30.06.2019 - 09:51 Uhr
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Musical "Grease" feiert bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel Premiere

Das Musical "Grease" feiert bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel gleich bei der Premiere einen Triumph. Von Musik bis Tanz ist alles stimmig. Nur ausgerechnet beim bekanntesten Duett hat die Technik einen kurzen Aussetzer.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Tony und Maria, Herr Schultz und Fräulein Schneider, „Baby“ und Johnny – und eben auch Danny und Sandy. Die Welt der Musicals kennt viele Liebespaare, manchmal endet ihre Geschichte tragisch, manchmal gibt es ein Happy End. Beim legendären Rock-’n’-Roll-Musical „Grease“ wendet sich alles zum Guten. Die Premiere am Freitagabend bei den Luisenburg-Festspielen glückt auf der ganzen Linie.

100 Minuten beste Musical-Unterhaltung im Retro-Style – das ist es, was das Publikum erleben darf. Regisseur Peter Hohenecker (Assistenz: Sven Prüwer, Matthias Kirsch) bringt eine Inszenierung des Kult-Musicals auf die Bühne, der es an nichts fehlt. Das Werk von Jim Jacobs und Warren Casey in der deutschen Fassung von Frank Tannhäuser lebt bekanntlich nicht von einer komplexen, tiefsinnigen Geschichte.

Danny, der Coole, und Sandy, die Brave

Denn die lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen: Er, Danny, der Coole mit Lederjacke und frechen Sprüchen, trifft sie, Sandy, die Brave aus gutem Hause, in einer innigen Urlaubs-Romanze. Dann taucht sie nach einem Umzug mit den Eltern unversehens an seiner Schule auf. Dort ist er Kopf der „Burger-Palace-Boys“, sie bald Mitglied der „Pink Ladys“. Nach Verwicklungen, Eifersüchteleien und verhängnisvollen Angebereien vor den Freunden müssen sich beide verändern, um zueinanderzufinden.

Während Danny seine Verletzlichkeit und seine Gefühle zuzugeben lernen muss, erobert sich Sandy die Fähigkeit, ihrem Begehren mit offensiver Weiblichkeit Ausdruck zu verleihen. Worauf kommt es also an in dem Musical, das weltweit zum gigantischen Erfolg geworden ist – vor allem nach der Verfilmung mit Olivia Newton-John und John Travolta? Klar, es sind die Musik und die Tanzszenen.

Und da hat sich gesanglich mit Lucas Baier (Danny) und Lisa Radl (Sandy) ein Traumpaar gefunden, was sich nicht nur im bekanntesten Duett des Werkes, „You’re the one that I want“ (schade, dass die Technik hier einen deutlich vernehmbaren Aussetzer hatte), niederschlägt, sondern beispielsweise auch in ihren Solo-Nummern „Sandy“ und „Hopelessly devoted to you“.

"Grease"-Ensemble überzeugt auf der Luisenburg

Das Ensemble insgesamt überzeugt von Anfang bis Ende. Einzelne herauszuheben mag vielleicht deswegen etwas unfair wirken: Anne-Mette Riis als Rizzo, Nico Schweers als Kenickie und Torsten Ankert in einer Doppelrolle als Vince sowie als „Teenage-Angel“ verdienen dies aber trotzdem. Gerade der Auftritt des Engels lässt die Szenerie verschmelzen zu einer grandiosen Nummer mit viel Schmalz, Kitsch und Herzschmerz.

Zum Gesang gehört auch die passende Instrumentierung: Die achtköpfige Live-Band, die es sich auf der Bühne in "Petes Gasstation" gemütlich macht, sorgt für den richtigen Sound und ein akustisches 50er-Jahre-Erlebnis. Und die Pomade im Haar ist für die Authentizität eine gute Unterstützung. Die musikalischen Leiter Michael Schnack und Philipp Riedel haben ihre Arbeit wahrlich gut gemacht.

Dem Kreativteam Peter Hohenecker, Manuela Weih und Ralf Schenk gelingt es auch, die gesamte Bühne zu nutzen und zum Partner der lebenden Akteure werden zu lassen. Vor allem die Chevrolet-Pappkameraden – und natürlich auch das „echte“ Exemplar – ziehen die Augen der Besucher auf sich. Dass sich die Geschichte auf verschiedenen Ebenen der Bühne erzählen lässt, macht deutlich, dass die Verantwortlichen das Konzept der Felsenbühne verstanden haben.

Leben, lieben und leiden im Musical "Grease"

Auf der Bühne leben, lieben und leiden die Protagonisten. Und es wird so getanzt, wie es nur die Rock-'n'-Roll-Ära kannte: Choreographien mit viel Feuer und Ausdruck sind es, die Anita Holm mit den Schauspielern einstudiert hat. Da dann auch noch die Kostüme (verantwortlich: Josephin Berger) und das Lichtdesign (Ollie Olma) stimmig zur Inszenierung passen, bleibt eigentlich nur eine Frage offen. Gibt es überhaupt etwas auszusetzen? Mit dem frenetischen Schlussapplaus und stehend dargebrachten Ovationen für alle Beteiligten nimmt das Publikum eindeutig Stellung. Und vielleicht gibt es ja dann bei den künftigen Vorstellungen doch noch eine Zugabe.

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