10.08.2018 - 13:56 Uhr
WunsiedelDeutschland & Welt

Multimedialer Goethe-Protagonist

An dem Werk lässt es sich leiden. Zumindest für einen Schüler mit 16 Jahren gehört Goethes "Die Leiden des jungen Werther" wohl nicht zu den absoluten Lieblingslektüren.

Josef Ellers verkörpert einen modernen Werther in einer modernen Welt, aber mit Originaltexten von Goethe.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Wunsiedel.Schauspieler Josef Ellers tut am Donnerstagabend bei der LuisenburgXtra-Reihe im Museumshof alles dafür, um den Werther befreit vom Staub der Jahrhunderte zu präsentieren - und es gelingt ihm auf hervorragende Weise. "#werther" - schon der Stückname macht deutlich, wohin an diesem Abend eine gute Stunde lang die Reise geht. Die Zuschauer erleben einen multimedialen, einen modernen, ja auch einen radikalen Werther. Das Lieben und Leiden Werthers hat nichts an seiner Aktualität verloren.

Zeitloser Text

Der Originaltext von Goethe wird gepaart mit einem Kontext der Gegenwart. Kann das wirklich funktionieren? Ja, ohne Einschränkungen, denn Goethes Text - das wird während des gesamten Abends deutlich - ist zeitlos. Die Poesie des Dichters mag zwar heute wie aus einer anderen Welt klingen (ist sie ja auch), letztlich werden aber damit dieselben Empfindungen und Emotionen transportiert wie es auch in der heutigen Jugendsprache nicht anders ist.

Dass das Experiment gelingt, hat aber auch viel mit dem Akteur auf der Bühne zu tun. Josef Ellers verkörpert einen Werther, der getrieben wird von seiner Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung, der in Lotte das Ziel seiner Träume und Wünsche erkennt, diese aber nicht erreichen kann - und letztlich daran verzweifelt und zugrunde geht. Goethes Original ist ein Briefroman, Briefeschreiben ist heute eher "out".

Großer Bildschirm

Man kommuniziert anders, auch der moderne Werther tut dies. Auf der Bühne ist ein großer Bildschirm aufgebaut, optisch dem Display eines überdimensionierten Smartphones angepasst. Facebook, Whatsapp, Messenger, Snapshot, Tinder - die Fotos und Statusmeldungen auf dem Monitor sind zentraler Bestandteil, die Liebesgeschichte zu erzählen. Da kommt mitten im Monolog des Originaltextes eine Freundschaftsanfrage von Pauli Rosenberger rein, Werthers Bekannter "der Graf" lädt zum Rave unter dem Motto "One Night in Wahlheim" ein, Werther tauscht sich mit Albert über Sinn und Unsinn von Suizid aus. Und dank einer Statusmeldung erfährt er auch von Alberts und Lottes Hochzeit. Und manchmal sorgen die Social Media auch für durchaus humorvolle Momente des Abends.

Für ein solches "Werther"-Projekt braucht es Mut, Regisseurin Helena Scheuba hat ihn mit dieser Adaption bewiesen. Lange anhaltender Applaus für einen Klassiker in ungewohntem Format. Und wer ihn verpasst hat: Heute, Samstag, um 20 Uhr gibt es im Museumshof eine weitere Vorstellung.

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