26.09.2019 - 10:24 Uhr
Altenstadt bei VohenstraußOberpfalz

Das Kreuz mit der Friedhofsmauer

Franz Seidl will die neue Gebührenkalkulation für die Grabstellen in Altenstadt nicht einleuchten. "Die höheren Kosten können viele Rentner nicht mehr tragen", klagt er bei der Bürgerversammlung an.

Die Friedhofmauer in Altenstadt weist große Mängel auf. Eine neue Mauer kostet viel Geld, die auf die Grabbesitzer umgelegt werden müsste.
von Elisabeth DobmayerProfil

Die Friedhofsmauer in Altenstadt weist eine Schieflage nach Außen auf und viele schadhafte Risse. Allerdings ist sie noch nicht einsturzgefährdet. Wutzlhofer will mit den angrenzenden Grabstellenbesitzern reden, wie man mit der Mauer vorgehen wolle. Für heuer sei das Projekt, angesichts nicht geplanter Maßnahmen, wie dem Wasserleitungsbau von Waldau nach Lämersdorf und der Container am Evangelischen Haus für Kinder Gottfried Sperl, jedenfalls zurückgestellt worden. Ob an selber Stelle wieder eine Mauer errichtet werden wird, müssten Gespräche mit den betroffenen Bürgern zeigen. Noch dazu sei im Anschluss an die Mauer schon eine Mattenzaunanlage errichtet, die auch hinterpflanzt werden könnte. Der Fairness halber müsste jedoch von vornherein klar sein, dass die Kosten bei einer erneuten Gebührenkalkulation für die Friedhofsanlage einfließen werden, gab Wutzlhofer zu bedenken. „In den nächsten 5 bis 10 Jahren wird das der Fall sein.“ Die Mauer ist 60 Meter lang und würde wohl rund 60 000 Euro kosten, rechnete er vor.

Franz Seidl war in dieser Angelegenheit der neu kalkulierten Gebührensatzung für den Friedhof schon zweimal bei Stadtkämmerer Rainer Dötsch und ließ sich die Berechnung detailliert erklären. Als er vom Bürgermeister vernahm, auch die Mauer solle in die zukünftige Kalkulation einfließen, war für ihn der Punkt erreicht, sich für die Grabnutzer einzusetzen. Er kenne den Friedhof schon über 30 Jahre und seither habe sich nicht groß etwas verändert. Trotzdem komme man in rote Zahlen. Woher kommen die hohen Kosten? Bei den kirchlichen Friedhöfen seien die Grabgebühren wesentlich geringer. Wo bringen die das Geld her? Wutzlhofer beantwortete diese Frage nur knapp durch „ehrenamtliche Arbeit“. Leute mit geringer Rente, könnten sich die Gebühren gar nicht mehr leisten, sagte Seidl. Friedhofswesen sei eine kostenrechnende Einrichtung und die Kosten sind umzulegen. Das ist eine gesetzliche Vorgabe, informierte der Rathauschef. Als prädestinierter Mann vor Ort und Stadtkämmerer bat Wutzlhofer Rainer Dötsch dazu Stellung zu nehmen und Seidl erneut die rechtliche Situation zu erklären. Obwohl Dötsch beim zweiten Gespräch mit Seidl im Rathaus schon das Gefühl empfand, er hätte ihm die Gebührensatzung erläutern können.

Die Stadt Vohenstrauß besitze zwei Friedhöfe und vier Leichenhäuser, daneben gebe es die kirchlichen Friedhöfe. Deren Kalkulation sei aber nicht städtische Aufgabe sondern die der Kirchen. „Wir sind angehalten, für unsere Einrichtungen in der Stadt eine Kalkulation anzustellen, in die sämtliche Grabstellen die vorhanden sind, einfließen müssen.“ Aufgrund der Systematik der Kalkulation werde sich in Sachen Defizit nicht viel ändern, da es Vorgabe ist, dass alle Flächen, die zur Verfügung stehen obwohl sie nicht belegt sind, in die Kalkulation einfließen müssen, machte Dötsch deutlich. „Deswegen wird ein Friedhof immer eine Kostenunterdeckelung aufweisen“, erklärte Dötsch. Seidls Feststellung, die Stadt mache nichts für die Friedhöfe, wolle Dötsch schon konkretisieren, denn der Bauhof sei mit Mannschaft und Gerät sehr oft in den städtischen Friedhöfen unterwegs und stelle ein ansprechendes Bild sicher. „Wenn ich Ihnen sage, dass der Bürgermeister Anrufe bekommt, dass aus einem Pflasterstein ein Grashalm herauswächst und die Stadt möge diesen bitte entfernen, dann ist das das andere Extrem.“

Die Stadt sei jedenfalls bemüht, für die Friedhöfe, für die sie Verantwortung zeige, diese in einem ansprechenden und würdigen Bild aufrechtzuerhalten. In die Kosten fließen zudem nicht nur die Betriebskosten sondern auch sämtliche Investitionen. „Ich versichere Ihnen, wir haben mit größter Sorgfalt diese Gebühren ermittelt.“ Der Kommunale Bayerische Prüfungsverband sei heuer im Rathaus gewesen und stellte fest, dass eine neue Kalkulation dringendst erforderlich war, weil in den letzten vier Jahren einen Defizitbetrag von mehr als 400 000 Euro für alle Bestattungseinrichtungen aufwiesen. „Das müssen alle bezahlen.“ Das Äquivalenzprinzip besage, auch wenn dies beim Friedhof makaber klinge: „Wer eine Einrichtung nutzt, muss sie auch bezahlen.“ Dötsch bot Seidl erneut an, in seinem Büro vorbeizukommen und die Kalkulationsunterlagen einzusehen, dann werde er feststellen, dass die Verantwortlichen nach bestem Wissen und Gewissen die Gebühren ermittelten.

Die Friedhofmauer in Altenstadt weist große Risse auf.
An die bestehende Mauer grenzt bereits ein Mattenzaun an, der hinterpflanzt werden könnte, um Sichtschutz zu erreichen.

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