierte sich bei der Futura von seiner besten Seite

Diese Art des Handels wäre wohl eine lukrative Sache – nämlich mit Dingen von Leuten, die sehr berühmt sind, oder – noch besser – die schon gestorben sind. „Am Todestag bekommst Du im Internet am meisten dafür“, weiß Martin Großmann zu berichten. Er selber – glauben wir es ihm mal – besitzt die Torwarthandschuhe von Sepp Maier, die dieser im WM-Endspiel 1974 gegen die Niederlande getragen hat, und präsentiert sie auch stolz am Samstagabend. Glücklicherweise ist Großmann nicht unter die Händler gegangen, sondern verdingt sich als Kabarettist. Dass dies die richtige Entscheidung war, können die – leider viel zu wenigen - Besucher der Futura eindrucksvoll erleben.

Unterwegs ist Großmann mit einem „Best of“-Programm, das nicht nur amüsante und witzige Episoden bereithält, sondern auch zum herzhaften Lachen einlädt. Und das auch dem Tiefgang nicht gänzlich aus dem Weg geht. Es ist nicht nur Kabarett, das auf der Bühne zu erleben ist, sondern auch eine gute schauspielerische Leistung gepaart mit einem Faible fürs Geschichtenerzählen.

Und so lässt sich für die Besucher ziemlich deutlich nachvollziehen, warum eine „Eigenblut-Diät“, die man mit Hilfe eines Metzgers des persönlichen Vertrauens durchziehen kann, unter Umständen nicht jedermanns Sache ist. Erstaunen lösen auch die geistigen Verbindungen zwischen den französischen Literaten und dem Niederbayern per se aus. „Die einen sehen den Mord ohne Motiv, die andern glauben an die Watschn ohne Motiv“, so Großmann. Und so dürfe man diese Watschn etwa nicht als roh oder grobschlächtig verurteilen, sondern müsse in ihnen die Kunst entdecken.

Im Mittelpunkt des Abends stehen verschiedene Typen, deren Charaktere Großmann herzhaft rüberbringt und dabei sein Publikum richtig begeistert. So erinnert er sich an seine Zeit als Lehrling, während der er immer zum Brotzeitholen geschickt wurde. „Ich weiß aber bis heute nicht, welchen Beruf ich gelernt habe“, räumt er ein. Und so kommt Großmann ins Erzählen: Über die Kinder, die nur wegen der Kommuniongeschenke katholisch geworden sind, um dann kurz vor der Konfirmation evangelisch zu werden. Über den Haushalt, in dem es neben der Bibel nur ein weiteres Buch gibt, das aber denselben Stellenwert hat – nämlich „Das Leben des Franz-Josef Strauß“. Und über das, was einen Menschen ausmacht – nämlich „über den Zustand eines animalischen Zuchtbullen hinaus zu sein“. Großmann erinnert sich auch an seine ersten Auftritte als Kabarettist zurück: Premiere war bei der Städtischen Müllabfuhr Deggendorf, danach folgte der Auftritt beim SPD-Ortsverein Hengersberg („Die haben mir als Gage einen Listenplatz angeboten. Aber ich wusste damals schon, dass man auf toten Gäulen nicht reiten kann!“).

So reiht sich eine Episode an die andere, die Großmann sehr sympathisch rüberbringt: Er berichtet von der „pornolosen Zeit“, als der Sommerkatalog von Quelle schon das Höchste der Gefühle gewesen sei, er warnt davor, dass man in Bissingen besser keine Witze über Porsche-Fahrer macht, und er macht keinen Hehl daraus, dass für manche Zeitgenossen in ländlichen Gebieten ein Zuschuss für Vietnamesinnen aus dem Katalog sicherlich eine lohnende Sache sei. Seine Paraderolle gibt Großmann in der Rolle des Hartl-Bauern, der zwar schwer verständlich, allerdings gestenreich und konsequent sowie mit einem Hang zu Rassismus und Sexismus auch die Zuschauer mit in das Programm einbaut. Verdienter Applaus für einen gelungenen Auftritt.

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