22.03.2019 - 12:55 Uhr
WunsiedelDeutschland & Welt

Luisenburg-Festspiele: Hinter den Kulissen des "Bewegungschors"

Knapp drei Monate sind es noch bis zur Eröffnung der diesjährigen Luisenburg-Festspiele. Gerade wird der Weg dafür bereitet, dass die "Päpstin" auch wirklich zur Wunsiedler Felsenbühne findet.

Emotionen ohne Worte müssen die Talente aus der Region auf die Bühne bringen
von Holger Stiegler (STG)Profil

Wunsiedel. "Spannung", ruft Birgit Simmler den fünf Akteuren zu. Und wenig später: "Emotion!" Man ist fast mittendrin im Stück "Die Päpstin", mit dem am 14. Juni die Luisenburg-Festspiele 2019 eröffnet werden. Die Künstlerische Leiterin der Festspiele führt bei dem Schauspiel von Susanne Felicitas Wolf nach dem Bestsellerroman von Donna W. Cross selbst Regie. Neben den 16 professionellen Schauspielern stehen auch 15 sogenannte "Talente" - zwölf Erwachsene und drei Jugendliche - auf der Bühne, zusammen sind sie der"Bewegungschor".

Diese 15 Talente fallen natürlich nicht vom Himmel, sondern müssen in mehreren Slots ausgesucht werden. "Für diese 15 Rollen gab es insgesamt gut 40 Bewerber", erzählt Simmler. Die fünf Akteure, mit denen die Regisseurin gerade eine der Szenen in der "Talstation" der Festspiele durchprobt, haben es definitiv geschafft, dass sie bei den Aufführungen auch dabei sind - sie haben das "Casting" erfolgreich absolviert. Alle fünf kommen aus der Region - Stefan Kirsch aus Wunsiedel, Oliver Pfauntsch aus Nagel, Harald Weidmann aus Speichersdorf, René Bauer aus Groschlattengrün und Elisabeth Gleißner aus Weiden.

Hoher Zeitaufwand

Vier von ihnen waren bereits im vergangenen Jahr bei "Andreas Hofer" dabei, für die einzige Dame in dieser Gruppe ist es eine Premiere. Wobei: So ganz neu ist das alles für die 20-Jährige auch nicht. "Ich war im vergangenen Jahr schon da und habe ein Praktikum in der Theaterpädagogik gemacht", erzählt sie. Umso mehr freue sie sich jetzt, als Bühnenakteurin dabei zu sein. "Ich wollte einmal sehen, wie es ist, auf der großen Bühne vor so vielen Leuten zu stehen", beschreibt sie ihre Ambitionen. Ihr Berufswunsch: Später einmal am Theater arbeiten. Dass das jetzige Mitwirken bei der "Päpstin" mit einem hohen Zeitaufwand verbunden ist, stellt für die junge Weidenerin kein Problem dar: "Ich fange erst im Oktober mit dem Studium an."

Mit der "Päpstin" haben sich die "Talente" und auch Birgit Simmler auf einen epochalen Stoff eingelassen: Bis heute ist sie Geheimnis und Legende, jene einzige Frau, die jemals auf dem Thron Petri in Rom als Päpstin residiert haben soll: Johanna von Ingelheim. Im frühen 9. Jahrhundert lehnt sie sich gegen ihre untergeordnete Rolle auf und sucht ihre Bestimmung. Schwankend zwischen der göttlichen Berufung und ihren Gefühlen wird sie von den Kriegswirren bis nach Rom getrieben. Dort findet die gebildete Frau - verkleidet als Benediktinerpater - Zugang zum Vatikan und erlangt die Gunst des Heiligen Vaters. Am Ende wird sie als Papst Johannes zum Oberhaupt der gesamten Christenheit bestimmt. Doch sie kann ihre Gefühle nicht unterdrücken und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Johanna wird schwanger.

Stumme Rollen

Dass den Laien allein zeitlich einiges abverlangt wird, weiß auch Birgit Simmler. Die Proben belaufen sich auf rund 140 Stunden - und dann kommen noch die knapp 20 Aufführungen zwischen 14. Juni und 10. August dazu. "Bei allen, die dabei sind, ist eine sehr hohe Affinität zum Schauspiel vorhanden", betont Simmler. Es handelt sich dabei um "stumme Rollen", insgesamt sind die Mitglieder des "Bewegungschors" jeweils 45 Minuten auf der Bühne. Und welche Funktion genau haben sie? "Ihre Aufgabe ist es, in den jeweiligen Szenen als Gruppe einheitliche Emotionen darzustellen und in Bewegungsabläufe zu gießen", erklärt Simmler. Die Kunst liege darin, die entsprechende Individualität mitzubringen, sich aber in die Gruppe zu integrieren.

Noch laufen die Vorbereitungen und die Proben für das Historienspiel in der "Talstation", die Bühnenproben unter freiem Himmel auf der Burg beginnen am 3. Mai. Bereits eine Woche früher starten die Bühnenproben für das musikalische Abenteuer "Madagascar": Das diesjährige Familienstück unter der Regie von Anatol Preissler feiert am 29. Mai Premiere.

Elisabeth Gleißner aus Weiden hat das Casting erfolgreich durchlaufen und freut sich auf die Auftritte während der Festspiele.
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