Vor der Haustür schlendern alljährlich zehntausende Touristen entlang. Doch Heike und Peter Borggreve wohnen trotzdem gern mitten im Unesco-Welterbe. Die beiden sind vor einigen Jahren von Berlin in eine Wohnung in der Fasanerie im Park Sanssouci gezogen, umgeben von Palmen. Und er sagt: „Es entschleunigt total.“ Weil: „Hier ist es italienisch“, beschreibt der 71-Jährige. „Ich wollte hier nie mehr weg.“ Und sie betont: „Man fühlt sich schon privilegiert.“
Manchmal kämen ein paar Besucher vorbei und fragten nach dem Weg oder fotografierten die Fasanerie, während die beiden auf der Terrasse sitzen. Doch wie wirkt sich ihre besondere Wohnlage auf den Alltag aus? Diesen bestimmen vor allem „Spaziergänge, Nachbarn und Gartenarbeit“, sagen die beiden. Gemeinsam mit der Hausgemeinschaft gießen sie Blumen, harken Laub oder trinken ein Glas Wein. Insgesamt leben in dem Haus fünf Mietparteien.
Jalousie? Erst den Denkmalpfleger fragen
Wer in dem historischen Gebäude wohnt, muss allerdings ein paar Regeln beachten. Aufwendige Renovierungen sind mit dem Denkmalschutz abzustimmen. „Wenn wir irgendwas Bauliches machen wollten, dann müssen wir natürlich immer fragen“, erklärt Heike Borggreve. Als das Paar eine Jalousie auf dem Balkon anbringen ließ, mussten Farbe und Stoff mit dem Denkmalpfleger abgestimmt werden. Sogar für einen Teppich im Treppenhaus, der das Hinunterlaufen sicherer machen sollte, brauchte es die Rücksprache mit den Denkmalpflegern.
In einigen Räumen sind heute noch Reste alter Tapeten freigelegt. Ein Maler habe sie einmal überstreichen wollen, erzählt Peter Borggreve. Doch die historischen Spuren sollten erhalten bleiben. Das Paar nimmt mittlerweile solche Vorgaben gelassen: „Uns gefällt das so, wie es ist“, sagt er.
Zum Leben im historischen Park gehört auch ein gewisses Maß an Eigeninitiative. Durch die alten Mauern wird es im Winter mitunter ungemütlich kalt. Bei Bedarf muss das Paar selbst anpacken und heizt die Öfen, deren Nutzung ebenfalls mit der Stiftung abgestimmt wurde, mit Holz oder Kohlen. Die Öfen mit ihren Verzierungen sind ein echter Hingucker.
Jahre zwischen Bewerbung für Wohnung und Einzug
Doch wie kommt man an die schmucken Wohnungen? Heike Borggreve (62) arbeitet bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG). Diese ist zugleich Vermieterin. Ihre Bewerbung für eine Wohnung hatte sie schon viele Jahre vor dem Einzug eingereicht, irgendwann kam die Zusage von ihrem Arbeitgeber.
„Grundsätzlich kann jeder Mitarbeitende Bedarf anmelden, die Vergabe erfolgt nach sozialen Kriterien sowie in enger Abstimmung und nach Zustimmung durch den Personalrat“, schrieb ein SPSG-Sprecher. Mit den Mietern würden übliche Mietverträge geschlossen.
Doch müssen die Mieter ausziehen, wenn ihre Beschäftigung in den preußischen Schlössern und Gärten endet? Grundsätzlich ja, sagte der Sprecher. Es gebe ein Sonderkündigungsrecht, das an das Beschäftigungsverhältnis geknüpft sei. Allerdings: Pensionäre haben „in Abhängigkeit von der Dauer der Betriebszugehörigkeit in der Regel ein intern vereinbartes Wohnrecht über die Betriebszugehörigkeit hinaus“.
Über 100 Wohnungen in den Parks und Schlössern
Aktuell verwalte man in den Parks und Schlössern 103 vermietete Wohnungen, berichtet der Sprecher. Hinzu kämen derzeit 76 leere Wohnungen. Der Leerstand betreffe Räumlichkeiten, die gerade saniert werden oder noch saniert werden müssten - wie das Mühlenhaus oder das Havelhaus. Zudem gibt es im Bestand der Stiftung Wohnungen, die baurechtlich nicht mehr genutzt werden dürfen.
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