09.09.2019 - 15:14 Uhr
WunsiedelDeutschland & Welt

Die musikalische Seele gewärmt

„Das Beste kommt zum Schluss“ heißt es im Sprichwort. Was am Sonntagabend auf der Luisenburg über die Bühne geht, gehört schon fast in diese Kategorie.

Mit Orffs "Carmina Burana" gingen am Sonntagabend die diesjährigen Luisenburg-Festspiele hochklassig zu Ende
von Holger Stiegler (STG)Profil
Mit Orffs "Carmina Burana" gingen am Sonntagabend die diesjährigen Luisenburg-Festspiele hochklassig zu Ende
Kräftigen Applaus gab es für (von links) Bariton Aleksandar Krunev, Tenor Oscar de la Torre, Sopran Heidi Manser sowie Dirigent Grigor Palikarov

Natürlich würde man den vielen anderen Produktionen der Spielzeit 2019 Unrecht tun, würde man tatsächlich zu dieser ultimativen Formulierung greifen. Aber es ist zumindest ein starker musikalischer Schlussakkord, mit dem die diesjährigen Luisenburg-Festspiele zu Ende gehen.

Carl Orffs „Carmina Burana“ steht auf dem Programm, dargeboten von der Venezia Festival Opera. Und das heißt: Ein stimmlich bestens aufgelegter knapp 30-köpfiger gemischter Chor, ein zahlenmäßig etwas stärkeres Orchester mit hervorragenden Instrumentalisten, drei Gesangssolisten mit voluminösen und zugleich lyrisch-grazilen Stimmen sowie der Musikalische Leiter des Abends Grigor Palikarov, bei dem die Fäden völlig knotenfrei zusammenlaufen.

Orffs Meisterwerk zieht praktisch immer, das ist auch auf der Luisenburg nicht anders. Nicht die gerade einmal neun Grad Außentemperatur und auch nicht strömender Regen verhindern ein äußerst gefülltes Auditorium. Und den Akteuren auf der Bühne ist es zu verdanken, dass sich die musikalische Seele und das zugehörige Herz der Besucher dem ungemütlichen Ambiente zum Trotz erwärmen.

Ein wuchtiger Chor, mitreißende Rhythmen, wunderschöne Melodien – Orffs „Carmina Burana“ zählt zu den ganz großen Meilensteinen der Musikgeschichte und ist an Bombast schwer zu übertreffen. Das Beschwören der Schicksalsgöttin Fortuna („O Fortuna, velut luna…“) zu Beginn und am Ende bildet die Klammer um das Werk, das aus 24 verschiedenen Einzelstücken besteht. Und dies ist auch einer der populärsten Chorgesänge, der Latein von einer „toten“ in eine vitale, ja pulsierende Sprache verwandelt. Davon bleibt kein Zuhörer auf der nass-kalten Felsenbühne unberührt.

Carl Orff vertonte mit dem 1937 entstandenen Werk ausgewählte Texte der „Carmina Burana“, einer um 1300 entstandenen Liedersammlung aus der Benediktbeurer Handschrift, die als bedeutendste Sammlung weltlicher Klerikerdichtungen dieser Zeit gilt. Die lateinisch-deutsch-altfranzösische Mischlyrik greift sowohl moralische als auch satirische Themen auf und vereint Liebeslieder und Trinkgesänge.

Zur konzertanten Umsetzung bedarf es hier auch dreier Sologesangsstimmen, die außerordentlich gut besetzt sind: Sopran Heidi Manser, Tenor Oscar de la Torre und vor allem Bariton Aleksandar Krunev holen sich den ein oder anderen wahrlich verdienten Szenenapplaus des Publikums ab. Auch wenn man es den Künstlern nicht anmerkt: Für sie ist der Abend Schwerstarbeit, das Wetter ist weder förderlich für die Stimmen und schon gar nicht für die Instrumente. Bei diesen äußerlichen Rahmenbedingungen ein dermaßen hochklassiges Konzert auf einer Freilichtbühne abzuliefern, verdient höchsten Respekt.

Ihre Lorbeeren holen sich die Instrumentalisten und die Gesangssolisten auch abseits von Orff ab: Krunev interpretiert auf glänzende Weise die Figaro-Arie „Largo al factotum“ aus Rossinis „Barbiere di Siviglia“, de la Torre nimmt die Besucher mit zu Bizets „Les pecheurs de perles“ und der Arie „Je crois entendre encore“ und Heidi Manser schlüpft in die Rolle der Liebenden in Gounods „Roméo et Juliette“ mit der Arie „Je veux vivre“. Lang anhaltender Applaus und Begeisterungsstürme für einen exzellenten Musikabend.

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