25.11.2019 - 17:03 Uhr
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Der Tod zum totlachen

"Bin ich tot?" "Nein! ICH bin der Tod!". Dieser "Running Gag" zieht sich durch das gesamte Blözinger-Programm: Der Dialog zwischen dem ständig grantelnden Altenheimbewohner Franz und dem Sensenmann, der ihn von Zeit zu Zeit besucht.

Was werden wohl Franz (Robert Blöchl, rechts) und der Tod (Roland Penzinger) an "Lebens"-weisheiten austauschen?
von Autor gagProfil
Kann sich der Tod totlachen?
Franz träumt: Er reitet durch die Prärie. Penzinger spielt das Pferd.
Zivi Mario (R. Penziner) dreht sich eine Haschzigarette während seiner Rauchpause. "Du bist der Enkel, den i nie wollt" erklärt ihm Franz.
skurril komische Kommunikation und ein skeptischer Rentner
...hoit aafoch zum totlachn...

"Der Tod, das muss ein Wiener sein". Das wusste schon Georg Kreisler, der Meister des schwarzen Humors. Das ist wohl auch der Grund, dass der Wahl-Wiener Roland Penziner diese Figur so umwerfend komisch, gesten- und grimassenreich darstellen kann. Zusammen mit Robert Blöchl, der als echter Lehrer den 82-jährigen, auf österreichisch-grantelnden, brummigen Ex-Lehrer Franz darstellt, traten die beiden am Freitag bei der Futura auf: als Duo BlöZinger mit dem Programm "Bis morgen".

Bis morgen? Damit verabschieden sich Franzl und der Tod nach jedem ihrer Spaßnachmittage, die Franz ein wenig aus dem tristen Altenheimalltag herausholen. Der Tod will Franz nicht holen,sondern mit ihm spielen: Karten, Schach, Scrabble. Ein ganzes Jahr lang, durch alle Jahreszeiten. Und sich mit ihm unterhalten über allen Sinn und Unsinn des Lebens.

Mit blitzschnellen, präzisen Rollenwechseln sind die beiden auch mal - szenenabhängig - Pferd und Cowboy, Barkeeper und Gast oder Klein-Britney und "der Alte", wie der freche, stets bekiffte Zivi Mario (Penzinger) den Rentner Franz nennt. Auch die Rolle der stets willigen, sehr vollbusigen und auf Sex gepolten Frau Gruber mit den lila Haaren spielt Penzinger urkomisch-authentisch.

Von ihrer Enkelin mit blauen Pillen aus der Apotheke versorgt, steckt sie diese ihren Senioren abwechselnd zu, um sie reihenweise zu vernaschen. Genial pantomimisch, clownesk, aberwitzig und mitunter kalauernd fordern sie dabei im Publikum einen Lacher nach dem anderen heraus. Man verzeiht BlöZinger sogar den Tod der Katze, die der Tod beim Wetzen seiner Sense versehentlich zweiteilt, angesichts des Spaßes, den ihr intelligentes Blödeln dem Publikum macht.

Der Tod möchte wissen wie Eis schmeckt, weil das bei den Menschen so beliebt ist. Franz holt Eis, trifft dabei die kugelrund gefütterte Britney mit Luftballon und "Kugelfischgesicht". Ihre Mutter, Smartphone in der Hand und kochtechnisch eher "Mäcki"-Bürger geschädigt, muss sich die Namen ihrer Kinder von den tätowierten Unterarmen ablesen. Auch dazu hat Franz eine Lebensweisheit parat: "Am Vornamen der Kinder erkennt man den Geist der Eltern". Als er das Eis dann dem Tod gibt, weiß dieser nicht, dass man es nicht auf einmal verschlingen darf, wegen des Kälteschocks im Gehirn. Ob es dem Tod vielleicht an Lebenserfahrung fehlt?

BlöZinger sparen nicht mit Sprüchen, die Lebensweisheiten sein könnten: "rtl2 - die geduldete Form der Sterbehilfe", weil sich zwei seiner Mitinsassen stets um die einzige Fernbedienung im Heim streiten. Oder die Feststellung "Vorurteile sind die Vernunft der Narren". Dabei fallen auch Bemerkungen über die geldgierig-korrupte Politik oder die Beziehungslosigkeit und Intelligenz der Smartphone-Geschädigten. Als ehemaliger Lehrer, der deshalb keine Kinder mag, mokiert sich Franz auch über die neumodischen Namen der Kinder. Wo früher Anton und Manuela saßen, seien es heute Kevin und Brooke. "Aus an Kevin kann nix wern" konstatiert er sarkastisch. Und zu Zivi Mario, der immer seine Rauchpause bei ihm verbringt, grantelt er:"Für mi bist Du des Enkelkind, des i nie wollt".

Am Ende versteht Franz: Der Tod hätte ihn damals, an seinem 82. Geburtstag, holen sollen. Und hat ihm dieses eine Jahr zusätzlich geschenkt, in dem er nochmals Gelegenheit hatte, Japanisch zu lernen, sein Sexleben anzukurbeln, Keyboard zu spielen und auf seinen "Spielpartner" zu warten, den Mann mit der Sense.

Das seit fünfzehn Jahren bestehende Wiener Duo BlöZinger – im Nebenberuf auch als CliniClowns tätig – zählt längst zur ersten Liga der österreichischen Kleinkunstszene. Intelligent durchdachte Dialoge, Spitzfindigkeiten, genial und treffsicher inszenierter Irrsinn. Nicht umsonst wurden die beiden schon mehr fach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Österreichischen Kabarettpreis und dem Deutschen Kleinkunstpreis.

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