Edelsfelder Bienenzüchter verabschieden Hans Strehl
Für den Verein gelebt

Zur offiziellen Verabschiedung überreicht der neue Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Edelsfeld, Joachim Pickel (links), seinem Vorgänger Hans Strehl einen Geschenkkorb und eine Urkunde. Bild: exb
Vermischtes
Edelsfeld
04.04.2018
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Über den aktuellen Stand der Forschung zu Rückständen in Bienenprodukten berichtet der Wissenschaftler Klaus Wallner in einer Versammlung des Bienenzuchtvereins Edelsfeld. Vorher gilt es aber, den Mann zu verabschieden, der den Verein zur beispielhaften Blüte geführt hat.

Der neue Vorsitzende Joachim Pickel würdigte das herausragende Engagement seines Vorgängers Hans Strehl. Er war der Hauptinitiator bei der Gründung und habe von Anfang an nur für den Verein gelebt. Aus einst knapp 20 seien aktuell fast 500 Mitglieder geworden - "eine kleine Massenbewegung". Pickel, selbst Gründungsmitglied und seit vergangenem Jahr Fachwart, sagte: "Es ist schier unmöglich, die vorgegebenen Fußstapfen zu füllen."

Den fachlichen Teil der Versammlung bestritt Klaus Wallner von der Universität Hohenheim. 1988 baute er in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Imkerbund ein Screening zur Problematik von Rückständen in Bienenprodukten auf. Jährlich würden Tausende Proben von Honig und Wachs untersucht.

Quellen der Rückstände seien Varroa-Präparate, Betriebsmittel und vor allem Pflanzenschutz-Wirkstoffe, derzeit etwa 280 an der Zahl. Die Untersuchungsverfahren werden immer sensibler: "Drei hiesige Imker können locker aus der Milliarden-Population Indiens herausgefiltert werden", erklärte Wallner seinen staunenden Zuhörern. Auch Ökoimker blieben vor Problemen mit den Pflanzenschutzmitteln nicht verschont, weil es kaum größere zusammenhängende Ökoflächen gäbe. Wallner legte den Imkern nahe, als Varroamittel Ameisensäure, Milchsäure und Oxalsäure zu verwenden. Diese natürlichen Stoffe kämen ohnehin im Honig vor. Aus Rückstandsanalysen leitete der Wissenschaftler ab, dass sich die Imker ihrer Verantwortung immer bewusster würden.

Aber auch von außen eingetragene Pflanzenschutzmittel könnten die Qualität des Honigs in Mitleidenschaft ziehen. Vor allem die ins Gerede gekommenen Neonikotinoide stellten ein Honigrisiko dar, vor allem Präparate für Raps, die einzige blühende Kulturpflanze. Angeregt vom Institut in Hohenheim, sei die sogenannte bienenfreundliche Dropleg-Düse für Pflanzenschutzspritzen entwickelt worden. Sie ermögliche das Ausbringen der Pestizide unterhalb der Rapsblüten. Rückstandsanalysen von derart behandeltem Rapshonig zeigten eine drastische Reduzierung bis hin zu fast nicht mehr festzustellenden Werten. Dem gegenüber stünden allerdings höhere Anschaffungskosten. Wallner bat die Imker, auf die Landwirte zuzugehen.

Eine Rückfrage galt dem neuen, in Hohenheim entdeckten Varroamittel, das in den Medien mit viel Vorschusslorbeeren bedacht worden sei. Wallner dämpfte die Erwartungen und verwies auf mögliche Gefahren der Bienenschädigung. Die enormen Kosten für die Zulassung eines imker- und bienenfreundlichen Präparates ließen das Ganze fast aussichtslos erscheinen. Die heute von den Imkern eingesetzten rückstandslosen organischen Säuren reichten für die nächsten Jahre völlig aus.
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