JU-Informationsabend: Landwirt und studierter Agrarier sprechen über Glyphosat
Ohne Glyphosat geht es kaum

Ein Sechser-Pack Zoigl, überreicht durch JU-Vorsitzende Johanna Diertl, hilft den Referenten Reinhard Wiesent (links) und Andreas Hermann (rechts) vielleicht über die Sorgen rund um Glyphosat hinweg. Jedenfalls sind Rückstände des Herbizids im Bier erst beim Genuss von 1000 Litern gesundheitsgefährdend, so eine der vielen wissenschaftlichen Studien: Allerdings nur, wenn die Braugerste aus dem Ausland stammt und der Biertrinker den gesamten Gerstensaft an einem Tag vertilgt. Bild: do

"Wos Gwis wois ma ned." Die uralte bayerische Redewendung gilt in jüngster Zeit auch für ein "möglicherweise krebserregendes" Pflanzenschutzmittel: Das "Unwort" heißt für viele Glyphosat. Aktivisten rufen zum Boykott, auch Politiker fordern ein Verbot. Und Bauern und Verbraucher?

Das Thema Glyphosat führt zu heißen Diskussionen. Ist der weltweit am meisten eingesetzte Unkraut-Vernichter vielleicht gesundheitsschädigend? Oft geht es dabei nur um zwei Worte: "wahrscheinlich krebserregend". So bezeichnete eine Untergruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Herbizid. Ein Blick auf Deutschland zeigt: Nur 0,7 Prozent des Weltverbrauchs wird hierzulande verspritzt, mit rückläufiger Tendenz.

Trotzdem erschüttert die Kritik Verbraucher, Bauern, Politiker und Umweltverbände. "Um die Zukunft der Landwirte geht es selten", stellte beim Informationsabend der Jungen Union im Malzhaus Stadtrat Reinhard Wiesent fest. Der Landwirt war sich mit dem studierten Agrarier Andreas Hermann vor circa 40 Besuchern einig: "Wir wollen so weit wie möglich sachlich aufklären und nicht Emotionen schüren." Diesen Appell richtete auch JU-Vorsitzende Johanna Diertl an die Zuhörer.

Lieber Klasse statt Masse

Parteien- und Verbandsrhetorik außer Acht lassend stellte das Duo schnell fest, dass Kernpositionen des Praktikers und des Akademikers nahe beieinander lagen, wenn es um den Erhalt der Artenvielfalt und der typisch bayerisch-ländlichen Landwirtschaftsstruktur geht. Einig war man sich auch darin, lieber Klasse statt Masse zu produzieren, und natürlich darin, in der regionalen Vermarktung zu punkten, statt auf dem Weltmarkt konkurrieren zu wollen.

Doch landwirtschaftliche Produkte ganz ohne Glyphosat-Einsatz zu produzieren, ist für Reinhard Wiesent nur schwer vorstellbar. "Für die Bauern ist der Wirkstoff das wichtigste Hilfsmittel bei der Feldbestellung überhaupt", stellte er fest. Ein endgültiges Aus würde einen Großteil der Bauern wirtschaftlich hart treffen. "Ohne das Mittel ist der Ackerbau gefährdet", bestätigte Andreas Hermann: "Ein Verzicht auf den Unkraut-Vernichter bedeutet mindestens eine Verdoppelung der Arbeits- und Betriebskosten." Ein Verbot des Pflanzenschutzmittels würde weltweit betrachtet zu Hungersnöten führen, warnte er. Globale Ansätze seien deshalb unverzichtbar.

In den folgenden Ausführungen beleuchteten beide Experten Hintergründe. Zur Unterstützung demonstrierte das Landwirtschaftliche Lagerhaus Schloderer in Musterkanistern die Vielfalt der Unkrautbekämpfer. Speziell das Glyphosat-Herbizid "Roundup Power Max" bezeichneten die Referenten als eines der wichtigsten Instrumente in der Bodenbearbeitung. Zur Wahrheit gehöre, dass es in der Regel nur einen schmalen Einsatzbereich auf Äckern habe und sich bei sachgemäßer Anwendung auf grüner Blattmasse in wenigen Wochen vollständig abbaue. Gleichzeitig könne auf eine tiefere Bodenbearbeitung verzichtet werden, was mit Blick auf Erosions- und Bodenschutz wie auch Energieverbrauch erhebliche Vorteile bringe.

Kostenexplosion

In eine sachliche und ehrliche Debatte müssten auch die Konsequenzen bei einem Glyphosat-Verzicht einfließen, merkte Wiesent an. Auf die Praxis in der Landwirtschaft und auf Studien eingehend warnten er und Hermann vor einem Ende der Minimalbodenbearbeitung. Weitere Probleme sahen sie in einer Kostenexplosion für Lebensmittel. Damit verbunden sei der Verlust der Konkurrenzfähigkeit deutscher Markenprodukte auf dem Weltmarkt.

Krebserregend oder nicht? Diese Frage konnten beide nicht beantworten. Das Duo zitierte aus der Vielfalt von Studien und fand für die Bewertung Unterstützung bei Paracelsus: "Allein die Dosis macht es, ob ein Stoff kein Gift ist." Andreas Hermann stufte Glyphosat laut wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse als ein Herbizid mit geringer Gesundheitsgefährdung ein und verglich es mit den gesundheitlichen Belastungen von Backpulver und Tafelsalz.

Und Reinhard Wiesent bedauerte: "Anstelle von Fakten gilt oft nur noch die veröffentlichte Meinung." Fairerweise müsse anerkannt werden, dass Glyphosat der weltweit besterforschte Wirkstoff gegen Unkraut sei. Nicht zuletzt relativierte der Landwirt den Glyphosat-Einsatz mit einem Blick auf genveränderte Futtermittel in der Tierhaltung. Bei der Schweinemast liege zum Beispiel der genfreie Anteil von Soja unter einem Prozent.
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