Mozart in allen Facetten

Wer war dieser Komponist? Das von seinem Vater vermarktete Wunderkind? Der selbstverliebte Verrückte? Ein chaotisches Genie? Ein Getriebener? Diese Fragen versuchen die vier Musikerinnen von „Ladystrings“ zu beantworten.

Mozart - humorvoll, schelmisch, geistreich erklärt
von Autor gagProfil
Humorvolle Präsentation des Themas Mozart
Nach der Pause: Elegant im Gehrock. Wie Mozart es liebte.
Elegant, ernst, beschwingt.
Rondo - Andante - Presto

„Heute würde man ihm wohl Ritalin geben“. Diese nüchterne Feststellung folgt nach dem Erklärungsversuch für Mozarts Charakter. Ein Mensch mit tausend Ideen, lese- und bildungsgierig, überall und nirgends zu Hause, schelmisch, umtriebig, unangepasst, skandalbehaftet. Hochbegabt, hochsensibel. Ein vielschichtiges Phänomen.

Im Schatten des großen Nußbaumes mitten im Garten des alten Muttone-Pfarrhofs begrüßte Festivalleiterin Rita Kielhorn die Musikliebhaber. Und kündigte die „Ladystrings“ an, die beweisen wollten, dass die Musik Mozarts durchaus mit aktueller Popmusik kombinierbar ist. „Mozart war wohl selbst ein Popmusiker seiner Zeit, mit seinen Skandalen ebenso wie mit seinem frühen Tod“ leitete die Hausherrin über zum ersten Stück. „And now: Mozart!“ Hingebungsvoll spielten die Ladystrings, – Charlotte Balle und Lisa Barry (erste und zweite Violine), Dorothea Galler (Viola) und Maria Friedrich (Cello) – „Voi che sapete“ aus der Hochzeit des Figaro. „Für uns sind Mozarts Werke Inbegriff reiner Schönheit, vollkommene Harmonie“, bestätigte Lisa Barry. Um jedoch gleich zuzugeben, dass sie die Mendelssohn-Werke über alles liebt. Obwohl nie klar sei, ob die Komposition von Felix stamme oder von seiner noch begabteren Schwester Fanny.

Lebendig und frisch

Das „Capriccio Opus 81“ tanzte auf jeden Fall leicht, lebendig und frisch um die Ohren der Zuhörer. Auch wenn „die Fuge etwas schwer ist und man lange daran üben muss“. Ja, die Fuge. Genauso heißt das Stück von Jörg Widmoser, einem zeitgenössischen Komponisten. Fuge. Schwer, schön, jazzig, klassisch.

Nach jeder Darbietung gingen die Künstlerinnen mit pointierten Fragen und humorvoller Unterhaltung daran, das „Geheimnis Mozart“ zu ergründen. Dass zu einer Mozart-Revue nicht zwingend nur Musik von ihm gehört, bewiesen die Damen eindrucksvoll. Indem sie die irische Komposition „Molly on the shore“ anstimmten. „Mozarts Sehnsuchtsland!“, erklärten sie dazu. Oder „Night and Day“ von Cole Porter.

Man erfuhr auch, dass Mozart sehr viel las, Sprachen und Mathematik lernte, sich in viele Länder träumte. Etwa nach Argentinien, dem Mutterland des Tango. „El Choclo“ von Angelo Villoldo strömte rhythmisch aus vier Saiteninstrumenten. Oder in die Türkei: Rondo alla Turca (von Francis Rainey, frei nach KV 331, Mozart).

Ganz klar war, dass bei einer Mozart-Revue einer nicht fehlen durfte: Falco. „Rock me Amadeus“! hieß seine Aufforderung. „Er war ein Virtuose, war ein Rock-Idol“ rappten die Künstlerinnen im Chor dazu. Folgerichtig ein weiteres, nicht greifbares Musik Idol, das ebenfalls als „Wunderkind“ von seinem Vater „verkauft“ wurde und zu früh starb: Michael Jackson. „Billy Jean“ auf vier Streichinstrumenten dürfte wohl einzigartig sein (Bearbeitung: Andreas Kowalewitz). Eigenwillig interpretiert bringt „Eine kleine Lachmusik“ von Wolfgang Schröder das Publikum zum Lachen.

„Alla Tarantella“ von Erwin Schulhoff sollte verdeutlichen, dass das Musikgenie oft „wie von der Tarantel gestochen“ agiert haben soll. Und er liebte zu provozieren. Komponierte einen unmoralischen „Fandango“, „mitten in seinen Figaro hinein“. Die Behauptung „Seine Opern haben es auch nicht so mit der Moral“, quittierte die Wurzer Kirchenglocke mit dreimaligem Schlag.

Großes Staunen

Beim Publikum breitete sich allmählich Staunen aus, mit wie vielen Melodien anderer Komponisten Mozarts Musik kombinierbar ist. Sulchan Zinzadse (Indi Mindi), Fazil Say (Presto, aus Divorce 29 für Streichquartett, mimisch untermalt) oder „I will survive“ nach Gloria Gaynors Hit, der in dieser Darbietung die Unendlichkeit von Mozarts Genie bestätigt. Auch nach dessen Tod.

Und mitten im Programm, mit viel Hingabe gespielt, das „Andante“ aus dem Quartett Nr. 15 d-moll von Mozart. Präzise, emotional, großartig. Das Publikum ist voller Begeisterung, der Applaus entsprechend frenetisch. „Bravo-“ und „wundervoll!“-Rufe. Als Zugabe: Nein, kein Mozart. Ein „Mr. Sandman“ von Pat Ballard. Ein Lieblingsstück der vier Künstlerinnen.

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