01.09.2019 - 16:16 Uhr
WunsiedelDeutschland & Welt

Beethovens Oper für die Freiheit

Der „Gefangenenchor“ ist in der Operngeschichte legendär – und das nicht nur wegen Verdis „Nabucco“. Schon rund 30 Jahre früher hat Ludwig van Beethoven einen Chor der Gefangen für seine einzige Oper „Fidelio“ geschaffen.

Der "Gefangenenchor" ist ein zentrales Thema in Beethovens einziger Oper "Fidelio", die am Wochenende bei den Luisenburg-Festspielen aufgeführt wurde.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Mit diesem Werk begeisterten am Wochenende die Landesbühnen Sachsen bei den Luisenburg-Festspielen. „O welche Lust, in freier Luft den Atem leicht zu heben! Nur hier, nur hier ist Leben, der Kerker eine Gruft“. Es geht um Freiheit und Gerechtigkeit, gegen Ungleichheit und Willkür. Und es sind eindringliche Szenen, die das Ensemble auf die Felsenbühne bringt.

Couragiertes Spiel

Der Chor des 1. Aktes ergänzt sich mit dem Finale des 2. Aktes „Heil sei dem Tag, Heil sei der Stunde“ zu glanzvollen und berührenden Momenten der rund zweieinviertelstündigen Aufführung. Doch sind dies wahrlich nicht die einzigen Höhepunkte der Inszenierung von Manuel Schöbel. Die außerordentliche Leistung der Hauptpartien tut das Übrige dazu. Komplettiert wird dies alles durch das couragierte Spiel der Instrumentalisten der Elbland Philharmonie Sachsen unter der Leitung von Hans-Peter Preu.

Um was geht es inhaltlich? Leonore vermutet, dass ihr verschwundener Mann Florestan sich in den Händen seines Feindes, des Gefängnisgouverneurs Don Pizarro, befindet. Deshalb verkleidet sie sich als Mann und heuert unter dem Namen Fidelio als Helfer bei dem Kerkermeister Rocco an. Dessen Tochter Marzelline verliebt sich in Leonore, was wiederum deren bisherigen Geliebten Jaquino missfällt. Don Pizarro erfährt derweil, dass der Minister Don Fernando das Gefängnis inspizieren möchte und fürchtet, dass dieser den unrechtmäßig inhaftierten Florestan entdecken könnte. Sein Versuch, den Gefangenen zu ermorden, scheitert: Florestan wird gerettet und Pizarros Plan scheitert.

Mit einer gelungenen Ensembleleistung - v.l. Paul Gukhoe Song als Don Pizarro, Dirk Konnerth als Florestan, Lukas Schmidt-Wedekind als Rocco sowie Stephanie Krone als Leonore/Fidelio - überzeugten die Landesbühnen Sachsen bei ihrem Gastspiel auf der Luisenburg.

Bühne perfekt genutzt

Die Aufführung bietet praktisch alles, um beim Publikum zu punkten: Die gesamte Felsenbühne – also Breite, Tiefe und Höhe – wird in die Gastspiel-Inszenierung integriert, was bekanntlich nicht allen Luisenburg-Regisseuren gelingt. Im Vergleich zum Vorjahr wird heuer auch auf Mikrofone verzichtet, der Opernatmosphäre tut es gut.

Manchmal könnte sich das Orchester etwas zurücknehmen, um die Stimmen besser zur Geltung zu bringen. Männlicher Akteur des Abends ist ohne Zweifel Lukas Schmidt-Wedekind als Kerkermeister Rocco: Er überzeugt mit warmen Bassklang auf ganzer Linie, bleibt auch in den Tiefen noch kraftvoll und zupackend – der kräftigste Schlussapplaus des Publikums gilt ihm zurecht. Und bei den Damen ist es natürlich Leonore/Fidelio-Darstellerin Stephanie Krone, die begeistert: Sie verleiht ihrer Rolle authentisch sämtliche Schattierungen der Figur, ihr Sopran bleibt stets, auch in den dramatischsten Stellen, angenehm im Klang.

Dirk Konnerth als Florestan gelingen die einfühlsamen Passagen genauso wie die freudigen Momente sehr eindrucksvoll – trotz der relativ kurzen Bühnenpräsenz, die dieser Rolle zu eigen ist. Mit viel Verve und einem Hauch Pathos gibt Paul Gukhoe den Don Pizarro – bravourös und voller Stimmgewalt verkörpert der Bassbariton das abgrundtief Böse der Oper. Komplettiert wird das ungewöhnlich homogene Ensemble durch Anna Erxleben als Marzelline und Edward Lee als Jaquino.

Langer Beifall

Minister Don Fernando – und dessen Darstellung durch Michael König – ist es, der die Zuschauer abschließend dann doch wieder zweifeln lässt: Kehren nun wirklich neue Gerechtigkeit und Freiheit ein? Oder ist das alles nur Show? Verdienter langer Applaus für alle Beteiligten.

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