26.09.2019 - 08:31 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Die 450-PS-Diät: Unterwegs im Porsche 911

Fahrender Anachronismus für die einen, Nonplusultra des Automobilbaus für die anderen: Der Neun-Elfer Porsche polarisiert.

Porsche 911
von Michael Ascherl Kontakt Profil

Dabei ist der hier abgebildete Testwagen ein 992er, die achte und jüngste Generation des 911, der seit 55 Jahren Autofans auf der ganzen Welt begeistert. Der Sechszylinder-Boxer im Heck und die unverwechselbare Karosserieform haben das Porsche-Coupé zur Ikone reifen lassen. Kein Mensch braucht so ein Auto. So wie niemand eine Rolex braucht, um die exakte Zeit zu erfahren. Der 911er ist ein Luxus-Gegenstand, und er ist so selten weil teuer, dass wir uns auch über seinen Beitrag zum Klimawandel kaum Gedanken machen müssen. Wohl aber über den zur Volksgesundheit. Denn wer Elfer fährt, sollte einigermaßen in Form bleiben. Sonst gerät die - nicht selten von einem aufmerksamen Publikum beobachtete - Prozedur des Ein- und Aussteigens schnell zur Lachnummer. Ganz abgesehen vom zupackenden Wesen der Sportsitze.

Drehen und Grinsen

Und schon sitzen wir drin, drehen am Starthebelchen, das wie bei allen Porsche traditionell links vom Lenkrad sitzt, und können uns ein Grinsen nicht verkneifen: Der Sportwagen erwacht mit einem Fauchen - Gruß an die Nachbarschaft -, um anschließend in jenes leicht sägende, blubbernde Leerlaufgeräusch zu verfallen, das Enthusiasten aus hundert anderen heraushören können. Der Blick fällt auf fünf Rundinstrumente, von denen die äußeren beiden nahezu vollständig vom Lenkradkranz verdeckt werden. Was sie anzeigen (oder eben nicht), ist konfigurierbar. In der Mitte prangt als größtes Instrument der Drehzahlmesser, und dessen Nadel wird uns gleich noch beschäftigen.

Sehen wir uns noch ein klein wenig um: Leder, Alu, feine Auslegeware; dazu ein fast schon klassisches Armaturenbrett mit dem Navi-Bildschirm. Auch hier hält man in Zuffenhausen an Traditionen fest. Hinten gibt es zwei Notsitze, die umgelegt auch Gepäck aufnehmen. Gar nicht einmal so klein ist der Kofferraum unter der Fronthaube.

Wählhebel auf "D" und Gas. Die Nadel des Tourenzählers schnalzt nach rechts, der Wagen hat schon die Gänge 2 und 3 eingelegt, ehe du so recht begreifst, was hier gerade passiert. In 3,5 Sekunden sind dank Sport-Chronopaket die 100 km/h erreicht, ohne dauert es zwei Zehntel länger. Und zack-zack-zack fliegen die Gänge rucklos durch, je nach Modus (Normal, Sport, Sport plus oder Wet) begleitet von Grüßen aus Jericho; beim Runterschalten gar mit Zwischengas-Inferno. Fast schon beängstigend ist, wie unmerklich der Wagen die Kraft seiner 450 PS in Geschwindigkeit umsetzt. Man ist immer schneller als gefühlt und wünscht sich nur ein Extra: einen intelligenten Tempomaten, der die Geschwindigkeit immer im erlaubten Bereich hält. So müssen wir selber sehen, dass keine Radarfalle zuschnappt. Das klappt am besten, wenn man sich an die Limits hält und reduziert den Verbrauch enorm. Porsche gibt 10,1 Liter Super-plus an, wir haben im Schnitt zwei Liter mehr verbraucht. Bei Landstraßentempo sind laut Bordcomputer aber auch schon mal sieben oder acht Liter möglich.

So was wie Komfort

Aus Erzählungen wissen wir, dass Porsche-Fahren früher richtige Arbeit war. Die Kupplung schwergängig, der Wagen im Fahrverhalten zickig und die Lärmkulisse ohrenbetäubend. Tempi passati: Im aktuellen Elfer, das mag nicht jedem gefallen, sind bei aller Straffheit auch Komfort und eine Portion Alltaugstauglichkeit eingezogen. Der Spaß ist geblieben - für all jene, die mit dieser Art der Fortbewegung noch etwas anfangen können. Den Rest haben wir bestimmt schon im zweiten Absatz verloren.

Daten des Testwagens 992 C4 Coupé

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