Update 31.08.2026 - 14:07 Uhr

Fährunglück vor Zypern: „Mama, lass unsere Hände nicht los!“

Eine Mutter schildert verzweifelte Minuten beim Untergang der „Filo Jet“ vor Zypern. Sie hat ihre Kinder nach eigenen Angaben nicht festhalten können.

Die Suche nach Überlebenden geht weiter. Bild: Nedim Enginsoy/AP/dpa
Die Suche nach Überlebenden geht weiter.

Unter den Vermissten bei dem Fährunglück vor Zypern mit mehreren Toten sind laut Medienberichten auch ein zwölfjähriges Mädchen und ein neunjähriger Junge. Die Mutter der beiden erzählte dem türkischen Sender NTV unter Tränen, wie sie ihre Kinder beim Untergang des Schiffes verloren hat: „Meine Tochter ist mir aus den Händen entglitten. Ich konnte sie nicht halten. Ich habe ihre Hand gehalten, auf uns sind Koffer gefallen und ihre Hand ist mir entglitten.“ 

Die Passagiere seien übereinander gestiegen, um sich zu retten. Ihre Kinder hätten geschrien: „Mama, lass unsere Hände nicht los!“ Überall sei Treibstoff ausgelaufen und der Boden sei rutschig gewesen. 

„Verdammt sollen sie sein!“

Die Mutter warf der Schiffs-Crew Fahrlässigkeit vor. Die Besatzung habe die Warnungen der Passagiere nicht ernst genommen, sagte sie. Auf den Hinweis, dass Wasser am Schiffsboden sei, habe ein Crewmitglied gefragt, ob sie etwa noch nie mit dem Meer in Berührung gekommen seien. 

„Verdammt sollen sie sein!“, sagte die Mutter. Sie gehe davon aus, dass ihre Kinder im Schiff eingeklemmt wurden und dort zurückbleiben werden. Sie hätten keine Rettungswesten angehabt. 

Die Familie verbrachte ihren Urlaub auf Zypern

Die Familie aus dem südtürkischen Hatay war der Nachrichtenagentur DHA zufolge im Urlaub auf Zypern und auf dem Rückweg. Der Vater, die Mutter und ein weiterer Sohn im Alter von zehn Jahren hätten überlebt. 

Die Express-Fähre „Filo Jet“ war am Sonntag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) im Norden der Mittelmeerinsel auf dem Weg ins südtürkische Mersin gekentert. Aus noch ungeklärten Gründen drang Wasser ein, der Katamaran lief voll, kippte zur Seite - und sank schließlich wenige Kilometer vor der Küste. Das Wrack liegt in rund 500 Metern Tiefe auf Grund.

Mindestens acht Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. 18 gelten als vermisst, die meisten der rund 260 Passagiere konnten gerettet werden.

© dpa-infocom, dpa:260831-930-609288/2

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.