Die Kartoffelchips werden in diesem Jahr definitiv kleiner sein. Schmecken werden sie den Verbrauchern jedoch genauso. Der Hitzesommer und der fehlende Regen hinterlassen auch in den Geldbeuteln der Kartoffelbauern gähnende Leere, denn die Ernte fiel angesichts der langen Trockenperioden und des fehlenden Wassers erwartungsgemäß niedriger aus als in den Vorjahren. "Wir wollen aber nicht jammern", sagt Vorsitzender Roman Rupprechtvon der Gebietsgemeinschaft Oberpfalz, in der sieben Erzeugergemeinschaften zusammengeschlossen sind. Eine davon ist die Qualitätskartoffel Waldau, die für Lorenz Bahlsen-Snack World GmbH in Neunburg Kartoffeln anbaut.
Rupprechts mittlerweile verstorbener Vater war einer der Pioniere in der Region, welche diese Genossenschaft ins Leben riefen. "51 Liter Regen auf den Quadratmeter über die Monate Juni, Juli und August verteilt - das ist für die Kartoffeln gar nichts", bringt es Roman Rupprecht auf den Punkt. Die Landkreise Neustadt/WN und Schwandorf erwischte es wohl mit am schlimmsten. Anders schaut es weiter südlich in der Oberpfalz aus. "Da fiel auch immer wieder mal Regen und bei uns eben nicht."
"Gewinn gegen null"
Viele Kartoffelbauern fahren bei der Ernte herbe Verluste ein. "Bei einem Minderertrag von 30 Prozent geht der Gewinn gegen null", rechnet der Kartoffellandwirt vor. "Wir haben somit ein Jahr ohne einen Cent Gewinn gearbeitet." In der mittleren und nördlichen Oberpfalz ist der Ertrag noch weit geringer. Minimum 40 Prozent weiß Rupprecht von seinen Kollegen, eher noch mehr. Die 20 Mitglieder der Qualitätskartoffel Waldau bauen insgesamt 160 Hektar der wertvollen Knolle für das Neunburger Werk an.
Für Rupprecht kommt dieses Jahr mit den großen Einbußen keineswegs überraschend. "Der Klimawandel ist angekommen, und wir werden noch öfter solche extremen Jahre erleben." Rupprecht stellt auch ganz klar heraus, dass er nicht nach staatlichen Fördergeldern rufe. Vielmehr wünschte er sich eine Optimierung der Gewinnbesteuerung. "In guten Jahren legt man Geld zurück, damit man in schlechteren Jahren über die Runden kommt. Das war schon immer so." Rupprecht erreicht heuer, wie andere Kartoffelanbauer in der Region, höchstens 50 Prozent Vertragserfüllung. Früher konnten die Erdäpfelbauern trockentolerantere Sorten anbauen, doch dafür fehle der Absatz. Die Abnehmerfirma gebe die speziellen Sorten vor. Mit Bahlsen bestehe ein Anbau-Liefervertrag, der bereits im Frühjahr ausgehandelt wird, erklärte der Experte. "Was geerntet wird, muss ich liefern."
Drahtwurm schlägt zu
Wilhelm Klieraus Neunkirchen spricht ebenfalls von 30 Prozent weniger Ertrag. "Erst sind die Kartoffeln wunderschön herangewachsen, doch dann blieb das Wasser aus." Zum weiteren Problem wurde im fortgeschrittenen Wachstumsstadium der Drahtwurmbefall. Gegen den helfe nur das Beizen vor der Pflanzung, doch das komme für ihn nicht infrage. Der Preis für seine "Gala" und Goldmarie" stieg im Vergleich zum Vorjahr um etwa 4 auf 24 Euro pro Zentner an. Damit sei er am unteren Level der Mitbewerber.
Klier sackt heuer etwas kleinere Kartoffeln ein. Die Verbraucher hätten damit aber kein Problem, informiert der Landwirt, der seit 30 Jahren Kartoffeln anbaut. In diesem Jahr erfolgte der Anbau auf rund eineinhalb Tagwerk. Reinhard Brunneraus Neubau bei Weiden setzt seit dem Jahr 2009 auf Bioqualität. Dem allgemeinen Tenor der Erdäpfelbauern, die in diesem Jahr über schlechte Ergebnisse in der Kartoffelernte klagen, kann er sich nicht anschließen. Er zeigt sich mit der Ernte durchaus zufrieden. Grund: Er hat seine 0,8 Hektar große Kartoffelanbaufläche beregnet. Zum Schluss der Reifezeit nahm er den Kartoffeln das Kraut weg, um Missbildungen zu vermeiden. Mit dem Drahtwurmbefall hatte Brunner ebenfalls zu kämpfen. "Da hilft nur, so schnell wie möglich zu roden." Durch die Trockenheit ergaben sich zudem Probleme bei der Ernte, da sich die trockenen Schollen durch den Roder schoben.
Allerdings war der Unkrautdruck durch die Hitze nicht so hoch wie in anderen Jahren. "Das hatte auch Vorteile." Verluste verzeichnet der Biolandwirt nun jedoch bei der Lagerfähigkeit. Der Verkauf erfolgt über seinen Hofladen und der Preis für die Bioqualität blieb konstant.
Der Altenstadter Roman Rupprecht baut seit 40 Jahren Kartoffeln an. "So eine schlechte Kartoffelernte hatte ich noch nie." Die Erträge sind heuer regional äußerst unterschiedlich. "Dort, wo ein Gewitterregen niederging, ist die Lage etwas besser." Leider habe es aber den Landkreis Neustadt/WN und Schwandorf mit Abstand am schlimmsten erwischt. Auf ein Hektar Ackerland fährt Rupprecht heuer nur rund 200 Doppelzentner ein. In einem normalen Erntejahr sei es die doppelte Menge. Wenig Regen, die große Hitze und viel zu warme Nächte ergaben diese Extremsituation. Die Statistik des Landwirtschaftsministeriums spiegelt nicht die Realität wider. Rupprecht: "Wenn in Oberbayern gute Erträge erzielt wurden, ist das in der mittleren und nördlichen Oberpfalz nicht annähernd gleich." (dob)
















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