11.03.2019 - 12:58 Uhr
Altenstadt bei VohenstraußOberpfalz

Des Fischers große Plage

Nicht nur die Kormorane und Graureiher machen den Fischern und Teichbesitzern das Leben schwer. Mittlerweile ist es auch der flächendeckend auftretende Fischotter, der die Weiher leer frisst.

Fischotter sind nett anzuschauen. Doch die possierlichen Tiere fressen die Teiche leer. Manche Hobbyzüchter denken da ernsthaft darüber nach, ihr Hobby an den Nagel zu hängen. Das hätte verheerende kulturelle Folgen für die Oberpfälzer Teichlandschaft.
von Elisabeth DobmayerProfil

Für die einen ist es ein süßes possierliches Tierchen, nett anzuschauen und für die anderen ein Raubtier, dass zwischenzeitlich eine große Plage darstellt. Insbesondere Teichwirte und Fischer sind auf die Plagegeister, die ihnen viel Geld kosten, verständlicherweise nicht gut zu sprechen. Fischotter sorgen deshalb bei Teichbesitzern mächtig für Aufregung. In Bayern breitet sich der Fischotter auf natürliche Weise wieder aus. Diese an sich erfreuliche Entwicklung führt zu Konflikten, wenn Fischotter in Teichanlagen fischereiwirtschaftliche Schäden verursachen. Deswegen setzt die Staatsregierung seit dem Jahr 2016 den Fischottermanagementplan um, der auf drei Säulen gründet. Zum einen sind es die aktuell drei eingesetzten Fischotterberater. Einer davon ist der gebürtige Albersriether Peter Ertl aus Nabburg, der für die südliche Oberpfalz und Mittelfranken zuständig ist. Er kam eigens zur Jahreshauptversammlung des Kreisfischereivereins, um wichtige Details mit den Fischern zu besprechen. Die Anwesenden beklagten sich über den hohen Futterbedarf des Fischotters, der sich an den regionalen Gewässern bedient.

Der Fischbestand in den Teichen und Flüssen senkt sich dramatisch. Es wurde berichtet, dass von den 25 000 eingesetzten K 1-Karpfen in einem Gewässer nur 3000 übrig blieben. Alle anderen fielen als Nahrung dem Raubsäuger zum Opfer. Ertl kann die Wut der Fischer durchaus verstehen. Für einen Fischotter sei auch ein Zehn-Kilogramm schwerer Laichkarpfen kein Problem, wie er eindrucksvoll mit Bildern zeigte. Viele Fische sind dabei trotz schrecklicher Verletzungen noch am Leben und verenden dann qualvoll. Der Fischottermanagementplan Bayern soll einerseits den Erhaltungszustand des Fischotters gewährleisten und die natürliche Ausbreitung fördern, gleichzeitig aber auch die fischereilichen Schäden minimieren. Vor allem auf Scharrhaufen, Schleimlosung und Fraßbilder sollten die Fischer achten. „Der Fischotter ist flächendeckend oberpfalzweit daheim“, informierte Ertl. Deswegen sei das Fischottermonitoring ein wichtiger Bestandteil, um den Lebensraum des Tieres zu erfassen. „Los werden wir den Otter nicht mehr“, gab der Experte zu bedenken. Deswegen sei es an der Zeit, sich über geeignete Maßnahmen Gedanken zu machen, wie zum Beispiel den Bau von Abwehrzäunen, die unter bestimmten Voraussetzungen durch Zuschüsse des EU-Förderprogramms mit 50 Prozent unterstützt werden. Ein Elektrolitzenzaun mit Solarbetrieb funktioniere eigentlich sehr gut.

Allerdings gebe es noch keine Erfahrung im Winter bei höherer Schneelage. Fatal sei es, wenn der Otter trotz Zaunbau in das Teichgebiet eindringe aber nicht mehr herauskomme. „Da bleibt nicht mehr viel übrig.“ Fischotter ernähren sich überwiegend von Fischen, verschmähen aber auch Wasservögel nicht. Große Teichwirte bauen sich mittlerweile hohe Zaunanlagen mit Stahldraht und Betonfundamenten, was aber für Hobby-Weiherbesitzer schon wegen der hohen Anschaffungskosten nicht infrage komme. Als eindeutige Beweise, dass der Otter vorhanden ist, gelten Trittsiegel, bei denen alle fünf Zehen abgedruckt sind und das Bild eindeutig dem Fischotter zugeordnet werden kann, wie auch der Otterkot. Sogar die Schuppen und Gräten der gefressenen Fische sind darin zu erkennen, wie Ertl anhand von Aufnahmen zeigte. Sollte ein Fischottervorkommen nachgewiesen werden, müssten dies die Weiherbesitzer unbedingt melden, appellierte Ertl, der auch das Entschädigungsverfahren ansprach.

Für Ernst Schubert kommt die Völlerei der Tiere in den Teichen einem „brutalen Diebstahl“ gleich. Gerade Hobbyfischern werde wegen der Bagatellgrenzen keine Entschädigungen ausbezahlt. Er empfinde diese Tatsache als äußerst ungerecht. Der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Johann Dittmann befürchtet, dass sich die Oberpfälzer Teichwirtschaft, die sich meist auch noch in privater Hand befindet, aufgrund dieses Fischräubers kulturell sehr verändern wird. „Was die Oberpfalz dadurch verliert, bekommt niemand mehr zurück.“ Vielleicht müssten sich auch die Fischer einmal überlegen, ein Volksbegehren anzustreben, denn so könne es einfach nicht weitergehen.

Der gebürtige Albersriether Peter Ertl aus Nabburg ist Fischotterbeauftragter für die südliche Oberpfalz und Mittelfranken.
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