28.09.2019 - 00:45 Uhr
AltendorfOberpfalz

Für seine Heimat immer am Ball

Wie ist das nur schaffen? Als Hausmann vier Kinder großziehen, dann als Quereinsteiger den Redakteursberuf ergreifen und „nebenbei“ 14 Jahre als Bürgermeister die Gemeinde managen? Am Samstag, 28. September, wird Georg Köppl 65 Jahre alt.

Der Altendorfer Bürgermeister Georg Köppl feiert am Samstag, 28. September, seinen 65. Geburtstag. Nach 14 Jahren geht im nächsten Jahr seine Amtszeit zu Ende. Bei den Kommunalwahlen 2020 tritt er nicht mehr an.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Der gebürtige Siegelsdorfer (Ortsteil der Gemeinde Altendorf) war schon immer seiner Zeit voraus. Im März 1985 titelte der Neue Tag „Wenn der Ehemann den Haushalt schmeißt“. Der Hausmann wurde dann ein geschätzter Redaktionskollege und stellvertretender Leiter der Lokalredaktionen im Landkreis Schwandorf. Sein Faible für die Kommunalpolitik gab vor 14 Jahren den Ausschlag, auch als Bürgermeister zu kandidieren. Mit Beruf und Bürgermeisteramt soll am 30. April 2020 Schluss sein. Mit Oberpfalz-Medien sprach der „Köppl Schore“, wie ihn Freunde und Kollegen gerne nennen, über Erreichtes und die Pläne nach dem Leben im Terminkorsett. Für das Interview haben wir als langjährige Weggefährten als Anrede das vertraute Du gewählt.

ONETZ: Wie kam es zur ungewöhnlichen Berufskombination Redakteur und Bürgermeister?

Georg Köppl: Ich habe nach Abitur und Grundwehrdienst Jura studiert. Meine Gattin Ida hat den Lebensunterhalt verdient und meine Schwiegermutter unsere Kinder betreut. Quasi über Nacht hat sich unsere Situation grundlegend verändert, als meine Schwiegermutter nach einem Unfall zum Pflegefall wurde. Ich habe mein Studium abgebrochen und bin zum Hausmann geworden, mit allem, was dazu gehört: Kochen, bügeln, waschen, unsere vier Kinder erziehen. Darüber hinaus habe ich meine Schwiegermutter gepflegt, nach ihrem Tod auch den Schwiegervater, habe die kleine Landwirtschaft weiter betrieben und in unserem Dorfwirtshaus die Gäste bedient. Doch es war schon immer klar, dass ich wieder ins Berufsleben einsteigen werde. 1984 wurde ich dann freier Mitarbeiter beim Neuen Tag. Als 1989 eine Redakteursstelle offen war, bewarb ich mich. Nach Stationen in Nabburg und Neunburg habe ich seit 1998 als Redaktionsleiter in Oberviechtach Wurzeln geschlagen. Durch den Beruf bin ich auch zum Bürgermeisteramt gekommen. Ich habe redaktionell viele Stadt- und Gemeinderatssitzungen mit kommunalen Themen begleitet. Eine Kommune selbst mitgestalten, das hat mich unheimlich gereizt. Als mein Vorgänger Georg Killermann aus gesundheitlichen Gründen 2006 vorzeitig sein Amt abgegeben hat, hab' ich es dann gepackt und bin mit rund 90 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt worden.

ONETZ: Was ist in der Gemeinde unter Deiner Regie entstanden?

Georg Köppl: Anschluss der restlichen Ortsteile an die Kläranlage, Straßensanierungen, Vermessungen und Grunderwerb für seit Jahrzehnten nicht abgerechnete Straßen, Ausstattung der Feuerwehren, – viele Pflichtaufgaben waren zu erledigen – und das bei magerer Gewerbesteuer. Richtig war es, die millionenschwere Sanierung der Schule über das Konjunkturpaket anzugehen. Eine sanierte Schule sperren sie nicht so leicht zu. Der Kindergarten wurde zur Krippe umgebaut. Mich freut, dass nach zehnjährigem Bemühen die Flurneuordnung angelaufen ist. Seit 2016 sind wir im entsprechenden Programm. Das ist ein Segen für alle Beteiligten bei einer traumhaften Förderung von 85 Prozent, wenn das Ganze auch viel Energie gekostet hat. Die Brückensanierung in Willhof, leider ohne Fördermittel, war ein finanzieller Kraftakt und ist abgeschlossen. Für das 2020 startende Brückenprojekt in Oberkonhof bekommen wir 75 Prozent Förderung. Derzeit laufen die Grundstücksverhandlungen für die Erschließung eines weiteren Baugebiets. Im Jahre 2014 wurde ein Dorfladen auf genossenschaftlicher Basis eingerichtet, der mittlerweile nicht mehr weg zu denken ist. Der Breitbandausbau ist mit optimalen Ergebnissen abgeschlossen. Bei den Mobilfunklöchern tut sich ebenfalls etwas, ein Sendemast auf dem Kalvarienberg rückt in greifbare Nähe. Mit der Entscheidung für Altendorf als künftigen Pfarrsitz der Seelsorgeeinheit Altendorf-Gleiritsch-Weidenthal und dem Neubau des Pfarrhofs tritt nun endlich auch die Schaffung einer Ortsmitte ins Umsetzungsstadium.

ONETZ: Warum wurde die Leerstandsoffensive der Lokalen Aktionsguppe „Brückenland Bayern-Böhmen“ für den ländlichen Raum zu Deinem Steckenpferd?

Georg Köppl: Ich war schon immer ein Verfechter der interkommunalen Zusammenarbeit. Da bin ich sehr dankbar, dass die Kollegen der zwölf Allianz-Kommunen auf dieses Pferd aufgesprungen sind und ich für die Gemeinde Altendorf hier mitgestalten durfte. In der Allianz ist man stark und findet mehr Gehör, auch bei den Fördermitteln. Der ländliche Raum hatte kaum eine Lobby, bis sich die zwölf Kommunen zur interkommunalen Allianz zusammengeschlossen haben. Aus der LAG Brückenland Bayern-Böhmen ist inzwischen die ILE geworden. Die Arbeit ist schon aufwendig, wenn ich an unser 168-Seiten-Konzept denke. Doch mit der Leerstandsoffensive haben wir ein bayernweites Pilotprojekt geschaffen. Mir geht es um gleichwertige Lebensbedingungen. Junge Leute sollen ebenso im Dorf bleiben können wie ältere. Der Schlossbauernhof in Altfalter, das Thammer-Anwesen in Winklarn, das Pfarrheim in Niedermurach oder das Kommunbrauhaus in Eslarn: Da sind von der Städtebauförderung Zuschüsse in Millionenhöhe geflossen. Die Arbeit erfordert natürlich viel Kraft und Zeit über das Normale hinaus. Dass ich kürzlich in Einbeck in Niedersachsen unser „Brückenland“ zum vierten Mal als Referent beim bundesweiten Städtebauförderkongress vertreten durfte, ist gewiss eine Auszeichnung für unser gemeinsames Bestreben. Die Fachleute aus den Ministerien sind jedes Mal schwer beeindruckt von dem, was hier in den Kommunen umgesetzt wird. Doch die Maßnahmen sind komplex und zeitaufwendig. Deshalb freut es mich, dass wir nach etwas Stillstand nun einen hauptamtlichen ILE-Manager ausschreiben können, der sich als Kümmerer um die vielen Projekte annimmt.

ONETZ: Ist angesichts der Aufgabenfülle das „Ehrenamt“ bei Bürgermeistern kleiner Kommunen noch zeitgemäß?

Georg Köppl: Auch bei kleinen Kommunen wie Altendorf mit rund 900 Bürgern muss man sich die Hauptamtlichkeit überlegen. Die Abläufe in der Kommunalpolitik sind komplexer geworden. Bis etwas läuft, gibt es viele Besprechungen mit Fachstellen. Der Bürgermeister muss immer präsent sein. Und die Kommunen stehen im Wettbewerb. Es ist nicht einfach, an Fördermittel zu kommen. Aufwändige Konzepte müssen vorgelegt werden. Ich bin nicht blauäugig Bürgermeister geworden, doch die Arbeit hat sich als viel umfangreicher herausgestellt, als ich gemeint habe. Gemeinde, Vereine, Pfarrei, – da bin ich eigentlich managen gewohnt. Doch man muss wirklich ein Organisationstalent sein, um alle Termine auf die Reihe zu bekommen. Vor der Fahrt in die Redaktion hab' ich oft schon zwei Ortstermine am frühen Morgen hinter mir, und danach am Abend noch einige vor mir, damit etwas vorangeht. Und die Anforderungsprofile bei Schule, Kindergarten oder der Wasserversorgung werden ja auch immer komplexer.

ONETZ: Warum kandidierst Du nicht mehr?

Georg Köppl: Ich denke, alles im Leben hat seine Zeit. Ich habe mich seit 1975 in vielfältigen Funktionen im Ehrenamt engagiert. Ich war ein halbes Jahr in meiner Entscheidung hin und her gerissen, was ich tun soll. Doch für das Bürgermeisteramt ist ein Nachfolger in Sicht, es geht weiter. Wenn ich in der Redaktion den PC ausschalte, mache ich ihn zu Hause wieder an. 14 bis 16 Stunden Arbeitszeit sind seit Jahren die Regel, denn die Aufgaben werden komplizierter und nicht weniger. Ich bin ein Familienmensch und lebe Familie. In den letzten Jahren musste das sehr zurückstehen. Und auf dem Dorf ist es eben auch so, dass die Familie immer voll eingebunden ist. Da richtet meine Ida den Saal für eine Trauung her, ist am Telefon, wenn ich nicht da bin. Die Familie trägt alle Freuden, aber auch allen Ärger mit. In einer kleinen Gemeinde bist du Bürgermeister rund um die Uhr. Dieses Pensum nagt und gesundheitlich hatte ich schon einige Einschläge. Die Gesundheit will ich nicht immer auf‘s Neue herausfordern und ich will meiner Familie auch ein bisschen etwas von dem zurückgeben, was sie mir an Unterstützung gegeben hat. Ohne die hätte das Ganze sowieso nicht funktioniert.

ONETZ: Was ist das Schöne am Bürgermeisteramt, was macht das Leben schwer?

Georg Köppl: Mir gehen Projekte eigentlich immer zu langsam voran. Im Beruf muss ich jeden Tag Zeitung machen, schnell entscheiden. Doch Kommunalpolitik ist zäh, Genehmigungs- und Projektabläufe dauern. Ich freue mich immer, wenn es mir gelingt, die Bürger gut einzubinden. Man muss auf jeden zugehen, dann ist auch das Verständnis da. Was sich radikal verändert, ist das Anspruchsdenken. Manche sehen nicht ein, dass eben nicht alles geht. Dann schimpfen selbst ernannte Experten über die „Deppen“ im Gemeinderat, sind aber nicht bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen. Ich habe es konsequent durchgehalten, niemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen, wenn es am Biertisch oft natürlich ganz anders gesehen wird. Das schafft nicht nur Freunde. Aber damit muss man leben.

ONETZ: Wie sieht die Zukunft „Ü 65“ aus?

Georg Köppl: Mir wird gewiss nicht langweilig. In Haus und Hof, auch im Wald gibt es viel zu tun, wo in den letzten Jahren einfach viel liegen geblieben ist. Ich setze mich gerne auf den Schlepper, lasse den Holzspalter an, greife zur Bohrmaschine oder zur Maurerkelle. Ich freue mich einfach darauf, wenn ich mal ohne den Terminkalender als ständigen Begleiter, über einer Arbeit bleiben kann und werde auch die Zeit mit meiner Frau, den Kindern und den neun Enkeln genießen. Und in nächster Zeit bin ja auch noch in vielen Bereichen in die Verantwortung eingebunden, von den Vereinen angefangen über die Kirchenverwaltung bis zur ILE.

ONETZ: Was wünscht Du Dir zum Geburtstag?

Georg Köppl: Mein Wunsch hört sich vielleicht altmodisch an. Am wichtigsten ist eine stabile Gesundheit. Sonst habe ich alles und brauche nichts. Ich würde gerne in 20 Jahren noch so fit sein wie jetzt. Ich wünsche mir, dass ich nun auch mehr Gedanken und mehr Zeit für meine Familie, für mich und meine Mitmenschen haben kann. Ich bin ein geselliger Mensch, der sich gerne unterhält und wünsche mir, dass ich dabei künftig nicht immer auf die Uhr schauen muss. Denn es sind die Begegnungen mit Menschen, die Lebensqualität ausmachen.
Und über das Private hinaus wünsche ich mir natürlich, dass es mit der Gemeinde weiterhin gut vorangeht. Ein Herzensanliegen betrifft den Dorfladen: Ich wünsche mir, dass noch mehr Bürger begreifen, welche Bereicherung er für unser Altendorf ist und dass sie dementsprechend danach handeln.

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