Zehn Saiten Virtuosität

Sie sind Freunde, spielen seit 15 Jahren zusammen. Vor allem mit "Liedern ohne Worte" überraschten Kolja Lessing (Violine) und Johannes Monno (Gitarre) in ihrem Programm "Vom Klang der Saiten" das Publikum im alten Wurzer Pfarrhof.

Kolja Lessing (Violine) und Johannes Monno (Gitarre) bezauberten mit ihrem Programm "Vom Klang der Saiten" das Publikum im alten Wurzer Pfarrhof
von Autor gagProfil
Johannes Monno mit "Vier Lieder" von Franz Schubert, bearbeitet für Gitarre solo
Ganz nah beim Publikum, im schönen Gewölbe des Marstalls
Großartige Interpretation großer Komponisten
Dank und Freude

Pünktlich zu Konzertbeginn begann ein heftiges Gewitter. Und bestätigte damit die Entscheidung, das Konzert im Marstall abzuhalten. Doch gerade dieser Umstand kam dem Violinisten Kolja Lessing sehr gelegen. Mehrfach betonte er die sehr gute Akustik durch die Gewölbe in diesem Raum. "Ein Traum für einen Violinisten!" Ein weiterer Vorteil: das Publikum sitzt dort ganz nahe an den Künstlern, kann sich intensiver auf die Musik einlassen.

"Ich freue mich, dass Sie Musik so lieben, dass Sie immer wieder kommen" begrüßte die Gastgeberin Rita Kielhorn das Publikum. Und setzte hinzu: "Eine Studie besagt, wer viel Musik macht und hört ist ausgeglichener, gesünder und glücklicher". Mit diesem schönen Gedanken betraten die beiden Musikprofessoren Kolja Lessing und Johannes Monno die zentrale Bühne. Zwei Sätze aus der "Hamburger Sonate" in G-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach, dem Sohn von Johann Sebastian Bach, eröffneten das Konzert. Dazu gab, so wie bei den weiteren Programmpunkten, Kolja Lessing eine kurze Einführung. Bach junior sei ein sehr innovativer Musiker gewesen, ein Vertreter des eher empfindsamen Stils. Das Cembalo wird in den zwei Sätzen ersetzt durch die Gitarre, was Monno in hervorragender Weise umsetzt. Gefühlvolle Akzente unterstreichen die heiter flirrenden Akkorde der Violine Lessings, der die ursprünglich für Flöte geschriebene Sonate hervorragend mit der Violine intoniert. Die empfindsame Musik des Allegretto und des Rondo presto lassen das Publikum träumen und die Wettergeräusche von draußen, den Donner und das Prasseln des Regens, in den Hintergrund treten. Und wieder beweist die sehr gute Akustik im Marstall, dass trotzdem auch die leisen Töne gut zur Geltung kommen. "Das Gewölbe ist für den Klang von Gitarre und Geige sehr vorteilhaft" bestätigt nochmals Johannes Monno.

Gut gelaunt kündigt Johannes Monno vier "Lieder ohne Worte" von Franz Schubert an. Johann Kaspar Mertz, Gitarrenvirtuose im 19. Jahrhundert, der auch als Nachfolger Mauro Giulianis gilt, bearbeitete die vier Kompositionen für Gitarre solo. Diese Arrangements sah Mertz "als große Liebeserklärung an sein großes Vorbild Franz Schubert", ließ Monno wissen. "Hier wird versucht, die Stimme der Sängerin mit der Gitarre nachzuempfinden, was nicht so leicht ist: Sobald man einen Ton anzupft, stirbt er, der Gesang jedoch bleibt" ergänzte der Gitarrenvirtuose. Das "Lob der Tränen" klang entsprechend sehr gefühl- und liebevoll, zart bis lebendig. Nach dem letzten innig gezupften Ton der "Liebesbotschaft" gab es sogar Szenenapplaus. Den "Aufenthalt" kennzeichneten eindringliche, eher schwere, in Moll gehaltene Töne, während das "Ständchen" dem Publikum sehr vertraut klang und das Pubikum wieder in schwelgende Stimmung versetzte. Monno präsentierte dieses vierte Lied sogar zweistimmig. Als "dramatisches Gegenstück zu den gerade gehörten Liebesliedern" kündigte Kolja Lessing das "Jägerlied", ebenfalls ein Lied ohne Worte, von Felix Mendelssohn Bartholdy an. "Ein vollgriffiges Klavierstück, für das man fast drei Hände bräuchte, sehr schwer zu spielen". "Viel Spaß!" wünschte Lessing launig und bewies temperamentvoll, dass es Ferdinand David tatsächlich gelungen ist, dieses Stück für Violine zu arrangieren. Es war ein Genuss, den Geiger auf allen Saiten arbeiten zu sehen. Das Temperament der Darbietung strömte durch den Raum über auf das Publikum, das entsprechend applaudierte.

Niccolo Paganini, bekannt als der "Teufelsgeiger", habe für Gitarre wesentlich mehr geschrieben als für Geige, leitete Kolja Lessing zum nächsten Stück über. Paganini habe mit charmant-biedermeierlicher Art viele Kostbarkeiten für Geige und Gitarre komponiert. Gitarre sei sogar sein Lieblingsinstrument gewesen. Die Sonata Nr. 3 C-Dur aus: Centone di Sonate für Violine und Gitarre, besonders temperamentvoll und melodiös angestimmt von Kolja Lessing, leitete das Publikum in die Pause.

Als "Lichtgestalt für uns Gitarristen" bezeichnete Johannes Monno den italienischen Gitarristen und Komponisten Mauro Giuliani, der besonders während seiner Zeit in Wien (1806-1819) seine Schüler und Mitmusiker inspirierte. Sogar von einem Abendessen mit Beethoven wird berichtet. Er habe einen neuen Stil geprägt, schrieb auch Kammermusik. Neue Klänge und sehr viele italienische Elemente seien auch für die Geige eine Herausforderung. In bester Harmonie präsentierten Lessing und Monno Giulianis "Große Sonate e-Moll op. 25. Melodiös das "Théme avec Variations" bodenhaftend die Gitarre, während die Violine höchste Höhen streift. Das Menuetto flirrend-träumerisch, lockte manches Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer und Musiker. Spielerisch-träumerische Hingabe, gepaart mit temperamentvollen Geigennuancen, kennzeichnen den 4. Satz, Rondeau. Geige und Gitarre in perfekter Harmonie. Kaum war der letzte Ton verklungen schallten tosender Applaus und Bravo-Rufe durch den Marstall. Die Musiker konnten sich nicht wehren und setzten zum Dank ein weiteres Lied ohne Worte obendrauf: die Vocalise von Maurice Ravel, die das Publikum ans Mittelmeer entführen sollte. "In diesem wunderschönen Gewölbe in Wurz" fügte Kolja Lessing lächelnd hinzu. Die teils orientalischen Klänge der Gitarre sollten dabei die Sängerin nachahmen, während die Geige, fast im Stil einer orientalischen Flöte, höchste Höhen erklomm. Rita Kielhorn dankte den Musikern für den wunderbaren Kunstgenuss und lud sie zu dem bereits vorbereiteten Buffet ein, wo sie nochmals Gelegenheit hatten, persönliche Worte mit ihren "Fans" zu wechseln.

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