Tag des offenen Denkmals in Hohenburg
Einblick in den Pfleghof

Hohenburgs Ortsheimatpflegerin Ines Kämmler (hinten links) führte eine Besuchergruppe am gestrigen Tag des offenen Denkmals zum Pfleghof. Ins dringend sanierungsbedürftige Bauwerk hinein kann man nicht - aber die Expertin ermöglichte mit ihren Erläuterungen dennoch einen Einblick.
Kultur
Hohenburg
10.09.2017
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"Der Pfleghof steht mit dem Rücken zur Wand", sagt man in Hohenburg doppeldeutig. Zum einen ragt gleich hinter dem Bauwerk der Burgberg auf - zum anderen aber müsste an der seit Jahren verfallenden Substanz dringend etwas getan werden. Bilder: bö (2)

Um den Pfleghof in Hohenburg ranken sich viele Geheimnisse. Wann er erbaut worden ist, ist eines davon. Ortsheimatpflegerin Ines Kämmler konnte ihren Zuhörern am Tag des offenen Denkmals trotzdem einiges erzählen über dieses dominante Gebäude.

Viel ist von der Macht und dem Einfluss des einstmals fürstbischöflichen Pfleghofes und seinen Bewohnern in Hohenburg nicht übrig geblieben. Die Straßenbezeichnung Am Pfleghof weist auf eine nicht sehr oft befahrene Gasse durch die enge Häuserzeile am Marktplatz in die zweite Reihe. Der Pfleghof, ein schlossähnliches Gebäude, verkommt schon seit Jahrzehnten. Dringend wären Reparaturarbeiten. "Der Pfleghof steht mit dem Rücken zur Wand", sagt man in Hohenburg. Das darf man durchaus auch wörtlich nehmen - denn gleich dahinter ragen die ersten großen Felsen des Burgberges in die Höhe.

Nach einem Brand der Stallung 1624 oder 1627 erhielt der Pfleger damals die Weisung aus Regensburg, "das Gebäud ganz niederzulegen" und "etwas Nutzbares dahin zu machen". Über die Bauausführung findet man heute nichts mehr. Sollte die Stallung im Pflegamtsgebäude gewesen sein, könne man aber von einem kompletten Neubau ausgehen, erzählte Ines Kämmler. Wann der Pfleghof genau gebaut worden ist, dazu hat auch die Hohenburger Ortsheimatpflegerin keine Hinweise finden können.

Fortgesetzte Verpfändung

Die fortgesetzte Verpfändung der Herrschaft Hohenburg führte im 14. Jahrhundert zu einem Niedergang der Regensburger Verwaltung in Hohenburg. Anders lässt sich jedenfalls die Forderung des Domkapitels von 1380 kaum interpretieren: Sie verlangte, die Herrschaft und Veste Hohenburg nicht wieder zu versetzen, sondern sie mit einem Pfleger zu besetzen, berichtete Kämmler ihrer Besuchergruppe. "Hohenburg kam erst in den Jahren 1418 bis 1423 in bischöfliche Hände zurück. Ab diesen Jahreszahlen lässt sich mit Konrad dem Parsberger, einem nahen Verwandten des Regensburger Bischofs, ein Pfleger in Hohenburg nachweisen. Frühestens mit der Einlösung der Pfandschaft, spätestens jedoch mit dem Beginn der lückenlosen Liste der Hohenburger Pfleger, dürfte 1468 mit dem Aufbau einer Regensburger Verwaltung in Hohenburg mit entsprechenden Verwaltungsgebäuden begonnen worden sein."

Nach Regensburg vererbt

Der Bau des Kasten- oder Pfleghofes dürfte 1580 bis 1590 gewesen sein. Eine Notiz von Nicolaus Erb erwähnt 1575, als sich der Pfleger im Kastenamt eine Wohnung genommen hat. Ursprünglich im Besitz der hochadeligen Dynastenfamilie der Grafen von Hohenburg, gelangten Burg und Herrschaft "mit allen Zugehörungen" nach deren Aussterben 1256/1258 aufgrund eines schon 1142 geschlossenen und 1209 erneuerten Erbvertrages an das Hochstift Regensburg. Zunächst selbst genutzt (1268 weilt der Regensburger Bischof Leo im Schloss Hohenburg), dient der Besitz im 14. Jahrhundert offensichtlich vorwiegend als Pfandobjekt.

Burg und Herrschaft erscheinen 1360 und dann wieder 1374 im Pfandbesitz Hilpolts von Stein und fallen erst mit dessen Tod 1380 an das Hochstift zurück. Die offensichtlich schlechten Erfahrungen bewogen das Domkapitel in Regensburg, die Möglichkeiten des Bischofs zu beschneiden und einen Pfleger einzusetzen. Dieser saß ursprünglich, wie andernorts auch üblich, auf der Burg und nahm nach den Notizen von Nikolaus Eyb, dem profunden Kenner der Hohenburger Geschichte, erst 1575 Wohnung im Kastenamt. 1586/1587 muss er aber wieder auf die Burg zurückgekommen sein. Es ist auch davon auszugehen, dass er im Dreißigjährigen Krieg hinter den sicheren Mauern lebte. Der lückenlose Erhalt der Kastenamtsrechnungen von 1586 bis 1792 würde dies erklären. Das Marktarchiv fiel 1634 den Plünderungen eines Regiments "Kayserlicher Reutter" zum Opfer. Nach einem undatierten Inventar um 1700 kam der Pfleger zwischen 1676 und 1700 von der Burg ins Pflegschoss, wie es jetzt genannt wurde.

Die Bezeichnung "Kastenhof" verschwindet dann ganz aus den Quellen. Sie wird vom Pfleghaus (1703), Pfleghof (1777), Pflegamt (1779) oder gar Pflegschloss (1798) abgelöst. An den Kastenhof erinnert nur noch die Kastenamtswohnung, die jedoch streng vom Kastenhaus zu trennen ist, in dem sich Rathaus, Kornkasten und Schule befanden.

HintergrundZum Inventar des Gebäudes gehören laut Ines Kämmler "dry neue Himmelbett, zuvor im Castenhof im Fürstenzimmer gestanden". Interessant ist auch die Aussage, dass sich noch ein Bett im Schloss befand, "so der Castner gebraucht, wie er auf dem Schloss wohnt" - also wenn er den Aufstieg zur Burg nach einer ausgiebigen Einkehr nicht mehr schaffte. Dazu erzählen sich die Hohenburger, dass es vom Pfleghof zur Burg einen Geheimgang gegeben haben soll.

Sicher lässt sich nach den Worten der Heimatpflegerin daraus schließen, dass der Kastenhof über herrschaftlich ausgebaute sogenannte Fürstenzimmer verfügte, in denen offensichtlich der Fürstbischof aus Regensburg mit seinem engsten Gefolge bei Reisen über Land übernachtete.

Nach der Säkularisation kam der Pfleghof an Bayern. 1890 erwarb ihn der Bierbrauer Franz Huber. Um 1910 ging das Gebäude als Stiftung an den Markt Hohenburg - als "Pfründnerhaus für Bedürftige und Arme". Über mehrere Jahrzehnte wurde das Gebäude als Armenhaus genutzt und ging in den 1980er-Jahren in Privatbesitz über. (bö)
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