Elzbieta Mazurs Premiere im Garten

Alles scheint seinen gewohnten verzaubernden Verlauf zu nehmen: Der Wurzer Pfarrgarten zeigt sich beim Klavierkonzert von Elzbieta Mazur in strahlendem Sonnenschein. Für die Pianistin eine Premiere.

Ausnahmekünstlerin in ungewohnter Konzertatmosphäre
von Susanne KempfProfil

Trotz der anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer blühten die Blumen, das Sonnenlicht verwandelte den alten Garten in eine wunderschöne Kulisse für den zu erwartenden Hörgenuss. Keine einzige Wolke war zu sehen, so dass der Flügel aus dem Marstall unbesorgt in den Garten geschoben werden konnte. Während sich die Besucher in der drückenden Hitze wohlweislich auf die Bestuhlung im Schatten flüchteten, blieb Elzbieta Mazur nichts anderes übrig, als - nur mit einer Sonnenbrille vor dem gleißenden Sonnenlicht geschützt - am unbeschatteten Flügel Platz zu nehmen. Ihrer bravourösen Leistung taten weder Licht noch Hitze einen Abbruch.

Begeistert lauschten die Zuhörer dem brillanten Vortrag der preisgekrönten Pianistin. Auffallend war, dass sie ihren Vortrag anfangs zurückhaltend gestaltete, jedoch nach kurzer Zeit zu ihrer gewohnten Ausdrucksstärke fand. Mit dem Klavierrecital "Grenzenlose Fantasie" widmete sich die Ausnahmekünstlerin, die als brillante Schubert- und Chopin-Interpretin gilt, den beiden Komponisten. Nach zwei Balladen und zwei Nocturnes von Frédéric Chopin spielte sie temperamentvoll und leidenschaftlich, stellenweiser vorsichtig und zurückgenommen eine Sonate von Robert Schumann.

Im Gespräch während der Pause erklärte die in Polen geborene und in Wien lebende Pianistin: "Ich bin eine Perfektionistin. Noch nie zuvor habe ich unter freiem Himmel gespielt. Auch für dieses Konzert hatte ich mich kurz zuvor im Marstall eingespielt. Die Akustik im Raum ist eine völlig andere als im Freien. So konnte ich während meines Vortrags nur sehr schlecht einschätzen, ob ich meinen eigenen Ansprüchen an mich selbst gerecht wurde. Dies verunsicherte mich eingangs stark. Ich möchte dem Publikum eine gute Leistung zeigen, bin mir aber völlig unsicher, ob mir dies heute gelingt."

Auch wenn die Atmosphäre im Garten für die Zuhörer deutlich mehr den Erwartungen an ein Sommerkonzert entsprach als ein Konzert im Saal, sah sich die Künstlerin mit einer für sie völlig neuen Situation konfrontiert. Beherzt und routiniert gelang es ihr weitestgehend, die eigene Unsicherheit durch ihr hohes technisches Potenzial und die große Einfühlsamkeit und Ausdrucksstärke zu kompensieren. Deutlich erkennbar waren ihr Temperament und ihre Leidenschaft, gepaart mit einem enorm hohen Anspruch an sich selbst, an den eigenen Vortrag.

Der zweite Teil des Vortrages war mit mehreren Mazurka-Stücken wieder Chopin und mit "Carnaval" Schumann gewidmet. Auch da fingen die Zuhörer eine kleine Unsicherheit mit ermunterndem Applaus auf. Mazur quittierte dies mit zwei Zugaben, verließ nach dem Beifall den Flügel jedoch mit einem kurzen Kopfschütteln. Jeder Zuhörer konnte spüren, dass die Künstlerin nicht zufrieden war. Ihr Spiel faszinierte trotzdem - wie bereits bei ihrem Auftritt in Wurz vor einigen Jahren - durch ihre Leidenschaft und das unglaubliche Einfühlen in die Kompositionen. Durch die widrigen Umstände kam die menschliche Seite zum Vorschein. Eine an sich perfekte Künstlerin zeigte sich gegenüber dem kompositorischen Werk und dem Publikum fast demütig, will eindeutig eine herausragende Leistung bieten, um allen gerecht zu werden: Den Komponisten, dem Publikum und sich selbst. Gegenüber den ersten beiden ist es ihr auf jeden Fall gelungen.

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