19.04.2019 - 11:34 Uhr
Altfalter bei SchwarzachOberpfalz

Wie kommt die Farbe in die Schale?

Das eine sieht aus wie dunkle Schokolade mit kleinen Nusssplittern. Das andere hat die Farbe eines Pfefferminzbonbons. Hans Grubers Hühner legen ungewöhnliche Eier - und das nicht nur an Ostern.

Hans Gruber besitzt unter anderem Grünleger. Svetlana, die Grubers Vater pflegt, mag die Tiere. Auch in ihrer Familie in Moldawien werden Hühner gehalten.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Unter den "Normalos" picken im Stall auch Hühner der Rassen Marans und Auracana, daneben laufen schwedische Blumenhühner - alle sorgen für einen besonderen Farbtouch.

Hans Gruber aus Unterauerbach kennt sich aus im "Hühnergeschäft". Vor 35 Jahren hat der 63-Jährige den Kleintierzuchtverein Unterauerbach gegründet, der 237 Mitglieder zählt, die 40 Jugendlichen nicht mitgerechnet. Der Ehrenvorstand wuchs als Kind mit Tieren auf. Daheim wurde die kleine Landwirtschaft betrieben: Sieben Kühe, Kälber und "Sucherla", wie es "halt früher war". Tauben und Hühner, das gehörte einfach dazu.

Biotonne bleibt leer

"Es ist schön, sie um sich zu haben", erzählt der gelernte Schreiner auf dem Weg zum Hühnerstall. "Und ich hab jeden Tag frische Eier und weiß, was drin ist", macht er sich so seine Gedanken über Legebatterien und Eierskandale. Seine Hühner bekommen Weizen, Brot, Grünzeug und was so an Küchenresten anfällt. Gruber braucht keine Biotonne: Alles wird gefüttert und verwertet. Das Ergebnis liegt in den strohgepolsterten Legekojen.

Gruber schärft den Blick für gute Züchtungen: Gleichmäßige Kammzacken, die Kehllappen sollten nicht faltig, der Rücken schön durchgeschwungen sein. "Rosenkamm und schön zulaufender Dorn" spielen bei Ausstellungen eine Rolle. Die Zucht ist ein Kapitel für sich. Derzeit hält Hans Gruber Hühner jedoch nur als Eierproduzentinnen. Neun Legehennen samt Gockel stolzieren durch Stall und Freigelände. Mit dem Mann im Haus ist auch mehr Ruhe im Stall, weiß Gruber. Sonst konkurrieren die Hennen um den Chefposten. Optisch kleine Stars sind die Bantam-Hühner. Sie stammen vermutlich aus dem Bezirk Banten (ehemals Bantam) auf Java.

Was der Verbraucher normalerweise im Zehnerpack kauft, sind braunen und weiße Eier - von Braunlegern und weißem Leghorn. Der Kunde greift verstärkt zu braunen Eiern, verbindet artgerechte Haltung damit. "Ein Schmarrn", meint Gruber. Brutvögel sind in der Natur darauf bedacht, das Gelege vor Fressfeinden zu schützen. Die Farbe braun verschmilzt mit der Umgebung. Das ist auch den Haushühnern geblieben. Und warum gibt es dann weiße Eier? "Den Hennen wurde das Gen, das für die Farbe sorgt weggezüchtet", erklärt Gruber. Nur an Ostern sind die weißen Eier stärker gefragt, als die braunen, "weil sie sich schöner färben lassen."

Wann wird's "schokoladig"?

Die Braunfärbung treibt das Marans-Huhn - das sind die schwarz gefiederten mit den flaumigen "Socken" an den Beinen - auf die Spitze. Rote Farbpigmente aus dem Blut, das Hämoglobin, und gelbe Farbpigmente aus der Galle werden in der Schalendrüse der Henne gebildet und sorgen für den Schokotouch.

Wie intensiv die Färbung ist, ist auch vom Legezeitpunkt und dem Alter der Marans abhängig. Je älter die Henne und je fortgeschrittener die Legeperiode, umso heller werden die Eier. "Mit der Zeit geht den Hennen die Farbe aus", erzählt Gruber. Die Farbpigmente sind nämlich - anders als bei den Braunlegern - nicht in der Kalkschale des Eis eingelagert: Die braune Farbe wird erst kurz vor dem "Ausgang", der Kloake, aufgebracht. Und wenn hier nicht mehr so viel Farbe ist, wird die "Schokolade" eben heller.

Für einen hübschen Kontrast sorgen auch Auracana-Hühner, die grüne Eier legen. Dafür sorgt der Gallenfarbstoff Oocyan. Die Hennen sind eher klein, ihnen fehlen die Schwanzfedern oder sie sind ganz schwanzlos. Der "Farbmischkasten" ist der gleiche wie bei Marans. Doch der Blutfarbstoff durchläuft beim Abbau Farbnuancen von blau über grün bis gelb. Geht bei braunlegenden Hühnern der Abbauprozess bis zum Ende, so ist bei grünlegenden Hühnern bereits nach der ersten Stufe Schluss. Grünlicher Farbstoff lagert sich in der Kalkschale ein.

Nichts für Ziergärten

Welche der drei grundlegenden Farbgene - blau, braun oder weiß - vorhanden ist, ist bereits im Erbgut verankert. Und wie erkennt das der Laie am Huhn-Outfit? "An den Ohrscheiben", weiß der Unterauerbacher. Bei Braun- und Grünlegern sind die rot, bei Hennen, die weiße Eier legen, weiß. Hühnerhaltung liegt im Trend. "Kinder lieben das". Hans Gruber ermuntert Familien dazu. Man braucht jedoch einen entsprechenden Freilauf. "Für einen Ziergarten ist das nichts," zeigt er auf seine pickende Hühnerschar.

Wie wäre es mit schokobraunen Marans-, grünen Auracana-Eiern oder zart-beigen Eiern vom schwedischen Blumenhuhn? Bei dieser Palette könnten eigentlich die Färbemittel in der Tüte bleiben.
Schon ein Hingucker: Die schwarzen Bantam-Hühner.
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