01.07.2019 - 16:56 Uhr
Oberpfalz

Akrobatische Sprünge zwischen den Stilen

Feurig und leidenschaftlich: "Tango Transit" gastiert beim Weidener Jazz-Zirkel

Mit hoher Musikalität und Spielfreude begeisterten „Tango Transit“ bei ihrem Konzert beim Weidener Jazz-Zirkel.
von Autor HLLProfil

Ein sonnengebadeter Freitagabend. Der Blick aufs Thermometer scheint hinfällig, denn schon die erste Brise warmen Sommerwinds verrät untrüglich: Die ersehnte oder gefürchtete Hitzewelle ist da. Dann die Erleichterung: Wohlige Kühle umgibt den schweißgeplagten Körper im Bistrot Paris, auch fensterlose Dunkelheit. Eine willkommene Auszeit vom dauergrellen Licht des Tages draußen.

Drinnen stellt sich Akkordeonist Martin Wagner rhetorisch die Frage, ob denn das Publikum nun trotz oder gerade wegen des heißen Wetters in die heimelige, von der schwelenden Außenwelt abgetrennte Kellerbar geflüchtet ist. Die Antwort ist wahrscheinlich völlig unabhängig von den Temperaturen, denn sie muss lauten: Um das Konzert von "Tango Transit" zu genießen. Auf Einladung des Jazz-Zirkels ist das Trio - Hans Höhn (Kontrabass), Andreas Neubauer (Schlagzeuger) und Martin Wagner (Akkordeon) - nach sechs Jahren ins Bistrot zurückgekehrt. Ein unvergessliches Konzert heute wie damals, markierte es doch einst die Premiere für den Kulturverein an der neuen und immer noch aktuellen Spielstätte. Und folgende Frage stellt sich somit schon lange nicht mehr: Tango und Jazz, wie passt das zusammen? Es passt einfach, der namensgebende Transit zwischen verschiedenen Welten und Einflüssen geschieht nahtlos, unbemerkt. Da ist natürlich das feurige, leidenschaftliche Akkordeon, die hitzigen Melodien des Tango Nuevo, welche dem schweißtreibenden Wetter draußen in nichts nachstehen, aber eben auch die kalkulierte und doch überschwängliche Struktur des Jazz, vertreten durch Drums und Bass, die den Songs ihre besondere Note verleihen.

Leichtfüßig wie ein Akrobat, auch der Titel einer ihrer Plattenveröffentlichungen sowie eines der markantesten Stücke des Abends, bewegt sich die Dreierformation zwischen den Stilen, von der orientalischen "Night in Egypt" zum osteuropäisch orientierten Sound von "Transylvanian Tango".

Und dazwischen? Noch mehr Crossover-Überraschungen natürlich. So glänzt das Trio etwa, nachdem es laut Wagner in drei Monaten ohnehin wieder die ersten Lebkuchen in den Supermarkt-Regalen gebe, mit einer sommerlichen Version des Weihnachtsliedes "Zwischen Ochs und Eselein", einem Song von ihrem Album "Fröhliche stille Nacht", welches unter dem Namen "Engelrausch" erschienen ist, nur um sich danach bei "Money" von Pink Floyd eher psychedelischen Tönen zu widmen.

Solche stilistischen Kurven umspannen den gesamten Auftritt und lassen den Zuhörer immer in freudiger Erwartung des folgenden Stückes. "Tango Transit" zeigen, dass scheinbar unmögliche Mixturen nicht nur möglich sind, vielmehr brillieren sie bei der Verknüpfung von Gegensätzen. Dieses Konzept gipfelt schließlich in einem steirischen Landler, der sich urplötzlich in das von Jimi Hendrix populär gemachten Songs "Hey Joe" transformiert. Und das Ende vom Lied? Die eingängliche warme Brise hat sich dank "Tango Transit" im Lauf des Abends in einen heißen Sturm verwandelt, und man muss im Anschluss schon zurück nach draußen gehen, um sich wieder ein wenig Kühle zu verschaffen.

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