23.05.2018 - 18:32 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

Burgfestspiele Leuchtenberg "Geierwally" eröffnet Festspielsommer

Walburga, die siebzehnjährige Tochter des Stromminger-Bauern, holt das Junge eines Adlers aus einer Steilwand, weil die Männer das nicht wagten. Die Leute nennen sie deswegen nun die "Geierwally". Aber sie lehnt sich auf gegen die damals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übliche Geschlechterkonvention, sie verweigert eine Zwangsverheiratung mit einem Mann, den sie nicht mag, und wird von ihrem hartherzigen, gewalttätigen Vater deswegen geschlagen und auf die Hochalm verbannt.

Als Josef Wally zum Tanz einlädt, fühlt sich Wally schon fast verheiratet. Doch Josef will Afras Ruf retten, den Wally aus Eifersucht mit Gerüchten ruiniert hat: Einen Kuss will Josef, aber abkämpfen will er sich ihn. Wally macht notgedrungen mit (von links: Tamara Hirschmann, Christina Götz, Bernhard Neumann, Daniel Retzer, Doris Hofmann). Bild: Jochen Schwab
von Rudolf BarroisProfil

Mit einer aufsehenerregenden Inszenierung dieser dramatischen Geschichte, die den Vorzug hat, einen wahren Kern zu haben, startete das Landestheater Oberpfalz (LTO) mit den Burgfestspielen Leuchtenberg am Freitagabend ihr Sommerprogramm.

Regisseur Till Rickelt hat bei der Umsetzung auf verkitschte Elemente verzichtet, die in der langen Aufführungsgeschichte der "Geierwally" auf der Bühne, im Film und schließlich im Fernsehen dem Publikum angeboten wurden. Gegen eine verständnislose Familie, einen jähzornigen Vater, hartherzige Menschen und nicht zuletzt gegen die grausame Natur im ewigen Eis kämpft die junge Frau (gespielt von Doris Hofmann) um ihre Freiheit und die Rückkehr ins Leben, das sie nur mit dem Bären-Josef (Bernhard Neumann), den der Vater als Bräutigam abgelehnt hat, teilen will.

Hart und verbittert

Erst der Tod des Vaters (Holger Popp) ermutigt sie zur Rückkehr. Doch die harte Zeit auf der Hochalm hat sie selber hart, kalt und misstrauisch gemacht. Einige wenige Menschen, die ihr wohlgesonnen sind, die ihr helfen, tauen die verbitterte junge Frau langsam auf. Der Pfarrer spricht davon, dass "grobe Fäuste einen rohen Stock aus ihr gezimmert haben", glaubt aber, dass Gottes Hand ein Heiligenbild daraus schnitzen kann.

Bis dahin hat die Wally jedoch noch viele Hindernisse zu überwinden. Der Konflikt spitzt sich zu, weil der Josef sich anscheinend einer anderen zugewendet hat und sein Gegenspieler, der reiche Bauernsohn Vinzenz Gellner, schließlich zur Waffe greift. Wally muss noch einmal allen Mut aufbringen um den Josef, der abgestürzt ist, zu retten.

Till Rickelts Inszenierung erinnert unbedingt an Elemente aus dem antiken Theater. Die Hauptpersonen wirken, als trügen sie die Masken ihrer Charaktere. Frauen in den Rollen von Erzählern schließen sich zusammen zu einem Chor und vertiefen die Ereignisse, setzen für die Zuschauer Wegmarken. Die Dialoge sind einprägsam und präzise, zeichnen die Charaktere deutlich nach. Rickelt gelingt es dabei, Elemente aus der Vorgeschichte der "Geierwally" mitklingen zu lassen. Diese Wally hat auch manches, das in Richtung Emanzipation deutet.

Die Befreiung wird freilich immer wieder gestört und unterbrochen, die Menschen, irgendwie alle an das Schicksal des Mädchens angekoppelt, brauchen Zeit. Die Vorstellung des Pfarrers (ebenfalls von Holger Popp gespielt) von einem feinen Heiligenbild wird sich nicht so bald verwirklichen. Wenn dann die Temperamente losbrechen wie in der Szene, in der der Bären-Josef den Kuss von Wally fordert, so weiß man, dass sich der Konflikt im wirklichen, prallen Leben lösen wird.

Glänzend gelöst

Auch für die Bauten zeichnet Rickelt verantwortlich. Eine geräumige Bühne, begrenzt durch einfache nach oben verjüngte Wandelemente, bindet die Handlung in den Raum. Selbst das technische Problem, das mit der Darstellung und dem Auftritt eines Adlers nun mal verbunden ist, wird glänzend gelöst. Die Kostüme entsprechen der Zeit, beweisen einmal mehr den sicheren Geschmack der Schneiderin.

Das Team der Darsteller beeindruckt durch eine bemerkenswerte Einzel- und Ensembleleistung. Die Aufführung der "Geierwally" kann daher als besonderes Theatererlebnis gelten. Dies dokumentierten die Zuschauer mit lang anhaltendem, begeisterten Beifall.

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