07.11.2018 - 12:37 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

"Brieftaubenzüchter sind Tierschützer"

Taubenzucht als Kulturerbe? Der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter strebt schon länger nach dem Status des immateriellen Kulturerbes. Tierschützer hingegen warnen davor. Dieter Meilers Meinung ist eindeutig.

"Alfredo" blickt neugierig in die Kamera. Brieftaubenzüchter Dieter Meiler liebt seine "Kleinen". Er ist gerne unter Tieren und in der Natur.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Dieter Meiler ist Vorsitzender des Brieftaubenvereins Altenstadt und 2. Vorstand des Regionalverbands. Brieftauben hat er bereits seit seinem zwölften Lebensjahr. Seiner Meinung nach sollten Tierschützer und Brieftaubenzüchter mehr miteinander reden anstatt gegeneinander zu arbeiten. Schließlich sei er selbst auch Tierschützer.

ONETZ: Was versprechen Sie sich von dem angestrebten Status der Taubenzucht als immaterielles Kulturgut?

Die Brieftaubenzucht gibt es schon sehr lange. Die Sache soll nicht vergessen werden. Die Taube ist ein Phänomen, was die alles macht und kann. Historisch betrachtet hat die Brieftaube Leben gerettet, Leute zusammengebracht. Das soll erhalten und gepflegt werden. Dabei geht es nicht primär um finanzielle Unterstützung.

ONETZ: Ist Brieftaubenzucht und Tierschutz denn ein Widerspruch?

Dieter Meiler: Nein. Ich selbst habe seit meinem zwölften Lebensjahr Brieftauben. Man entwickelt einen engen Bezug zu den Tauben - wenn ich eine besonders gern habe, nenne ich sie etwa "mein Weibchen". Wir Züchter hegen und pflegen unsere Tauben. Ich selbst fahre vier bis fünf Mal täglich zum Taubenschlag, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist.

ONETZ: Was ist bei der Pflege zu beachten?

Dieter Meiler: Der Taubenschlag muss sauber gehalten werden. Tauben wollen frisches Wasser und Futter. Sie dürfen auch baden - das mögen sie besonders gerne, und es ist gut für ihr Gefieder. Außerdem bekommen sie Vitamine und Mineralien, damit sie gesund und fit bleiben. Wenn etwas nicht stimmt, bringe ich sie sofort zum Tierarzt.

ONETZ: Wie funktioniert Brieftaubenzucht?

Dieter Meiler: Sagen wir es so: Wenn im April Junge geboren werden, lassen wir sie erst einmal in Ruhe aufwachsen. Anfangs bleiben sie bei ihren Eltern. Später werden sie selbstständiger und bekommen einen eigenen Taubenschlag. Dort können sie auswachsen. Mein sieht am Gefieder, wie weit sie schon sind. Wir lassen sie dann kleine Strecken fliegen - das wollen sie aber selbst. Wir öffnen die Fenster, und dann fliegen sie einfach. Nach und nach werden die Distanzen größer. Dabei bauen sie Muskulatur auf.

ONETZ: Sind Wettbewerbe nicht stressig für die Brieftauben?

Dieter Meiler: Alle Tauben wollen raus und fliegen. Wenn wir merken, dass eine Taube fit ist, setzen wir sie ein. Dabei gibt es zahlreiche Vorschriften zum Schutz der Tauben: bei extremen Temperaturen lassen wir sie nicht fliegen.

ONETZ: Und der Transport?

Dieter Meiler: Je nach Distanz haben wir 18 bis 20 Tauben in einer Box. Wir fahren nie weiter als 500 Kilometer und immer nachts. In dieser Zeit ruhen sie auf ihren Flügeln. Natürlich bekommen sie Wasser und Futter. Also was ist Stress eigentlich? Aus der Sicht des Menschen würde ich sagen, dass man sich Stress in der Regel selber macht. Während die Fahrten gurren die Tauben - das ist ein Zeichen dafür, dass sie entspannt sind.

ONETZ: Können Tauben nicht verloren gehen?

Dieter Meiler: Eine Taube orientiert sich an der Sonne und an erdmagnetischen Feldern. Dass ist sehr faszinierend. Wenn es regnet, landet sie normalerweise. Dann schüttelt sie sich kurz und fliegt weiter. Taubenfedern sind wasserabweisend. Gewitter umfliegt sie. Tauben bekommen eine Markierung, damit man ihren Flugweg nachvollziehen kann. So können sie nicht verlieren gehen.

ONETZ: Möchten Sie Tierschützern etwas sagen?

Dieter Meiler: Tierschützer sollen kein falsches Bild haben. Ich bin nämlich auch Tier- beziehungsweise Vogelschützer. Und ich schaue immer darauf, dass es meinen Tauben gut geht. Ich finde es schön, unter Tieren und draußen an der frischen Luft zu sein. Oft heißt es, Brieftaubenzüchter würden Raubvögel hassen, das ist aber nicht wahr. Natürlich reißen Raubvögel Tauben, das ist mir auch schon passiert, und es hat mich sehr traurig gemacht. Aber das ist Natur. Ich finde, wir sollten alle mehr miteinander reden anstatt gegeneinander zu arbeiten. Vielleicht lässt sich ein gemeinsamer Weg finden. Zum Thema Weltkulturerbe: Ich meine, die Brieftaube ist es wert. Sie hätte es verdient, die Kleine.

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