15.02.2018 - 20:00 Uhr
Gleiritsch

Alte Schule wandelt sich in Vereinszentrum mit Standesamt, Bühne und Schießstand Panoramablick statt Paukerei

Zehn Container Bauschutt sind schon weg. Von den Decken hängen neue Kabelstränge, und ein Klebeband schützt die nagelneuen Türen vor Kratzer. 800 Stunden Eigenleistung stecken schon drin in der alten Schule von Gleiritsch, die einer neuen Zukunft entgegen sieht. Darin haben sogar tierische Mieter Platz.

Bürgermeister Hubert Zwack und Architekt Stefan Link vom Büro Schönberger werfen noch einmal einen Blick auf die Pläne für die einzelnen Klassenzimmer, die den Vereinen im Ort zugeteilt sind.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Auf der Baustelle packen neben Profis gleich die Mitglieder mehrerer Vereine mit an, denn sie alle bekommen im früheren Schulgebäude aus den 60er Jahren ein neues Domizil. Noch heuer soll in den sanierten Klassenzimmern trainiert, gebastelt und musiziert werden. Und im Obergeschoss können Ehepaare sogar den Bund fürs Leben schließen. Insgesamt rund 1,3 Millionen Euro kostet der Umbau. Nach dem Schuljahr 2007/2008 war Schluss mit dem Unterricht in Gleiritsch, die Hauptschüler pendeln seither nach Oberviechtach, die Grundschüler nach Teunz - und die Schule stand leer. Schubkraft hat ihr jetzt das Kommunal-Investitions-Programm (KIP) verliehen, das immerhin Fördermittel von 540 000 Euro verspricht. Über das Leader-Programm soll es zusätzlich rund 30 000 Euro geben. Und die Vereine steuern jede Menge fleißige Handwerker bei, die kräftig mit anpacken. "Da ist fast jedes Gewerk vertreten", erklärt Architekt Stefan Link, während für den Arbeitseinsatz am heutigen Freitag letzte Vorbereitungen getroffen werden.

Mit Bibliothek

"Einfach den Schlüssel umdrehen, und nichts mehr machen, das geht ja auch nicht", erklärt Bürgermeister Hubert Zwack die Ausgangssituation, die zu dem Vereinszentrum geführt hat. Schon zu Schulzeiten nutzten Musik und Sportverein die Räume, jetzt sollen bald auch Landjugend, Gartenbauverein, Schützen und Reservisten hier einziehen. "Kriegerverein und der Obst- und Gartenbauverein teilen sich einen Raum", erläutert Zwack bei der Führung durchs Erdgeschoss. Ebenso wie dem Musikverein im Zimmer nebenan mangelt es den Mitgliedern hier weder an Quadratmetern noch an einem schönen Ausblick durch die großen Panorama-Fenster. Dann ist da noch Platz für eine kleine Bibliothek, WCs und den Aufzug.

Ja-Wort und Theater

Im Keller, kann bald der Sportverein trainieren und hat dann auch zwei Umkleiden und Duschen zur Verfügung. "Vorher mussten allerdings noch so 15 Kubikmeter Erde rausgeschleppt werden", erzählt der Bürgermeister. Neben der künftigen Turnhalle beansprucht die Landjugend ein Zimmer mit eigenem Eingang. Spannend wird es oben: Das Ensemble "Ovigo" will hier eine Bühne für Theaterstücke installieren, der Schützenverein einen Schießstand samt abteilbarem Raum mit Gemeinschaftsküche für gemütliche Zusammenkünfte. Weil es im Feuerwehrhaus für Hochzeitsgesellschaften ein wenig eng wurde, wird der Bürgermeister hier künftig auch Brautpaare trauen. "Das ist wahrscheinlich das erste Standesamt mit angeschlossenem Schießstand", schmunzelt Architekt Link über die Mehrfach-Nutzung.

Nicht vergessen haben Architekt und Bauherr bei den Plänen auch einen tierischen Mieter: Zwei kleine runde Löcher sichern der Fledermaus, die beim Umbau entdeckt wurde, ein Quartier. Sie könnte schon vor den Vereinen einziehen, die den Juni als Fertigstellungstermin im Visier haben.

Kommunal-Investitions-Programm (KIP)

Der Bund hat zur Förderung von Investitionen finanzschwacher Gemeinden ein Kommunal-Investitions-Programm (KIP) in Höhe von 3,5 Milliarden Euro aufgelegt. Der Anteil Bayerns an diesem Fördertopf: 289,24 Millionen Euro. 2015 entschied der Bayerische Ministerrat, die Mittel für die energetische Sanierung kommunaler Einrichtungen sowie für Barriere-Abbau und Städtebau zu verwenden. (bl)

Das ist wahrscheinlich das erste Standesamt mit angeschlossenem Schießstand.Architekt Stefan Link

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