23.01.2019 - 13:59 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Junge Mutter tot: Viele Fragen

Eine junge Mutter starb am Mittwochvormittag. Die Polizei ermittelt wegen eines möglichen Tötungsdelikts. Nach Behördenangaben ist sie Syrerin, genauso wie ihr Lebensgefährte, der von der Polizei vernommen wurde.

Mitarbeiter der Spurensicherung verlassen das Mehrfamilienhaus, in der am Mittwochvormittag eine junge Mutter starb. Die Polizei ermittelt in einem Tötungsdelikt.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Es ist eines der wenigen älteren Mehrfamilienhäuser in der Gegend, in Sichtweite ein Kinderspielplatz und eine Kirche. Dass hier wenige Stunden zuvor eine 22-jährige Mutter vermutlich gewaltsam starb - die Polizei spricht von einer "Getöteten" - ist von außen nicht erkennbar. Ein Polizeiwagen steht vor dem zweistöckigen Haus mit sechs Wohnungen. Im Eingang stehen Polizisten, Ermittler in Zivil gehen ein und aus. Nur manchmal sieht man durch das Fenster im Treppenhaus Leute in weißen Schutzanzügen, sie bücken sich und stehen wieder auf. Sie sichern die Spuren der Ereignisse, die sich auch in dem formal gehaltenen Polizeibericht dramatisch anhören: Einsatzkräfte treffen nach mehreren Notrufen um 3 Uhr morgens auf eine verletzte Frau. Sie ist nicht ansprechbar. Sie wird wiederbelebt, stirbt jedoch noch am Einsatzort. Ihr Lebensgefährte wird gerade von der Polizei befragt, vermeldet ein Polizeisprecher.

Die junge Frau hinterlässt zwei Kinder, ein sechs Monate altes Baby und ein Kleinkind mit 4 Jahren. Laut Informationen des Landratsamtes ist sie Syrerin, genau wie ihr Lebensgefährte. Das Paar hat unterschiedlichen Flüchtlingsstatus, meldet das Landratsamt. Zuständig für sie und die zwei Kinder ist der Landkreis.

Der Bürgermeister der Gemeinde mit knapp 5000 Einwohnern, Ernst Schicketanz, wohnt nur 500 Meter Luftlinie vom Tatort entfernt. „Wahnsinn“, sagt er am Mittwochvormittag. „Man meint immer, das passiert nur in einer Großstadt. Und jetzt bei uns.“ Die verstorbene Frau kennt er nicht. Von dem Sechs-Familien-Wohnhaus sind ihm keine Auffälligkeiten bekannt.

Das bestätigt auch Nachbar Wolfgang Bäumler. Es habe nie Probleme gegeben, erzählt der Hausmeister der Grundschule, der direkt gegenüber wohnt. Er weiß, dass es aber immer wieder einen Mieterwechsel gegeben habe. Die übrigen Bewohner seien Deutsche.

Auch zwei Frauen aus einem Haus daneben hatten wenig Kontakt zu der Familie. Seit etwa einem Jahr wohnten sie im Haus. "Wir haben gar nichts von ihnen mitbekommen", sagt eine 83-Jährige. "Ich habe nur öfter eine junge Frau mit Kinderwagen gesehen."

Ein alteingesessener Altenstädter, der ebenfalls in dem Viertel lebt, erinnert sich, dass ein Einheimischer vor etwa 50 Jahren das Haus von einem Lottogewinn gebaut habe. Nach mehreren Wechseln habe der letzte Besitzer Eigentumswohnungen daraus gemacht und diese verkauft. Die jungen Syrer hätten sich wohl eingemietet.

Der Tatort ist nicht zu verwechseln mit dem „Syrerhaus“, wie das von der Bevölkerung nur rund 200 Meter in der Kantstraße entfernte Gebäude genannt wird. In dieser dezentralen Unterkunft des Landkreises wohnen seit etwa vier Jahren mehrere Flüchtlinge aus Syrien. Hier gab es in der Vergangenheit immer wieder einmal Klagen wegen Lärmbelästigung, vor allem im Sommer, sowie kleinere Familienstreitigkeiten. Aber das sei keine Belastung für die Bürger gewesen, versichert Rüdiger Fuhrmann, Geschäftsleiter im Rathaus. Inzwischen sollen sich die Zustände in der Unterkunft normalisiert haben. Auch die Nachbarinnen berichten, dass es dort ganz ruhig zugehe.

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Kommentare

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Gerhard Stahl

Schlimm, einfach furchtbar für die Kinder, egal ob syrisch oder deutsch. Habe Enkel genau in diesem Alter, und weiß wie sehr sie ihre Mama brauchen. Aber auch wie sehr sie auf Oma und Opa fixiert sind, die es in diesem Fall wahrscheinlich sowieso nicht geben wird, da in Syrien viel zu weit weg, um hier irgendeine Rolle für die Kinder zu spielen. Und die Kinder zu den (unbekannten) Großeltern nach Syrien in den Bürgerkrieg zurück zu schicken, kann sicherlich keine Alternative sein.
Wünsche den beiden Kindern, dass für sie eine Pflegefamilie gefunden wird, wo sie so aufwachsen können, wie es jedes Kind verdient hat, .

24.01.2019