Matthias Matuschik in Kastl: Abgründe unserer Gesellschaft

Das saß. Über zwei Stunden hat "Matuschke" im Kastler Kirwazelt die Fehler und Eigenheiten unserer Gesellschaft unbarmherzig aufgedeckt. Den Leuten blieb dabei manchmal das Lachen im Halse stecken.

"Matuschke" alias Matthias Matuschik deckte die Eigenheiten unserer Gesellschaft im Kastler Kirwazelt gnadenlos auf. Bild: jp
von Autor JPProfil

Der Kabarettist, Entertainer, Satiriker und Radiomann wurde vor 52 Jahren als Matthias Matuschik in Weiden geboren, ist dort aufgewachsen und hat sein Moderatorenhandwerk bei Radio Ramasuri gelernt - worauf er heute noch stolz ist, sagte er.

Nach Stationen in Bad Mergentheim, Würzburg und Stuttgart kam er vor 15 Jahren zum Bayerischen Rundfunk, wo er auf Bayern 3 zahlreiche Musiksendungen moderiert. Dank seiner Ironie und seines Witzes wurde er aber auch zu "Matuschke" und moderiert diese freche, aufrüttelnde Sendung als Abendshow auf Bayern 3. So war es nicht verwunderlich, dass er als Kabarettist mit verschiedenen Programmen erfolgreich war und diesmal seine "Entartete Gunst" dem Publikum im Kastler Kirwazelt schenkte.

Eingeladen hatte ihn der Kulturverein. Engagiert hatte den Künstler Veranstalter Albert Fromm aus Kastl, der sich bei den Kirwaleut bedankte, die das beheizte Zelt zur Verfügung gestellt hatten, das durchaus noch ein paar Besucher mehr vertragen hätte.

"Matuschke" stellt sich zu Beginn des Programms als waschechter Oberpfälzer vor und zog ein kurzes spaßiges Resümee über seine Heimat. Bemerkenswert war vor allem die teilweise ironische, hinterfotzige und auch derbe Überleitung von der einen Geschichte in die andere Episode. Nach dem Motto "Wia im richtigen Leben" und alles im perfekten Münchner Moderatorenslang.

Da bekam die Mutti mit dem Thermomix, der einen undefinierbaren Essensbrei liefert, und Tupper- und Dessousabende den Rang abgelaufen hat genauso ihr Fett ab, wie der höhergestellte Angestellte, der im Einkaufsmarkt sogenannte Matsch- oder Regenhosen fürs Kind kaufen soll, aber die Kleidergröße vergessen hat.

Ein weiteres satirisches Thema waren die Veganer, die übertriebenen Tierschützer, die sogar erschöpfte Hummeln mit einer Zuckerlösung fitmachen. Übersitzt dargestellt wurden auch die Themen Biowelle, die Kettenbriefe auf Handys, die Schildkröten- und Ochsenschwanzsuppe und natürlich die dauernde Überwachung der NSA, "die sich sicher mit den Eigenheiten von so manchem Zeitgenossen von uns schwer tut".

Dann kam er zur Politik und hoffte, dass Angela Merkel noch lange bleibt, da uns sonst die "Oberursel" von der Leyen droht. Ein Herz brach er für die Raucher, die in ihren eng eingegrenzten Bereichen schon so diskriminiert würden, wie damals die Juden mit dem Judenstern.

Aufs Thema Flüchtlinge ging er wie folgt ein. "Matuschke" meinte, dass der Syrer auf der Stelle in seine Heimat rennt, wenn er merkt, in was für ein bürokratisches und technisch rückständiges Land er gekommen ist. Oder wenn er in einem Funkloch sitzt und seine Handy nicht geht. "Sollte der Klimawandel so weitergehen, so droht uns noch eine größere Flüchtlingswelle. Die Holländer und Schleswig-Holsteiner kommen zu uns, bevor sie ersaufen."

Auch BMW bekam sein Fett weg, weil der Autohersteller ab sofort dreizylindrige Motoren baut und damit der seidenweiche Lauf des Sechszylinders, für den BMW bekannt ist, Geschichte ist. "Man sollte", so "Matuschke", das BMW-Hochhaus in München, von vier auf drei Zylinder verkleinern".

Weitere Themen waren die Ebay-Kleinanzeigen, die schon besonders gestaltet sein müssen, damit man sein altes Geraffel verkaufen kann. Dann ging der Kabarettist auf die Rentnerstadt Baden-Baden ein, wo die reichen Witwen, die teueren Autos ihrer Männer bis zum Ende spazieren fahren. Dann kam unsere "arme Gesellschaft" dran: "Die Gesellschaft ist so lang nicht arm, so lang sich die jungen Leute es sich leisten, für hunderte von Euro sich an welchen Körperteilen auch immer Tatoos stechen lassen. Diese lässt man sich dann, wenn im Alter die Straffheit der Haut nachlässt, für viel Geld wieder weglasern."

Zum Schluss gab's noch den Gemm'ma Song. "Ein Lied extra für die Gema, die ja auch heute wieder mitkassiert, obwohl kein einziges Lied gesungen wird." So war "Matuschke" gezwungen ein eigenes Lied zu Komponieren und zu Singen, damit er von den Tantiemen und Segnungen der Gema auch was hat. Das Publikum war sehr zufrieden und verabschiedete den Künstler mit großem Beifall.

 

 

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