08.10.2026 - 03:02 Uhr

WWF: Tierbestände nehmen weiter stark ab

Weltweit sind Wildtiere unter Druck, ihre Bestände nehmen seit Jahrzehnten immer weiter ab. Verantwortlich ist dafür der Mensch - der aber auch etwas tun kann.

Viele Wildtierbestände der Erde nehmen einem WWF-Bericht zufolge weiterhin dramatisch ab. Von 1970 bis 2022 seien die darin erfassten Wirbeltierpopulationen im Durchschnitt um 73 Prozent geschrumpft. 

Die größten Rückgänge seien in Flüssen, Seen und anderen Süßwasserlebensräumen zu verzeichnen, hier gab es einen Rückgang von durchschnittlich 85 Prozent. An Land gebe es einen Rückgang von 69 Prozent, in den Meeren von 59 Prozent, so der WWF. Der Grund sei menschengemacht. Die Lebensmittelproduktion, Energieversorgung und das Finanzsystem seien zu großen Teilen für den Verlust von Lebensraum und dessen Verschlechterung verantwortlich. 

Der anhaltende Verlust von Lebensräumen wie Wäldern ist einer der Motoren dieser Entwicklung, so der WWF. Schätzungsweise 420 Millionen Hektar Wald seien zwischen 1990 und 2020 vernichtet worden. Oft werde die Fläche für die Landwirtschaft umgewandelt.

Fischereiwirtschaftliche Maßnahmen schützen Arten im Meer

In den Ozeanen vollziehe sich der Rückgang der Tierbestände etwas langsamer. Niedrigere Fangquoten und verstärkte Kontrollen hätten beispielsweise bei bestimmten Thunfischarten dazu beigetragen, den starken Negativtrend umzukehren. Negativ sei die Entwicklung dagegen weiterhin bei vielen Haien und Rochen. 

Schlechter sieht es bei Arten aus, die in Süßwasser leben. Sie sind zahlreichen Umwelteinwirkungen des Menschen ausgesetzt, wie Gewässerverschmutzung, Übernutzung, Kanalisierung und Dammbauten. Diese bedrohen Fischbestände. Von Infrastrukturprojekten sind außerdem andere Arten wie Flusspferde, Otter, Krokodile und große Schildkröten betroffen. 

Ohne Biodiversität fehlt Lebensgrundlage für Menschen

Wie jede andere Spezies ist auch der Mensch auf Biodiversität angewiesen. Sie versorge uns mit Nahrung, Wasser und sauberer Luft, schreibt der WWF in seinem Bericht. „Ohne die biologische Vielfalt auf diesem Planeten fehlen Lebensmittel, Medikamente, sauberes Wasser und sichere Orte zum Leben“, sagte Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland. Sie sieht jedoch Grund zur Hoffnung: „Der Abwärtstrend lässt sich umkehren, wenn wir den Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern.“

Der weltweite Abwärtstrend betreffe nicht alle erfassten Tierbestände. Rund die Hälfte der erfassten Populationen schrumpfe nicht, sondern sei stabil oder wachse. Da aber viele Populationen sehr stark zurückgehen, kam der Index auf den Rückgang von durchschnittlich 73 Prozent. Der Bericht zeige, dass gezielte Schutzmaßnahmen etwa auch für die Grüne Meeresschildkröte, den Tiger und einzelne Elefantenbestände im südlichen Afrika eine Erholung ermöglichen können. Entscheidend seien häufig politischer Wille und eine Zusammenarbeit von Regierungen, Naturschutzorganisationen und der lokalen Bevölkerung. 

Zentrale Datengrundlage für den Living Planet Report ist der von der Zoologischen Gesellschaft London erstellte Living Planet Index. Er erfasst die Größe von Wirbeltierbeständen weltweit seit 1970. Darin sind 5.790 Arten von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien vertreten. Damit enthält er laut WWF Daten zu etwa 7,4 Prozent aller bekannten Wirbeltierarten.

© dpa-infocom, dpa:261008-930-806085/1

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