Auf der Bühne in Veitshöchheim machen die Mannen der Altneihauser Feierwehrkapell'n in ihren schwarzen historischen Uniformen eine gute Figur. Bei einem Brandeinsatz würden sie in dieser Aufmachung wohl schnell an ihre Grenzen kommen. Die Einsatzkleidung der Feuerwehren hat sich mit den wachsensen Anforderungen im Laufe der Jahre gewandelt. Die Hightech-Jacken und -Hosen sind schwer entflammbar sowie schmutz- und wasserabweisend. Und noch eines hat sich geändert: Feuerwehrkleidung gibt es mittlerweile in verschiedenen Farben.
Feuerwehr Altenstadt/WN in Beige
Obwohl der modische Aspekt bei der Einsatzkleidung einer Feuerwehr eine eher untergeordnete Rolle spielt, fallen die Männer und Frauen der Feuerwehr Altenstadt/WN auf. "Bei einem größeren Einsatz mit mehreren Feuerwehren kann man unsere Leute gleich erkennen", sagt Kommandant Gottfried Amschl. 2019 sind die bislang blau-orangefarbenen Jacken und Hosen durch einheitliche neue Kleidung ersetzt worden. Seitdem tritt die Altenstädter Wehr komplett in Beige auf. "Laut Hersteller in Camel", wie stellvertretender Kommandant Markus Lindner schmunzelnd hinzufügt. Da die Nachbarfeuerwehr aus Neustadt/WN rote Anzüge trägt, entschlossen sich die Altenstädter für die beige Variante, um sich bei einem größeren Einsatz auch farblich zu unterscheiden. Angst vor zu viel Schmutz auf dem hellen Stoff haben sie nicht. Ganz im Gegenteil. "So sieht man den Dreck eher und wir wissen, wann die Sachen gewaschen werden müssen", sind sich die Kommandanten einig.
Insgesamt besitzt die Truppe 32 neue Jacken und Hosen, die allen Anforderungen standhalten und sowohl für den Brandeinsatz als auch für technische Hilfeleistungen geeignet sind. Gewaschen wird übrigens nicht selber. Für die Schuhe gibt es eine Stiefelwaschanlage, die Jacken und Hosen werden ins HPZ nach Irchenrieth gebracht. "Das dauert zwei Tage", erklärt Amschl. Falls die Feuerwehr in dieser Zeit alarmiert wird, trägt sie die alte Kleidung, die als Ersatz dient. Damit niemand mehr seine Hose umkrempeln muss, weil sie zu lang ist, sind die beigefarbenen Hosen und Jacken Maßanfertigungen. Rund 2000 Euro pro Mann/Frau hat sich die Kommune das kosten lassen.
Feuerwehr Windischeschenbach trägt dunkles Blau
Auch die Windischeschenbacher Wehr hat zunächst mit Jacken in Beigegeliebäugelt, sich aber dann doch für Variante in Dunkelblau entschieden. "Was ist, wenn ein Atemschutzträger nach einem Innenangriff wieder rauskommt?", gibt Kommandant André Stessmann zu bedenken. "Das kriegt man doch nie wieder sauber", vermutet er. Seit 10 Jahren steht er an der Spitze der Windischeschenbacher Wehr. In dieser Zeit wurde die Einsatzkleidung so nach und nach erneuert. Bei 40 Aktiven sei das auf einmal nicht möglich gewesen. Die Kleidung seiner Truppe teilt sich in zwei Kategorien. Während der normale Feuerwehrler die Standardvariante trägt, die etwa für eine technische Hilfeleistung völlig ausreicht, sind die Atemschutzträger mit speziellen Überjacken und -hosen ausgestattet. Dazu gehören Spezialhandschuhe und eine Flammschutzhaube. Den neongelben Helm mit Lampe haben alle. Die komplette Ausstattung pro Person kostet rund 1200 bis 1300 Euro. "Für unsere Zwecke langt das alle mal", sagt Stessmann. "Noch oben sind da preislich keine Grenzen gesetzt." Gewaschen wird in Windischeschenbach so nach und nach in der eigenen Waschmaschine. "Auch wir haben unsere Sachen schon ins HPZ gefahren", sagt der Kommandant. "Doch das ist für uns ein riesiger logistischer Aufwand."
Den Drittklässlern der Grundschule, auf deren Lernplan der Besuch bei der Feuerwehr steht, führt der Kommandant es immer wieder vor. In nur wenigen Sekunden hat er Stiefel, Hose und Jacke angezogen und ist startklar. Wie geht das? "Ganz einfach", erklärt Stessmann. Die Hosenbeine stecken bereits in den Stiefeln, sodass der Feuerwehrler "nur noch reinspringen" muss. Bei der Standardvariante könne man die Kleidung, die man gerade trägt, problemlos anlassen. Für Atemschutzträger wäre es besser, die Jeans vorher auszuziehen.
Grafenwöhr trägt rot
Knallig geht es bei der Feuerwehr Grafenwöhr und den dazugehörigen Ortsteilwehren Hütten, Gmünd und Gössenreuth zu. "Wir tragen seit 2019 Rot", sagt Kommandant Alexander Richter. Bis dahin rückten die Stadtwehren in den alten Bayern-2000-Anzügen (schwarz-blau mit orangem Schulterteil) aus. Für die Einsatzkleidung gebe es zwar eine gewissen Zertifizierung, erklärt Richter. "Doch die Farbe spielt keine Rolle."
Die Grafenwöhrer Wehr hat sich ihre Entscheidungsfindung nicht leicht gemacht. "Wir haben uns vor dem Kauf alles angeschaut", sagt der Kommandant. "Auch von verschiedenen Herstellern." Ausschlaggebend sei ein Test im Dunkeln auf einer Wiese gewesen. Der rote Anzug sei einfach besser zu sehen gewesen. "Speziell die Sichtbarkeit war für uns ein wichtiges Kriterium", sagt Richter. Das habe sich beim letzten Faschingszug gezeigt, blickt er zurück, bei dem nicht nur Grafenwöhr, sondern auch noch andere Wehren mit dunkler Kleidung zur Absicherung vor Ort war. "Unsere Feuerwehrleute in Rot sind aufgefallen."
Im Gespräch waren zunächst auch hellbraune Anzüge. Davon riet Richter, der nicht nur ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr, sondern auch beruflich bei der US-Wehr im Lager im Einsatz ist, seinen Kameraden ab. "Die Farbe verdreckt sehr schnell", weiß er aus Erfahrung. Innerhalb der vergangenen drei Jahre sind nun alle zu Grafenwöhr gehörigen Wehren mit den roten Schutzanzügen ausgestattet worden. Optisch gibt es zwischen Atemschutzträgern und den anderen Feuerwehrleuten keine Unterschieden. "Die Anzüge der Atemschutzträger sind zusätzlich noch mit einem Vlies versehen", erklärt der Kommandant. Gewaschen wird die Kleidung selbst, dafür gibt es im Grafenwöhrer Gerätehaus eine Waschmaschine und einen Trockner.


















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