Altenstadt bei Vohenstrauß
27.06.2018 - 10:06 Uhr

Perlen der Kammermusik

Susanne Hofmann und Marianne Babinec sind begnadete Violinistinnen die ihre Zuhörer mit zauberhaften Klängen beschenken

Susanne Hofmann (links) und Marianne Babinec (rechts) legen in der Simultankirche in Altenstadt eine ungeahnt professionelle Spielfreude an den Tag und begeistern damit die Zuhörer. Die Magdeburgerinnen hätten ein größeres Publikum verdient gehabt. dob
Susanne Hofmann (links) und Marianne Babinec (rechts) legen in der Simultankirche in Altenstadt eine ungeahnt professionelle Spielfreude an den Tag und begeistern damit die Zuhörer. Die Magdeburgerinnen hätten ein größeres Publikum verdient gehabt.

(dob) Komponist Georg Philipp Telemann war einer der bedeutendsten deutschen Spätbarockmeister. Einmal sagte er: "Dieses aber weiß ich, dass ich allemal die Kirchenmusik am meisten wertgeschätzet, am meisten ihretwegen geforscht und das meiste darinnen ausgearbeitet habe." Diesem Zauber der Musik, auch der von Telemann, konnten sich die Besucher in der Simultankirche am Samstagabend vollends hingeben. Die Violonistinnen und Freundinnen Susanne Hofmann und Marianne Babinec aus Magdeburg ließen ihrer ungezügelten Spielfreude in der Simultankirche freien Lauf.

Johannisfeuer und der Fußballabend der deutschen Mannschaften waren starke Gegner mit denen es die Künstlerinnen vor wenig Publikum unbeschwert aufnahmen.

Der evangelische Stadtpfarrer Dieter Schinke sprach in seiner Begrüßung dann auch von einem "schicksalhaften Abend" und wie recht er doch behalten sollte. Der Tag war trotzdem gut gewählt, versicherte der Pfarrer, denn immerhin war es der Vorabend zum Fest Johannes des Täufers, dem das Gotteshaus gewidmet wurde. 39 Zuhörer gaben sich den zauberhaften Klängen hin und lauschten der wunderbaren Musik der Künstlerinnen. Zum Auftakt wählten sie die 1. Sonate von Georg Philipp Telemann. "Sein bedingungsloses Vertrauen auf Gottes Führung spiegelt sich in einem Gedicht wider, welches er nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau verfasste", erklärte Babinec, die durch das Programm führte. Telemann war nicht nur ein begnadeter Komponist sondern auch ein richtiger Poet. Selten schwankt das Bild eines schöpferischen Künstlers zwischen solchen Extremen wie bei ihm und er wurde zum Inbegriff der Epoche. Von Jean-Marie Leclair (1677 bis 1764), der einmal, wegen des spirituellen Klangs seiner Musik, der französische Bach genannt wurde, stammte die Sonata 3. Was dieses Konzert so einzigartig machte, war die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit mit denen die beiden Violinistinnen scheinbar mühelos die unterschiedlichsten Passagen meisterten. Ihre Instrumente lassen sie dabei geheimnisvoll und poetisch, ariös und tänzerisch erklingen.

Leclair war ein ausgebildeter Tänzer und später erst ein großer Violinist. Als Begründer der französischen Violinschule machte er sich ebenfalls einen Namen. Allerdings wurde er am Ende seines Lebens unter mysteriösen Umständen in seinem eigenen Garten ermordet. Diese Tatsache dürfte die Zuhörer aber, dank der wunderschönen Musik, am Samstagabend vermutlich nicht allzu sehr gestört haben.

Wolfgang Amadeus Mozart wusste sich immer in seiner christlichen Glaubensgewissheit geboren. So schrieb er einmal : "Gott weiß es immer am besten, wie es seyn muß." Bei der Sonate Nr. 5 bildeten die Violinistinnen eine unbeschreibliche Einheit und spielten sich die musikalischen Bälle zu. Der ungarische Komponist Béla Bartók steht für die "Klassiker der Moderne" und er neigte eher zum schwerringenden Typus Beethovens und er gilt heute als einer der großen Atheisten der Musikgeschichte. Vier Stücke aus den 44 Duos begeisterten das Publikum mit einem Tanzlied, einem rumänischen Drehtanz, einem Vorspiel und einem Kanon. Eigentlich wollte Susanne Hofmann die fußballbegeisterten Zuhörer nicht aufhalten, doch das Publikum wollte viel mehr von den beiden meisterhaften Violinistinnen hören, die sich erst nach mehreren Zugaben endgültig verabschieden durften. Bis in den kleinsten Kirchenwinkel hinterließen die beiden musikalischen Gäste restlose Begeisterung.



Info:

Die Künstler

Susanne Hofmann hat Vohenstraußer Wurzeln und ist in ihrer früheren Heimat bestens bekannt. Sie beendete ihr Studium an der Franz-Liszt-Akademie Budapest bei Professor Eszter Perényi. Neben ihrer Tätigkeit als stellvertrende Konzertmeisterin der zweiten Violinen in der Magdeburgischen Philharmonie gilt ihre Passion der Kammermusik. Sie ist Gründerin und Organisatorin des Oberpfälzer Tango-Festivals und tritt seit vielen Jahren mit dem "Duo Fracanapa" und dem "Fracanapa Tango Quintet" auf. Hofmann wurde eingeladen in die Berliner Philharmonie, zu den Potsdamer Hofkonzerten, den Max-Reger-Tagen und konzertierte in England, Spanien, Österreich, Schweiz, Frankreich und Japan. Weiterer Schwerpunkt sind Durchführung und Konzeption von Kinderkonzerten. Marianne Babinec begann im Alter von acht Jahren Violine zu spielen. Schon früh spielte sie Solokonzerte mit dem Kammerorchester ihrer Lehrerin Ildiko Urban-Schmidt. Sie studierte bei Professor Albrecht Breuninger und bei Professorin Katrin Scholz. Sechs Jahre war sie Mitglied der 1. Violinengruppe der Klassischen Philharmonie Bonn und spielte fast fünf Jahre in der 2. Violine der Magdeburgischen Philharmonie. In verschiedenen Kammermusikbesetzungen und auch solistisch trat sie bei den Weidener Max-Reger-Tagen, sowie bei Festivals in Sao Paulo und Minas Gerais auf. Weitere Konzertreisen gingen nach Frankreich, Ungarn, Dänemark und Norwegen. Konzertmoderation und die Gestaltung von Kinderkonzerten sind ihr ein wichtiges Anliegen. (dob)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.