23.01.2019 - 13:59 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Hintergründe zur Bluttat in Altenstadt: Spurensuche am Lindenweg

Die Kinder sind vier Jahre und sechs Monate. Ihre Mutter wurde am Mittwoch in Altenstadt getötet. Dringend tatverdächtig ist ihr Partner. Die Nachbarn beschreiben das Paar aus Syrien als unauffällig.

Mitarbeiter der Spurensicherung verlassen das Mehrfamilienhaus, in der am Mittwochmorgen eine junge Mutter starb. Die Polizei ermittelt in einem Tötungsdelikt.

von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil
von Martin Staffe Kontakt Profil

Das Haus im Lindenweg ist eines der wenigen älteren Mehrfamilienhäuser in der Gegend, in Sichtweite ein Kinderspielplatz und eine Kirche. Ermittler, Spurensicherer und Polizisten gehen am Mittwochvormittag ein und aus. Stunden zuvor, um 3 Uhr nachts, wurde hier eine 22-jährige Mutter getötet. 

Florian Beck, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz im Interview  

Der Bürgermeister von Altenstadt, Ernst Schicketanz, wohnt nur 500 Meter Luftlinie vom Tatort entfernt. „Wahnsinn“, sagt er am Mittwochvormittag. „Man meint immer, das passiert nur in einer Großstadt. Und jetzt bei uns.“ Die verstorbene Frau kennt er nicht. Von dem Sechs-Familien-Wohnhaus sind ihm keine Auffälligkeiten bekannt. Das bestätigt auch Nachbar Wolfgang Bäumler. Es habe nie Probleme gegeben, erzählt der Hausmeister der Grundschule, der direkt gegenüber wohnt. Er weiß, dass aber immer wieder die Mieter gewechselt haben. Die übrigen Bewohner seien Deutsche.

„Nichts mitbekommen“

Auch zwei Frauen aus einem Haus daneben hatten wenig Kontakt zu der Familie. Seit etwa einem Jahr wohnen sie im Haus, schätzen sie. „Wir haben gar nichts von ihnen mitbekommen“, sagt eine 83-Jährige. „Ich habe nur öfter eine junge Frau mit Kinderwagen gesehen.“

Der Lindenweg ist eine Sackgasse, die vielen Autos der Ermittler finden kaum Platz. Danach rollt noch ein weiterer Wagen vor, der Leichenwagen. Die junge Frau wurde mit einem Messer getötet, heißt es später im Polizeibericht. Dringend tatverdächtig sei ihr Lebensgefährte, der mittlerweile gestanden hat, die Frau mit einem Messer attackiert zu haben. Die Kinder der Frau, sechs Monate und vier Jahre alt, waren im Haus, als die Mutter starb. Die Wohnung, in der sich das Drama abspielte, ist eine „dezentrale Asylunterkunft“, teilt das Landratsamt Neustadt auf Anfrage mit. Der mutmaßliche Täter und das Opfer sind syrische Staatsangehörige. Die beiden sind nach Angaben der Behörde zu unterschiedlichen Zeiten aus Syrien eingereist: Der Mann kam 2015 in die Bundesrepublik, wohnt seit Februar 2016 im Landkreis. Die Getötete kam 2017 und lebte seit Juli 2017 im Landkreis.

Tatort ist Asylunterkunft

Beide haben eine Aufenthaltserlaubnis und subsidiären Schutzstatus, bestätigt die Pressesprecherin des Landratsamtes Neustadt, Claudia Prößl. Die Regierung der Oberpfalz habe den Mann für drei Jahre, also bis Mitte 2019, verpflichtet, im Landkreisgebiet zu wohnen. Die konkrete Unterkunft im erlaubten Bereich kann der Ausländer selbst wählen. Höchstwahrscheinlich aus Mangel an einer alternativen Wohnung lebte er freiwillig weiter in der dezentralen Asylunterkunft des Landkreises. Das Gleiche gelte auch für die Verstorbene, wobei die dreijährige Frist hier bis April/Mai 2020 lief. Auch sie konnte ihre Unterkunft frei im Landkreis wählen. Beide verschlug es in den Lindenweg. 

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Ein alteingesessener Altenstädter, der ebenfalls in dem Viertel lebt, erinnert sich, dass ein Einheimischer vor etwa 50 Jahren das Haus von einem Lottogewinn gebaut habe. Nach mehreren Wechseln habe der letzte Besitzer Eigentumswohnungen daraus gemacht und diese verkauft. Das Paar habe sich wohl eingemietet.

Der Tatort ist nicht zu verwechseln mit dem „Syrer-Haus“, wie die Altenstädter die nur rund 200 Meter vom Tatort entfernte Gemeinschaftsunterkunft der Regierung der Oberpfalz nennen. In den Doppelhaushälften in der Eichenstraße 2 A-2 F wohnen laut Landratsamt aktuell 32 syrische Staatsangehörige Hier gab es in der Vergangenheit Klagen wegen Lärmbelästigung sowie kleinerer Familienstreitigkeiten. Aber das sei keine Belastung für die Bürger gewesen, versichert Rüdiger Fuhrmann, Geschäftsleiter im Rathaus. Inzwischen sollen sich die Zustände in der Unterkunft normalisiert haben. Nachbarinnen bestätigen das.

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Kommentare

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Gerhard Stahl

Schlimm, einfach furchtbar für die Kinder, egal ob syrisch oder deutsch. Habe Enkel genau in diesem Alter, und weiß wie sehr sie ihre Mama brauchen. Aber auch wie sehr sie auf Oma und Opa fixiert sind, die es in diesem Fall wahrscheinlich sowieso nicht geben wird, da in Syrien viel zu weit weg, um hier irgendeine Rolle für die Kinder zu spielen. Und die Kinder zu den (unbekannten) Großeltern nach Syrien in den Bürgerkrieg zurück zu schicken, kann sicherlich keine Alternative sein.
Wünsche den beiden Kindern, dass für sie eine Pflegefamilie gefunden wird, wo sie so aufwachsen können, wie es jedes Kind verdient hat, .

24.01.2019