30.06.2020 - 15:26 Uhr
WunsiedelDeutschland & Welt

„Abgespeckte Variante“ nicht sinnvoll

Darüber nachdenken, was jetzt eigentlich im Haus los sein sollte, mag sie lieber nicht. „Dann würde ich wohl depressiv im Bett bleiben“, sagt Birgit Simmler, künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele. Corona verhinderte die Saison.

Die Bühne und der Zuschauerraum der Luisenburg bleiben leer: Für die künstlerische Leiterin Birgit Simmler ist dies zwar eine "furchtbare Situation", aber angesichts der Corona-Pandemie die einzig sinnvolle.
von Holger Stiegler (STG)Profil
Wäre in diesem Jahr unvorstellbar: Massenbegeisterung beim Familienstück "Madagascar" im Jahr 2019.

Pinocchio, Der Name der Rose und Brandner Kasper 2 würden jetzt unter normalen Umständen schon längst gespielt werden auf der Freilichtbühne, am 10. Juli wäre noch die Premiere des Klassikers „Faust“ angesetzt gewesen. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden kulturellen Beschränkungen haben dies allerdings verhindert, der Spielplan wurde komplett ins Jahr 2021 verschoben.

„Das ist für unsere Kultur-Branche wirklich furchtbar, auch wenn man ja etwas Zeit hatte, sich daran zu gewöhnen, dass es so kommen wird“, so Simmler. Gleichzeitig betont sie aber, dass die Entscheidung, den Spielbetrieb zu verschieben, sinnvoll gewesen sei. „Abgespeckte Varianten“ der Festspiele, in welcher Form auch immer, seien nicht möglich gewesen: Eine nachträgliche Reduzierung des Zuschauerraums beispielsweise bei bereits über 100.000 Tickets im Vorverkauf sei nicht realisierbar gewesen. „Dann müssten wir Zuschauer mit gültigen Karten wegschicken, das geht gar nicht“, so Simmler. Auch vom künstlerischen Aspekt sei es nicht zu vertreten gewesen, wie Simmler betont. „Geplant waren auf der großen Bühne ausnahmslos große Formate mit vielen Mitwirkenden, da wäre überhaupt kein Probenbetrieb möglich gewesen“, erklärt Simmler und verweist darauf, dass der eh schon recht kompakt gehaltene Probenbetrieb am 17. April gestartet wäre – also zu einer Zeit, in der an ein kulturelles Leben noch gar nicht zu denken war. Das Publikum verdiene eine Kunst, die auf höchstem Niveau gespielt werde. „Und das sind keine Notfallszenarien“, so Simmler.

Wirtschaftlich sei die ausgefallene Saison natürlich ein Desaster. „Das Millionen-Loch, das entsteht, können weder die Festspiele noch die Stadt Wunsiedel aus eigener Kraft stopfen“, weiß die Künstlerische Leiterin. Hier falle besonders in Gewicht, dass sich die Luisenburg-Festspiele zu etwa 80 Prozent aus dem finanzieren, was an der Kasse eingenommen wird, und die staatliche Förderung im Vergleich zu Staatshäusern natürlich bescheiden ausfalle. Man sei aber im Gespräch mit dem Freistaat, eine tragfähige Lösung zu finden.

Mit Blick auf 2021 macht sie aber auch ganz klar: „Nochmals eine Saison schieben geht nicht!“ Und mit einem solchen Szenario planen die Verantwortlichen derzeit auch nicht. „Ich bin froh, dass die Kreativteams und auch ein Großteil der Darsteller für das kommende Jahr wieder zugesagt haben“, so Simmler. Die meisten Konzepte seien bereits fertiggestellt, das werde aber jetzt natürlich noch einmal alles geprüft. Ob das dann alles noch epidemiologisch angepasst werden müsse, werde man sehen. Zuversichtlich ist die Künstlerische Leiterin auch, dass alle Konzerte dann 2021 stattfinden können – von Beth Hart über Chris de Burgh bis hin zu Haindling.

Langweilig, so Simmler, werde es der „Rumpfmannschaft“ auch in diesem Sommer nicht auf der Luisenburg. Geplant sei, dass der Forschungs- und Entwicklungsbereich intensiver aufgebaut werde. Hier gehe es darum, im Dialog mit den Schreibenden hochwertige Auftragsarbeiten vergeben zu können und zu entwickeln. „Die Stücke sollen dann wie eine Handschrift auf unsere Bühne passen“, sagt Simmler. Völlig „kulturfrei“ werden sich die Luisenburg-Festspiele im Jahr 2020 aber nicht nach außen präsentieren. „Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass im August die Luisenburg-Xtra-Reihe im Museumshof durchgeführt wird“, sagt Simmler. Gedanken mache sie sich auch über ein Vorkonzert mit der Musik aus dem Musical „Der Name der Rose“ und auch thematische Tagungen und Symposien seien im Gespräch. „Und ich persönlich werde die veranstaltungsarme Zeit auch nutzen, um die Region noch besser und intensiver kennenzulernen“, so die Künstlerische Leitern, die in diesem Jahr eigentlich ihre dritte Saison verantwortet hätte.

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