18.06.2018 - 14:22 Uhr

Mit dem "Yellow Submarine" durch rockige Erinnerungen

Er kann es noch: Ringo Starr begeistert mit seiner prominent besetzten All-Star-Band in Sachsen

Ex-Beatle Ringo Starr (von links) hat wieder exzellente Musiker in seiner All-Starr-Band, darunter Saxofonist Mark Rivera, Graham Gouldman (10cc) und Colin Hay (Men At Work). Helmut Kunz
Ex-Beatle Ringo Starr (von links) hat wieder exzellente Musiker in seiner All-Starr-Band, darunter Saxofonist Mark Rivera, Graham Gouldman (10cc) und Colin Hay (Men At Work).

Von Helmut Kunz Zwickau.Ein gelbes Unterseeboot als Kassenhäuschen weist den Weg. Das Konzert ist längst ausverkauft. Die Massen strömen zum Einlass. Abspannen nach dem Moskauer WM-Debakel beim ehemaligen Drummer der größten Band der Pop-Geschichte. Er stelle sich nicht zu Hause hin und referiere ständig darüber, was er 1963 zusammen mit den Beatles gemacht habe, erzählte Ringo Starr jüngst in einem Interview. Wenn er aber mit Paul McCartney zusammen sei, dann plauderten beide schon über John und George, weil ihnen die eine oder andere Anekdote einfalle.

Der Rhythmusgeber

Früher war er die Nummer Vier bei den Beatles. Heute ist er der Chef im Ring, auch wenn er das recht bescheiden tut. Der Spaßmacher, der uns das Victory-Zeichen zeigt. Er war nie der Macher, er war immer der Rhythmusgeber im Hintergrund. Jetzt steht der Ex-Beatle in der Geburtsstadt von Robert Schumann auf der Bühne. In der Stadt, wo vor 60 Jahren mit dem Trabant die Massenmotorisierung der DDR begann, fünf Jahre bevor die Beatlemania ausbrach und den kompletten Globus musikalisch auf den Kopf stellte.

Der bald 78-Jährige war Teil dieser Hysterie. Man kommt, um eine Legende zu sehen. Dass Ringos All-Starr-Band prominent unterstützt wird von Leuten wie Toto-Gitarrist Steve Lukather, Woodstock-Veteran und Santana-Sänger Gregg Rolie, Men-at-Work-Gitarrist Colin Hay und Graham Gouldman von 10cc, ist das Sahnehäubchen obendrauf.

Richard Starkey joggt über die Bühne wie ein Jungspund, als wolle er sagen: Seht her wie Rock 'n' Roll fit hält. Schaut euch mal Mick Jagger an. Wenige Fans tragen T-Shirts mit den üblichen Beatles-Motiven. Sie sind entzückt, sind mit ihm gealtert. Für die meisten im Publikum zählt das Repertoire der Fab Four aus Liverpool, auch wenn sie vielleicht im anderen Teil Deutschlands aufgewachsen sind, zu einem Teil ihrer Jugend.

Der Glückspilz

Ringo war ein Glückspilz. Es war Zufall, dass der Drummer der Band "Rory Storm & The Hurricans" 1962 den erkrankten Beatles-Schlagzeuger Pete Best in Hamburg erst vertreten, dann ersetzen durfte. Eröffnet wird der Gig mit "Matchbox" von Carl Perkins, eine deftige Rock-'n'-Roll-Nummer aus alten Hamburger Zeiten. Es folgt "It Don't Come Easy".

Der Gatte von Bond-Girl Barbara Bach ist einer der prägendsten und berühmtesten Schlagzeuger der Welt. Ringo hat Spaß in Zwickau. Das spürt man, das springt über. Ringo plaudert, erinnert an seine Auftritte im "Kaiserkeller" und spielt mit "Boys" eine Nummer aus jenen Tagen. Natürlich bringt er "Yellow Submarine", einer seiner bekanntesten Gesangseinlagen mit den Beatles. Mal hier ein Gag, mal dort ein Histörchen. Die Zwickauer danken es ihm. Er hat sie fest im Griff: "I Wanna Be Your Man".

Aus seiner Solo-Karriere steuert Ringo Starr "You're Sixteen" bei. Man freut sich, schunkelt, klatscht. Aber auch die anderen Musiker ziehen alle Register ihres Könnens, machen den eineinhalbstündigen Gig zu einem Hitfeuerwerk. Aus dem Santana-Lager kommt ein wunderbares "Black Magic Woman", das Gregg Rolie schon auf dem "Abraxas"-Album gesungen hat.

Ohne große Vorwarnung hauen die Jungs Toto-Klassiker wie "Rosanna", "Hold The Line" oder die Men-At-Work-Hits "Down Under" und "Who Can It Be Now" heraus. Längst sitzt Ringo hinter seinem Schlagzeug. Bevor er als erster die Bühne verlässt, dürfen sich die Fans noch über "With A Little Help From My Friends" - kombiniert mit "Give Peace A Chance" - freuen. Noch einmal riesengroßes Beatles-Entzücken. Dann eine letzte Verbeugung der Protagonisten bereits ohne ihren Star(r).


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